Vor der Reise nach Mailand war das Ziel klar: eine olympische Medaille. Nun mussten sich die deutschen Eishockey-Männer im Viertelfinale gegen die Slowakei mit 2:6 (0:1, 1:3, 1:2) geschlagen geben. "Das tut weh", sagte Eishockey-Superstar Leon Draisaitl nach der Niederlage. Mit vielen NHL-Stars im Team und dem vermeintlich leichteren Los im Turnierbaum waren die Hoffnungen auf eine Medaille groß gewesen. Nun ist der Traum geplatzt.
Viertelfinal-Aus trotz NHL-Stars und Turnierbaum-Glück
Noch nie war eine deutsche Eishockey-Auswahl so stark besetzt wie bei Olympia 2026. Mit sieben NHL-Stars, darunter absolute Weltklassespieler wie Draisaitl, Tim Stützle und Moritz Seider, hatte das DEB-Team eine zarte Medaillenhoffnung. Zwar lief die Vorrunde des Turniers mit nur einem Sieg gegen Dänemark (3:1) und zwei Niederlagen gegen Lettland (3:4) und die USA (1:5) nicht perfekt, doch gab der Turnierbaum wieder Hoffnung.
Gegen Frankreich und die Slowakei hatte man das vermeintlich leichtere Los gezogen. Der hohe Sieg gegen die Franzosen (5:1) gab nochmal Rückenwind und Selbstvertrauen. Doch gegen die Slowaken, die ebenfalls über NHL-Profis verfügten, wurden die sportlichen Defizite deutlich, die sich schon in der Vorrunde bemerkbar gemacht hatten.
Offensive ineffizient, Defensive fehlerhaft
Die Offensive setzte extrem auf die NHL-Stars um Angreifer Draisaitl. Doch oft agierten sie zu kompliziert, standen sich mit der Suche nach optimalen Spielzügen selbst im Weg. Der erste deutsche Treffer im zweiten Drittel durch Lukas Reichel (35.) kam, als die Mannschaft schon vier Tore zurücklag. Das Tor von Frederik Tiffels (50.) hatte dann nur noch kosmetische Auswirkungen auf das Ergebnis.
In der Defensive führten fatale individuelle Fehler, Ausrutscher und falsche Entscheidungen zu den sechs Gegentoren der Torschützen Pavol Regenda (19., 41.), Milos Keleman, Oliver Okuliar (beide 25.), Dalibor Dvorsky (31.) und Tomas Tatar (56.). Vor allem im zweiten Drittel häuften sich die Fehler und spitzten sich in Minute 25 zu, als die Slowakei zweimal innerhalb von 33 Sekunden traf.
Spielentscheidung im zweiten Drittel
"Das zweite Drittel hat uns das Genick gebrochen", analysierte Tiffels und ergänzte: "Die Slowaken haben das ausgenutzt, dann sieht es natürlich blöd aus, wenn es mit 1:4 ins letzte Drittel geht. Im Endeffekt war es ein deutliches Ergebnis und gleichzeitig haben die Slowaken die Kleinigkeiten besser gemacht, die Zweikämpfe in den richtigen Momenten gewonnen."
Auch Draisaitl musste zugeben, dass die Niederlage verdient war: "Das waren heute einfach zu viele Fehler, ich weiß nicht, wie viele Konter wir zugelassen haben." Die Enttäuschung war ihm ins Gesicht geschrieben, als er mit dem siegreichen Gegner nach dem Spiel abklatschte. Dass die Slowakei schon 2022 in Peking Grund für das deutsche Ausscheiden war, machte die Situation nicht besser.
Sturm: "Art und Weise ist enttäuschend"
Zwar wollte Bundestrainer Harold Kreis nicht nach "Ausreden suchen, aber Tempo hängt auch ein bisschen mit physischem Zustand zusammen. Wir spielen ein zweites Spiel innerhalb von nicht mal 24 Stunden, die Slowaken hatten drei Tage frei", sagte Kreis: "Ob das jetzt eine Rolle gespielt hat, weiß ich nicht."
Unabhängig vom Fitness-Zustand der Mannschaft hätte sich Angreifer Nico Sturm ein besseres Auftreten seines Teams gewünscht. "Wenn man vor dem Turnier gesagt hätte, dass wir im Viertelfinale ausscheiden, hätte man wahrscheinlich gesagt: 'Das ist okay.' Aber die Art und Weise, wie wir gespielt haben, ist völlig enttäuschend."
