Mit Nvidia hat sich Siemens schon vor einiger Zeit einen der Chipriesen als zentralen Partner ausgesucht, um "die reale und die digitale Welt" zu verbinden, wie es Roland Busch immer wieder formuliert hat, seitdem er im Siemens-Chefsessel sitzt. Dabei hat der Münchener Technologiekonzern vor allem die Kunden aus der Industrie im Visier, zum Beispiel aus der Autoindustrie und dem Maschinenbau, aber auch aus Schlüsselbranchen wie der Pharma- und Luftfahrtindustrie.
Inzwischen setzt der Konzern dabei auch auf internationale Partner wie den französischen IT-Dienstleister Gapgemini und eben Nvidia. Die Chips des US-Halbleiterkonzerns sind zentral für den KI-Einsatz. Der gemeinsame Auftritt auf der CES war vor allem ein Signal an die weltweite Kundschaft, wie sie ihre Geschäftsmodelle mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz transformieren und optimieren können.
Die KI-Fabrik der Zukunft
Bei ihrer Keynote in Las Vegas machten Nvidia-CEO Jensen Huang und der Siemens-CEO klar, was das Ziel sein wird: ein KI-basiertes Betriebssystem für die Fertigung. Damit können zentrale Prozesse, Maschinen und Abläufe einer Produktionsstraße oder Fabrik zunächst digital simuliert werden, bevor sie tatsächlich entstehen.
"KI wird in der physischen Welt zu einer Kraft, die die Art verändert, wie wir entwerfen und bauen, wie Fabriken produzieren und Infrastruktur arbeitet", so Siemens-Chef Busch auf der CES.
Probleme virtuell frühzeitig erkennen
Als einer der ersten Konzerne wird PepsiCo nun eine neue KI-Technologie von Siemens nutzen, um die Modernisierung seiner Produktionsanlagen und Lagerhäuser in den USA zu simulieren. Dies könnte auch für andere Standorte des Getränkekonzerns die Blaupause werden. Ziel ist es, die meisten potenziellen Probleme virtuell zu erkennen, bevor die Fertigung in der realen Welt startet.
Andere neue Technologien der Münchener sollen die Arzneimittelforschung beschleunigen oder das autonome Fahren voranbringen. Siemens hat sich, von vielen unbemerkt, zum Weltmarktführer für Industriesoftware entwickelt, mit 30.000 Softwareingenieurinnen und -ingenieuren von insgesamt 318.000 Beschäftigten.
"Digitale Zwillinge" kommen zum Einsatz
Als Trumpfkarte des Konzerns gilt das tiefe Branchenwissen mit den dazu notwendigen Daten, die über viele Jahre bei den Kunden aus der Industrie im Geschäft mit der Automatisierung gesammelt werden konnten. Reine IT-Riesen wie etwa Microsoft oder Amazon verfügen nicht über eine derartige Expertise.
Zum Einsatz kommt jetzt der längst bekannte "digitale Zwilling", also das digitale Abbild von Maschinen, Prozessen oder eben ganzen Fabriken. So dient die Siemens-Gerätefabrik in Erlangen bereits als "Showcase". Diese Fabrik ist älter und wird von Zeit zu Zeit angepasst. Dort werden nach und nach neue digitale Technologien integriert, um den Industriekunden zu zeigen, was heute schon möglich ist. Denn die wenigsten Anlagen werden ganz neu irgendwo hochgezogen.
Wie Nvidia und Siemens voneinander profitieren
In die Partnerschaft mit Siemens will Nvidia seine eigene KI-Infrastruktur, Simulationsbibliotheken und Modelle einbringen. Beide Konzerne wollen von diesem Prozess profitieren und die neuen Erkenntnisse wechselseitig nutzen. Von Las Vegas zurück ins Frankenland: Erste Blaupause soll noch in diesem Jahr ausgerechnet die Gerätefabrik von Siemens in Erlangen werden, als weltweit erster vollständig KI-gesteuerter Produktionsstandort.
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