Hasskommentare in den sozialen Medien – sie erreichen inzwischen auch Spitzensportler. Und sie können zu Gift für die Psyche werden, vor allem in Situationen, in denen besonderer Leistungsdruck herrscht. Sogar olympische Disziplinen sind betroffen. Olaf Tabor vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gab jetzt eine Zahl bekannt: 1.300 Hasskommentare wurden mit Hilfe eines KI-Filters bei den aktuellen olympischen Winterspielen in Italien aus Social-Media-Konten der Sportler herausgelöscht. Einige davon würden derzeit von der Staatsanwaltschaft untersucht.
Für Hatespeech reicht ein Leistungstief aus
Als Philipp Raimund kürzlich bei den Olympischen Winterspielen in Italien die Goldmedaille für Deutschland gewinnt, wird er gefeiert und bejubelt. Seine Follower auf Social Media nehmen rasant zu. Doch es hat im Leben des erfolgreichen Skispringers auch schlechte Phasen gegeben. Immer dann fanden sich in seinen Accounts auf Facebook und Instagram üble Hasskommentare.
Dem BR-Funkstreifzug erzählt Raimund vor seinem Olympia-Coup von seinen Erfahrungen und nennt ein Beispiel: "Du bist unfähig, du bist ein arrogantes Arschloch", schrieb ihm ein Hater, als es mit dem erhofften Sieg nicht klappte, wie bei der vergangenen Vierschanzentournee.
Dabei versuche man als Spitzensportler, jeden Tag 100 Prozent zu geben, "mal funktioniert es besser, mal schlechter". Jedenfalls stecke eine Menge Leid und "Aufopferung" hinter der Leistung eines Athleten. Die Hasskommentare könne er deshalb nicht nachvollziehen, sie zögen ihn runter.
KI-Filter als digitaler Schutzschirm für Sportler
Der Deutsche Olympische Sportbund DOSB hat erstmals 2024 reagiert. Er stellte den Sportlern ein KI-Tool zur Verfügung, das Hasskommentare aus den Social-Media-Accounts der Athleten herausfiltern kann. Die Sportler sollten sich mit dieser Hilfe wieder vollkommen auf ihren Wettkampf konzentrieren können. Quasi in Echtzeit werden die Beleidigungen eliminiert.
Tausende Hasskommentare blockiert
Durch den KI-Filter wurden laut DOSB während der Sommerspiele in Paris mehr als 61.000 Kommentare gescannt und knapp 4.000 davon automatisch ausgeblendet.
Inzwischen wurde dieser "digitale Schutzschirm" weiterentwickelt. Bei den Olympischen Winterspielen steht er den Athleten wieder zur Verfügung.
Olympia-Sieger schwört auf den Filter
Skispringer Philipp Raimund hat dieses Angebot sofort angenommen. "Das nimmt mir so viel unnötigen Druck weg", sagt der 25-jährige Athlet. Er müsse sich die negativen Nachrichten nicht mehr durchlesen, könne aber die Postings sehen, die ihm ein positives Feedback geben. Diesen "Drive" könne er gerade bei wichtigen Wettbewerben gut gebrauchen.
Löschung von Hassnachrichten und Strafverfolgung
Eigentlich wäre es in der Verantwortung der Plattformen wie Instagram oder Facebook, Hasskommentare zu löschen. Doch weil das nicht gut funktioniert, fordern mehrere Sportverbände inzwischen auch schärfere gesetzliche Regelungen.
Bisher können Staatsanwälte im Regelfall nur von sich aus ermitteln, wenn es um Volksverhetzung geht oder zu Gewalt aufgerufen wird. Ansonsten müssen Betroffene in jedem Einzelfall selbst einen Strafantrag stellen, damit Täter verfolgt werden können. Eine Abteilung in Frankfurt am Main ist inzwischen spezialisiert auf den Umgang mit Hasskommentaren, die so genannte ZIT, Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität.
Die ganze Recherche hören Sie im Funkstreifzug am 17.9. um 12:15 Uhr im Radioprogramm von BR24 oder als Podcast in der ARD-Audiothek.
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