Der Passauer Hemden- und Blusenhersteller Eterna ist insolvent und will nun in Eigenverwaltung aus der Krise finden. Zuletzt hatte es auch andere bayerische Textilfirmen getroffen: Der oberfränkische Bademodehersteller Adolf Riedl aus Bayreuth ist ebenfalls zahlungsunfähig; der Mode- und Trachtenhändler Dollinger aus Bad Reichenhall verkündete im Sommer, die Geschäfte zu schließen. Für die Krisen gibt es verschiedene Gründe - und es gibt durchaus Betriebe in der Branche, bei denen es gut läuft.
Bayerische Modehersteller in Bedrängnis
Die reinen Bekleidungshersteller im Freistaat haben zu kämpfen. Im vergangenen Jahr waren die Umsätze hier um fast acht Prozent eingebrochen. Und auch für dieses Jahr erwartet Stefan Satl, Hauptgeschäftsführer des Verbands der bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie, allenfalls eine Stagnation.
Verantwortlich für die Krise sind verschiedene Faktoren. Da sind die Kunden, die sich angesichts der schlechten Wirtschaftslage und der zuletzt gestiegenen Preise beim Einkaufen zurückhalten und lieber sparen. Und wenn die Verbraucher sich ein neues Kleidungsstück leisten, dann kaufen sie Jacken, Hosen und T-Shirts immer häufiger bei Billiganbietern oder bestellen sie gleich bei Onlinehändlern aus China.
Anzüge und Krawatten werden seltener getragen
Anbieter von Anzügen und Hemden haben ein zusätzliches Problem: Seit Jahren bindet sich kaum ein Geschäftsmann noch eine Krawatte um. Und im Zuge der Coronapandemie und den vermehrten Online-Meetings werden auch Anzüge und Hemden seltener getragen und daher seltener gekauft.
Nach Zahlen des Statistischen Bundesamts wurden im vergangenen Jahr bundesweit knapp 70 Millionen Herrenhemden verkauft. Früher waren es deutlich mehr. Ein Umstand, der Eterna zu schaffen gemacht haben dürfte, dem nach Olymp zweitgrößten Herrenhemdenproduzenten in Deutschland. Eterna hatte im vergangenen Jahr 3,5 Millionen Hemden und Blusen verkauft.
Bayerische Modefirmen lassen im Ausland nähen
Der Verband der bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie hat 130 Mitgliedsunternehmen mit insgesamt 24.500 Beschäftigten. Der Großteil der Arbeitnehmer ist allerdings bei technischen Textilfirmen angestellt. Die Bekleidungshersteller können bei den Standortkosten hierzulande schon länger nicht mehr mit der Konkurrenz mithalten. Sie haben ihre Fertigung meist im billigeren Ausland in Europa oder gleich in Asien. In Bayern sitzen häufig nur noch Verwaltung, Designabteilung und vielleicht noch die Musterschneiderei.
Auch Eterna lässt seine Hemden und Blusen in der Slowakei nähen. Mit der Insolvenz in Eigenverwaltung möchte die 1863 gegründete niederbayerische Modefirma die andauernde Restrukturierung vorantreiben. Insbesondere der Verkauf eines Betriebsgrundstücks, was mit der Insolvenz leichter wird, soll neues Geld in die Kasse bringen.
Erfolgreiche bayerische Textilfirmen: Spezialstoffe für die Industrie
Der Verband der bayerischen Textil- und Bekleidungsindustrie (VTB) verweist aber auch auf sehr erfolgreiche Firmen insbesondere bei sogenannten technischen Textilien. Dabei geht es um Produkte, die etwa in Filtern, Dichtungsanlagen oder für spezielle Arbeitskleidung genutzt werden.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!
