Bisher ging man davon aus, dass unsere Hauskatzen vor etwa 6.000 Jahren aus dem Nahen Osten zu uns kamen. Wissenschaftler haben im Erbgut von Katzen nun aber Hinweise darauf gefunden, dass sie erst viel später nach Mitteleuropa gekommen sind als bisher gedacht – und zwar mit den Römern, vor etwa 2.000 Jahren.
Ursprung der Hauskatze liegt in Afrika
Für ihre Forschung hat ein Team um Marco De Martino, Paläogenetiker an der Universität Rom und Erstautor einer jetzt veröffentlichten Studie (externer Link), DNA-Proben von 225 Katzen aus 97 archäologischen Fundstätten in Europa und Anatolien analysiert. Dabei konnten die Forschenden insgesamt 87 Genome von alten sowie heutigen Katzen generieren, wobei die ältesten untersuchten Proben etwa 11.000 Jahre alt sind.
Die Wissenschaftler identifizierten zwei genetisch unterschiedliche Populationen aus Nordafrika. Die erste gelangte nach Sardinien und begründete die heute noch dort lebenden Wildkatzenpopulationen auf der Insel, während die zweite zur Römerzeit das europäische Festland erreichte und erheblich zum Genpool moderner Hauskatzen beigetragen habe.
"Wir waren die Ersten, die eine uralte Haustierprobe mit verschiedenen afrikanischen Wildkatzen vergleichen konnten, denn wir haben auch das erste vollständig sequenzierte moderne Genom einer nordafrikanischen Katze erstellt", erzählt De Martino.
Das Ergebnis: Mit den mitteleuropäischen Wildkatzen haben unsere Hauskatzen genetisch nicht viel zu tun. Die direkten Vorfahren unserer Hauskatzen sind die nordafrikanischen Wildkatzen. Sie sind schlanker und haben längere Beine als die europäischen und sind auch anpassungsfähiger. Domestiziert wurden sie in Afrika. Wo genau, das wollen die Forscher in weiteren Analysen herausfinden.
Dass die Vorfahren unserer heutigen Hauskatze die Nordafrikanischen Wildkatzen waren, ist schon länger bekannt. Neu ist jedoch, dass sie nicht mit den Bauern vor rund 6.000 Jahren zu uns kamen, sondern wohl erst vor rund 2.000 Jahren mit den Römern. Das geht jedenfalls aus den Gen-Analysen der Forscher um Marco De Martino hervor.
Der Weg der Hauskatze nach Europa
Vermutlich kamen sie auf dem Seeweg nach Europa, schätzen die Forscher. In der Studie war das älteste europäische-Genom, das Hauskatzen-Kriterien erfüllt, allerdings aus Österreich, von etwa 50 vor bis 80 nach Christus.
"Es ist natürlich schwer vorstellbar, dass sie es von Afrika direkt nach Österreich geschafft haben. Sie sind wahrscheinlich an Bord eines Schiffes in einem römischen Hafen angekommen. Die Armee transportierte auch viele Lebensmittelvorräte zu den Grenzen", erklärt De Martino. "Welche genauen Wege sie genommen haben, wissen wir nicht", schränkt der Wissenschaftler ein.
Karriere als Mäusejäger
Wahrscheinlich waren die Katzen an Bord eines Schiffes, um die Vorräte vor Mäusen zu schützen. Fest steht für die Forscher jedenfalls: In weniger als einem Jahrhundert verbreiteten sich die Hauskatzen dann über ganz Europa – wahrscheinlich entlang der römischen Versorgungswege.
Joris Peters, Leiter der Staatssammlung für Paläoanatomie München, geht davon aus, dass sich die nordafrikanischen Wildkatzen aufgrund des reichhaltigen Angebots an Ratten und Mäusen oder Fischereiabfällen wohl dauerhaft in getreideanbauenden Siedlungen beziehungsweise in Hafenvierteln aufgehalten und sich so an die Nähe des Menschen gewöhnt hätten. Vermutlich seien daher unterschiedliche Wildkatzenpopulationen an dem Domestizierungsprozess beteiligt.
Trotz der jetzt veröffentlichten Studie steht für Wissenschaftler aber fest: Für Menschen haben lange zuvor gezähmte Wildkatzen eine ähnliche Rolle gespielt wie die heutigen domestizierten Hauskatzen. Nur unsere heutige Hauskatze daheim ist eben viel später zu uns nach Europa gekommen als bisher gedacht. Dafür liefert die jetzt veröffentlichte Studie jedenfalls Hinweise.
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