Schon bei seinen letzten Zügen war Oliver Zeidler klar: Diese Goldmedaille ist ihm nicht mehr zu nehmen. Der Oberbayer sicherte sich bei der Ruder-Europameisterschaft auf dem Lago di Varese seinen bereits vierten EM-Titel - und das mit europäischer Bestzeit: 6:36,39 Minuten. Zeidler jubelte im Ziel des Sees in Norditalien, da fuhren die anderen erst über die Ziellinie: Silber ging an den Belarussen Jauhen Salaty (6:39,94), Bronze an den Griechen Stefanos Ntouskos (6:40,97).
Es war die nächste Gala des Ruder-Olympiasiegers von 2024. "So dominant bin ich noch keine Saison gefahren", sagte Zeidler am Sportschau-Mikrofon.
Schon Europa-Bestzeit im Halbfinale
Für den 30-jährigen Zeidler ist es der verdiente Lohn in den Tagen von Varese. Von Freitag an bis zum Sonntag hatte er eine überragende Form gezeigt, sicherte sich mit einem klaren Vorlaufsieg den direkten Einzug ins Halbfinale. Dort stellte er bereits die erste europäische Bestzeit auf (6:37,87 Minuten), "echte" Welt- und Europarekorde gibt es im professionellen Rudersport wegen der Umwelteinflüsse nicht.
Nun folgte erneut eine starke Vorstellung, bei der kein Konkurrent mithalten konnte. In der Saison 2026 hat Zeidler damit bisher noch kein Rennen verloren. Es ist der nächste weiß-blaue Höhepunkt bei der EM: Bereits am Samstag gewannen auch Patrick Erdmann und Johannes Ursprung vom ARCW (Akademischer Ruderclub Würzburg) den Titel im Leichtgewichtszweier, der allerdings nicht olympisch ist. Am Sonntag folgte noch Silber des Würzburgers Fabio Kress im ebenfalls nicht olympischen Leichtgewichts-Einer.
Übergangsjahr 2025: Studium statt Wettkampfsaison
Schon im Winter bewies Zeidler eine starke Form und stellte auf dem Ergometer einen neuen Weltrekord auf. Der Oberbayer scheint in diesem Jahr noch stärker zu sein als 2024 bei seinem Olympiasieg in Paris – und das, obwohl Zeidler im nacholympischen Jahr 2025 einiges kürzer trat.
Denn nach seinem Erfolg in Paris zog Zeidler in die Schweiz um. 2025 war ein Übergangsjahr, in dem er seinen Masterabschluss priorisierte. Mehr als elf Monate fuhr Zeidler keine Wettkämpfe. Bei der WM in Shanghai reichte es trotzdem zur Silbermedaille. Seit Ende 2025 hat der 2,03-Meter-Mann nun seinen Abschluss in der Tasche.
Neues Trainingskonzept mit Vater für Olympia 2028
Auf dem Weg nach Olympia 2028 geht er nun aber andere Wege, um noch schneller zu werden. Sein Trainer bleibt aber weiterhin sein Vater Heino. "Bis zu den Olympischen Spielen 2024 habe ich im Grunde immer nach demselben Plan trainiert. Dieses Jahr haben mein Vater und ich einiges umgestellt", sagte Zeidler über das Training im Jahr 2026. Im Idealfall soll das in Los Angeles zu seinem zweiten Olympiasieg führen.
Aber erst einmal warten noch Ziele in diesem Jahr: Bei der Ruder-WM in Amsterdam im September soll nach EM-Titel vier auch WM-Titel vier glücken. Auf der schnellen, windanfälligen Regattastrecke könnte auch der Weltrekord wackeln. "Eine Weltbestzeit oder ein Weltrekord – und die Vorstellung, schneller zu sein als je jemand zuvor – sind schon ein großer Antrieb für mich", sagt Zeidler. Der Europameister und neue Europa-Bestzeithalter im Einer.
