Der Augsburger Roboterhersteller Kuka hat sich nach eigenen Angaben mit Arbeitnehmervertretern und der Gewerkschaft IG Metall auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. Laut Mitteilung gilt die Tarifeinigung als Stärkung des Standortes. Betriebsbedingte Kündigungen werden ausgeschlossen, allerdings bleibt es bei einem früher beschlossenen Stellenabbau-Programm.
Kuka will in den Standort Augsburg investieren
Man habe sich auf ein umfassendes Zukunftspaket für den Hauptsitz in Augsburg verständigt. In der Vereinbarung wurden "umfassende Investitionen in automatisierte Produktion und Logistik der Roboter-Sparte sowie in Zukunftstechnologien in einem hohen zweistelligen Millionen Euro-Bereich“ festgehalten, gleichzeitig werde man Forschung und Entwicklung stärken und betriebsbedingte Kündigungen bis Ende Juli 2029 ausschließen. Im Gegenzug verzichteten die Beschäftigten vorerst auf Tariferhöhungen und Zusatzleistungen.
- Zum Artikel der Augsburger Allgemeinen: So gelang die Einigung bei Kuka (externer Link, möglicherweise Bezahlinhalt)
Betriebsrätin spricht von "starkem Signal"
Stellvertretend für den Betriebsrat erklärt dessen Verhandlungsführerin Carola Leitmeir, dass die Vereinbarung ein starkes Signal für den Standort sei. Es sei gelungen, den Personalabbau zu begrenzen und "sozialverträglich" zu gestalten, da betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden.
Laut Mitteilung bleibt Augsburg mit dieser Tarifeinigung für Kuka der zentrale europäische Standort, nicht nur für die wichtigsten Produktlinien der Robotersparte des Konzerns. Es würden auch strategische Entwicklungsprojekte in der Stadt verankert und Augsburgs Rolle als Innovationsstandort innerhalb des Konzerns gefestigt. Die Unternehmensleitung werde den Fokus künftig "noch konsequenter" auf eine "markt- und innovationsorientierte Unternehmenskultur" richten, sagt Christoph Schell, Vorstandsvorsitzender der Kuka Group.
IG Metall: Einigung bedeutet "harte Einschnitte"
Die Geschäftsführerin der IG Metall Augsburg, Ferdije Rrecaj, teilte dem BR auf Anfrage mit, dass "nach mehreren Wochen harter Verhandlungen" nun ein Ergebnis auf dem Tisch liege, "welches mit hoher Zustimmung unserer Mitglieder getragen wird." Dies solle das aber nicht darüber hinwegtäuschen, "dass die Verzichte der tariflichen Kolleginnen und Kollegen harte Einschnitte für die nächsten Jahre" bedeute. So etwa müssten sie auf einen Teil des Urlaubsgeldes und weitere tarifliche Ansprüche verzichten. "Wir hoffen, dass der Verzicht der Kolleginnen und Kollegen Früchte tragen wird und damit auch die Zukunft des Standortes gesichert ist", sagt Ferdije Rrecaj.
Mitte November hatte die Gewerkschaft betont, dass Kuka als Unternehmen "essentiell für die gesamte Region" sei. Beispielsweise spiele die Kaufkraft der Beschäftigten eine große Rolle, sagte Matti Riedlinger von der IG Metall. Der Umbau dürfe daher nicht so viele Arbeitsplätze in Augsburg kosten wie in den aktuellen Verhandlungen ursprünglich einmal geplant war. Dies ist laut Ferdije Rrecaj nun gelungen, man habe mehrere Arbeitsplätze retten können.
Laufender Stellenabbau bei Kuka
Das bereits bekannte und laufende Stellenabbauprogramm wird laut Kuka hingegen fortgeführt. Insgesamt 560 Stellen entfallen - 200 seien im laufenden Jahr schon angebaut worden, die restlichen sollen im kommenden Jahr folgen. Allesamt "sozialverträglich", das heißt also über Abfindungen und Altersteilzeit, frei gewordene Stellen würden nicht mehr nachbesetzt.
Dieser Stellenabbau sei nötig, um auf einem umkämpften Markt wettbewerbsfähig zu bleiben, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. In den aktuellen Verhandlungen zum Tarifabschluss sei dem Sprecher zufolge der geplante Abbau weiterer 40 bis 50 Stellen revidiert worden. Kuka ist seit 2016 Tochtergesellschaft des chinesischen Midea-Konzerns. Aktuell arbeiten rund 3.000 Mitarbeiter in Augsburg für Kuka.
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