Es ist gut ein Jahr her, dass Augsburgs Geschäftsführer Michael Ströll ein Thema besonders wichtig war: In jedem Interview sprach er von der "Grauen Maus". Nun waren aber nicht die Räumlichkeiten des FC Augsburg ein Fall für den Kammerjäger. Vielmehr ging es Ströll um einen Imagewechsel seines Vereins. Man wollte eine andere Rolle als die der grauen Maus der Fußball-Bundesliga spielen. "Wir haben uns in der Vergangenheit immer kleiner gemacht als wir sind und das wollen wir ein bisschen ablegen", sagte Ströll damals in "Blickpunkt Sport".
Nie mehr "Graue Maus" dank Wagner?
Weil Trainer Jess Thorup mit seinem eher defensiven, aber durchaus erfolgreichen Ansatz aber zu sehr "Graue Maus" war, trennte man sich im Sommer vom Dänen, obwohl man wenige Monate zuvor den Vertrag bis 2026 vorzeitig verlängert hatte. Wohl auch, weil der ehemalige Co-Trainer der Nationalmannschaft Sandro Wagner verfügbar war. Mit ihm wollten die Verantwortlichen die Entwicklung, die unter Thorup mit stark steigenden Zuschauerzahlen schon erste Erfolge gebracht hatte, zusätzlich beschleunigen. Mit Wagner, der nie um einen flotten Spruch verlegen war, sollte das doch möglich sein, so der Plan.
Der Hauruck-Imagewechsel scheitert
Doch wie so oft, wenn man Dinge erzwingen möchte, scheiterte auch der FC Augsburg. Nach 14 Spielen und einem Punkteschnitt von 0,93 erlösten Ströll und Sportdirektor Weber den angehenden Fußballlehrer Wagner, der mit seinem Latein am Ende zu sein schien. Zuvor hatten die Fans gegen ihn und die Augsburger Vereinsführung mit Bannern protestiert. "Imagewechsel vollbracht: Von der Grauen Maus zur Schießbude der Liga", war im Heimspiel gegen Dortmund zu lesen. Viel besser konnte man die Situation der Schwaben nicht zusammenfassen.
Baum bleibt Interimstrainer bis Sommer
Nach dem Wagner-Aus übernahm ein alter Bekannter die Mannschaft. Manuel Baum, der schon zwischen 2016 und 2019 auf der Trainerbank des FCA gesessen hatte und im Sommer als Direktor Entwicklung zum Verein zurückgekehrt war, wurde Interimstrainer. Ströll und Weber mussten ihre Fehleinschätzung bei Wagner zugeben, kündigten aber an, baldigst einen Wagner-Nachfolger präsentieren zu wollen. Doch dieses Unterfangen gestaltete sich wohl doch schwieriger als gedacht und so verlängerten sie Baums Interimstätigkeit bis zum Sommer. Baums Bilanz mit vier Punkten aus drei Spielen dürfte bei der Entscheidungsfindung geholfen haben.
Baum und Gregoritsch: FC Augsburg setzt auf Retro
Und der Retro-Trend setzt sich fort. In dieser Woche verkündete der Verein die Rückkehr von Stürmer Michael Gregorisch, der die Offensivflaute beheben soll. Der österreichische Nationalspieler lief schon von 2017 bis 2022 mit der Zirbelnuss auf der Brust auf - unter Trainer Manuel Baum. Manch FCA-Fan dürfte sich dieser Tage wie in einer Zeitkapsel wähnen. Zurück in "Graue-Maus"-Zeiten, aber damals erfolgreich.
Er freue sich darauf, "alte Weggefährten wiederzutreffen, und erinnere mich gerne an die Zeit unter Manuel Baum", ließ sich der Neuzugang in einer Pressemitteilung zur Verkündung des Leihgeschäfts mit Bröndby IF zitieren.
Mahnendes Beispiel Hertha BSC
An die erfolgreiche Zeit unter Baum wolle Gregoritsch mit seiner neuen, alten Mannschaft "anknüpfen und die untere Tabellenregion schnell verlassen". Der FC Augsburg steckt weiter mittendrin im Abstiegskampf, hat nur zwei Zähler Vorsprung auf den Relegationsplatz, drei auf den Abstiegsplatz. In ihrer 14. Saison als Erstligist könnte es mit dem Klassenerhalt mal wieder eng werden. Bisher musste der FCA noch nie den Gang in Liga zwei antreten. Kostet der erzwungene Imagewechsel den Augsburgern am Ende die Erstklassigkeit?
Das Fußballjahr 2026, das für den FC Augsburg mit der Auswärtspartie in Mönchengladbach am Sonntag startet (ab 15.30 Uhr in der Radioreportage und im Liveticker), wird es zeigen. Doch mahnende Beispiele, von Vereinen, die hoch hinaus wollten und tief fielen, gibt es genügend. Hertha BSC vollzog den Wandel vom "Big-City-Klub" zum Zweitligisten im inzwischen dritten Jahr in Folge.
In Augsburg werden sie alles tun, das zu verhindern.
