16 Jahre lang gab er beim FC Schweinfurt die Richtung vor: Markus Wolf (links, mit Ex-Trainer Kleinhenz). Nun übernehmen Jüngere den Verein.
16 Jahre lang gab er beim FC Schweinfurt die Richtung vor: Markus Wolf (links, mit Ex-Trainer Kleinhenz). Nun übernehmen Jüngere den Verein.
Bild
16 Jahre lang gab er beim FC Schweinfurt die Richtung vor: Markus Wolf (links, mit Ex-Trainer Kleinhenz). Nun übernehmen Jüngere den Verein.
Bildrechte: picture alliance / Pressefoto Evans | Ryan Evans
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance / Pressefoto Evans | Ryan Evans
Audiobeitrag

16 Jahre lang gab er beim FC Schweinfurt die Richtung vor: Markus Wolf (links, mit Ex-Trainer Kleinhenz). Nun übernehmen Jüngere den Verein.

Audiobeitrag
> Sport >

Zukunft des 1. FC Schweinfurt 05: Vom Wolf zum Heilerzieher

Zukunft des 1. FC Schweinfurt 05: Vom Wolf zum Heilerzieher

Der Rücktritt von Markus Wolf hat den FC Schweinfurt hart getroffen. Schließlich war Wolf 16 Jahre lang Gesicht und Geldgeber der Schweinfurter. Seit gestern Abend hat der Verein nun eine neue Führung und muss wieder kleinere Brötchen backen.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Das Sachs-Stadion in Schweinfurt wird in der medialen Berichterstattung oft von einem Adjektiv begleitet: "altehrwürdig." Altehrwürdig, weil das Stadion im Bauhhausstil in diesem Jahr seinen 90. Geburtstag feiert – eröffnet 1936 von einigen Nazigrößen. Wer das Stadion betritt, geht durch eine denkmalgeschützte Kassenanlage aus Backstein und kann dann im Schatten großgewachsener Linden rund um das Spielfeld Fußball oder Leichtathletik gucken.

Hinter den Kassenhäuschen steht seit wenigen Monaten ein zweigeschossiges weißes Zelt: "VIP-Zelt" hat es der Verein getauft, als "exklusiver Treffpunkt für Sponsoren, Partner und besondere Gäste", wie es hieß – um den "Anforderungen des Profifußballs" gerecht zu werden.

Aufstieg in 3. Liga Höhepunkt von Wolfs Amtszeit

Ob das zusammenpasst, dieses "altehrwürdige" und der moderne Fußball – das haben sie in Schweinfurt nun über Monate ausgelotet. Vor rund einem Jahr feierte der FC Schweinfurt mit seinen Fans den Aufstieg in die 3. Liga. Es war der Höhepunkt in der 16-jährigen Amtszeit von Möbelhändler Markus Wolf an der Vereinsspitze.

Wolf übernahm die Schweinfurter 2008 in der Landesliga. "Als ich angefangen habe vor 16 Jahren, da waren wir vor einem kompletten Kollaps", erzählt Wolf. Nicht einen einzigen Computer habe es in der Geschäftsstelle gegeben, sagt Wolf im "VIP-Zelt". Jetzt steht der Verein vor der nächsten großen Wende.

Schweinfurt das "Pipinsried der 3. Liga"

Von Saisonbeginn an stehen die Schnüdel in der 3. Liga auf einem Abstiegsplatz, seit Anfang April ist der Abstieg rechnerisch besiegelt. "In dieser Saison sind uns unsere Grenzen aufgezeigt worden", sagt Wolf. In den Stadien in Rostock, Aachen oder Duisburg habe er erlebt, wie weit weg der FC Schweinfurt wirklich von den anderen Profi-Klubs ist. Schweinfurt, so Wolf, sei "das Pipinsried der 3. Liga". Trotzdem seien Spiele vor knapp 10.000 Zuschauern in Schweinfurt, wie gegen Energie Cottbus und 1860 München, ein "Riesenerlebnis" gewesen.

Auf Euphorie folgt der Schock

Nach einem Auswärtsspiel bei Hoffenheim II Mitte April verkündete Wolf dann eine überraschende Entscheidung: Er gab bekannt, von allen Ämtern zurückzutreten. Auf der Jahreshauptversammlung des Vereins schildert er seine Beweggründe. Durch die öffentlich sichtbare Kritik der Fans habe er keine Rückendeckung mehr verspürt – er wolle Platz machen für einen Neuanfang.

Wolf übergebe den Verein in "sehr gutem Zustand"

Spricht man mit den Fans des FC Schweinfurt, ist es vor allem der Zeitpunkt der Entscheidung, der überrascht und enttäuscht. "Man hat das Gefühl, der Kapitän verlässt ein sinkendes Schiff", sagt einer dem BR. Auf der Jahreshauptversammlung widerspricht Wolf: Er gehe mit ruhigem Gewissen, weil er den Verein "in einem sehr, sehr guten Zustand übergebe".

Die Saison in der 3. Liga schließt der FC Schweinfurt mit einem Minus von rund 150.000 Euro ab. Der erreichte Zuschauerschnitt von rund 4.200 pro Heimspiel sei niedriger ausgefallen als vorab kalkuliert. Das Darlehen von rund einer Million Euro, dass er dem Verein weiter gewährt, werde Wolf stunden.

Zwei junge Gesichter an der Spitze des FC Schweinfurt

In die Bresche springen zwei gebürtige Schweinfurter: Zum einen ist das Dominik Groß, der bisher unter anderem den Bereich Jugend im Verein als Vorstand vertreten hat. Groß arbeitet in Schweinfurt bei Schaeffler im Vertrieb und trat auf der Jahreshauptversammlung seriös auf – mit zugeknöpftem weißem Hemd. Zum anderen neu an der Vereinsspitze: Benjamin Liebald, ein 38-jähriger Heilerzieher aus Schweinfurt. Liebald ist Papa von fünf Kindern, trug gestern das FC05-Käppi lässig mit dem Schirm nach hinten und ein Vereinsshirt der Schnüdel. Er war zuletzt Kassenprüfer der Schweinfurter.

Die beiden Freunde traten zusammen an, als gleichberechtigte Doppelspitze. Dieser frische Wind scheint die Mitglieder des FC05 überzeugt zu haben. Das Duo wurde ohne Gegenkandidaten einstimmig zu den Nachfolgern von Markus Wolf gewählt.

Schnüdel wollen keine finanziellen Risiken eingehen

Nun gehe es darum, möglichst schnell einen neuen Hauptsponsor zu finden. Es liefen bereits Gespräche mit Unternehmen. Parallel dazu müssen die Schnüdel einen komplett neuen Kader für die nächste Saison zusammenstellen. Dabei wolle man keine finanziellen Risiken eingehen.

Einen neuen Trainer gibt es schon: Jan Gernlein. Der gebürtige Schweinfurter war bereits Co- und Interimstrainer der Schnüdel und zuletzt mit Eintracht Bamberg im Amateurfußball erfolgreich. Schwerpunkt soll die Förderung junger Spieler sein. Also alles andere als "altehrwürdig".

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!