Symbolbild: Schild mit der Leuchtschrift "On Air"
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Was braucht der Journalismus in Deutschland?
Bildrechte: picture alliance/KEYSTONE | ENNIO LEANZA
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Tiefe statt Tempo: Was sich Menschen vom Journalismus wünschen

Tiefe statt Tempo: Was sich Menschen vom Journalismus wünschen

Erst zuhören, dann publizieren: Ein neues Medienprojekt befragt Menschen in ganz Deutschland, was sie sich von Journalismus wünschen. Was können etablierte Medien davon lernen?

Über dieses Thema berichtet: BR24 Medien am .

Wie muss Journalismus aussehen, damit er für die Menschen relevant bleibt? Mit dieser Frage beschäftigt sich das Berliner Medienprojekt tbd (externer Link). Statt jedoch neue Formate zu entwickeln, wollen die Gründerinnen und Gründer zunächst herausfinden, was Menschen überhaupt von Medien erwarten.

Im Mittelpunkt steht die sogenannte "Mission 401": Aus allen 401 deutschen Land- und Stadtkreisen soll Feedback gesammelt werden. Dieses Ziel hat das Team inzwischen erreicht. Fast 14.000 Menschen haben sich an einer Online-Umfrage beteiligt.

Kritik an Clickbait und Oberflächlichkeit

Die ersten Ergebnisse zeigen ein deutliches Bild: Viele Teilnehmende stören sich demnach an künstlicher Aufregung und Clickbait, an oberflächlicher Berichterstattung und an einem aus ihrer Sicht zu starkem Fokus auf negative Nachrichten.

Für tbd-Mitgründerin Ann-Katrin Hipp ist das ein Hinweis darauf, dass Journalismus stärker auswählen und einordnen müsse. Statt jedes Ereignis in Echtzeit weiterzugeben, brauche es mehr Relevanzprüfung und mehr Kontext: "Ich glaube, dass wir Medien eine Art Filterfunktion haben sollten."

Sie findet, dass Medien "dieses Dauerrauschen, was überall auf der Welt passiert" nicht eins zu eins abbilden müssen, sondern stärker beobachten, "was ist für die Menschen interessant" sei. 

Mehr Nähe zum Publikum

Dass dieser Ansatz einen Nerv treffen könnte, beobachtet auch die Medienwissenschaftlerin Alexandra Borchardt, die tbd berät. Die Medienbranche stehe unter Druck: Geschäftsmodelle gerieten ins Wanken, gleichzeitig verändere Künstliche Intelligenz die Art, wie Menschen Informationen finden und konsumieren: "Journalismus wird immer weniger sichtbar, gerade im KI-Zeitalter, wo man nicht mehr auf so viele Links klickt, sondern Kurzzusammenfassungen liest."

Für Borchardt besteht zukunftsfähiger Journalismus daher in einer stärkeren Beziehung zum Publikum. Journalismus müsse sich von der Haltung verabschieden, allein zu bestimmen, was wichtig sei, und wieder stärker mit den Menschen ins Gespräch kommen.

Journalismus als Freund

Ihr Bild dafür: Journalismus als verlässlicher Freund: Damit meint sie "einen Freund, dem man vertraut, dem man gerne zuhört, der einem auch mal was Unangenehmes sagen kann, ohne dass man sich gleich abwendet, aber auf den man sich wirklich verlassen kann."

Auch müsse man wieder "mehr Nähe wagen": Gerade weil Nutzerinnen und Nutzer immer häufiger auf KI-Zusammenfassungen, automatisierte Texte oder vorgelesene Artikel mit künstlichen Stimmen treffen, sieht Borchardt einen Vorteil im Menschlichen. Medienhäuser müssten stärker zeigen, wer hinter einer Recherche steht und warum eine Geschichte erzählt wird.

Ein Impuls für die Branche?

Welches Medienangebot tbd zukünftig machen wird, ist offen. In den kommenden Monaten wird zugehört – nicht nur digital durch die Umfrage. Hipp und ihre Kollegen wollen ins Gespräch kommen: auf Dorfplätzen, auf Einladung von Interessierten oder bei Veranstaltungen wie nächste Woche bei den Medientagen in München. Im nächsten Jahr sollen dann auf Grundlage der Erkenntnisse Redaktionsaufbau und Formatentwicklungen beginnen.

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