Die schlechte Nachricht vorweg: Keine Diät ist so richtig erfolgreich. Zumindest langfristig bringen Diäten nicht den ersehnten Abnehm-Erfolg. Das belegen immer wieder Studien [externer Link]. Bei den meisten Diäten nimmt man zwar kurzfristig ab, aber eben langfristig wieder zu. Bei vielen kommt es sogar zum sogenannten Jo-Jo-Effekt, das heißt: Man wiegt am Ende sogar mehr als vor der Diät.
Es gibt Gründe, warum Diäten nicht helfen, sagen Ernährungswissenschaftler. Wie man sich gesund ernährt und erfolgreich abnehmen kann – hier ihre Tipps.
Warum Diäten nicht funktionieren – Grund eins: Höflichkeit
Unser Essverhalten ist sozial gesteuert. Das heißt: "In Situationen, wo man vielleicht überhaupt keinen Hunger hat und vielleicht auch überhaupt keine Lust auf das hat, was da auf dem Tisch steht, neigt der Mensch als soziales Wesen eben aus Höflichkeit dazu, das trotzdem zu essen", erklärt Tina Bartelmeß, Ernährungssoziologin an der Universität Bayreuth. Laut der Wissenschaftlerin ist das ein Grund, warum Diäten oder auch das sogenannte "intuitive Essen" – also das zu essen, worauf man Hunger hat, aber eben nur dann, wenn man wirklich hungrig ist – fürs Abnehmen langfristig nicht funktionieren.
Warum Diäten nicht funktionieren – Grund zwei: Leptinresistenz
Außerdem: Manche Menschen haben eine sogenannte Leptinresistenz. Das heißt, die wichtige Funktion des Stresshormons Leptin funktioniert nicht mehr richtig. "Man weiß zum Beispiel, dass hohe Fructose-Dosen dazu führen, dass so eine Leptinresistenz entsteht. Und dieses Leptin, das ist das Sättigungshormon, das dann das Hungergefühl unterdrückt. Und das weiß man, dass das bei manchen Personen verloren gegangen ist", erläutert Dietlind Hanrieder, Chemikerin von der Hochschule Anhalt.
Warum Diäten nicht funktionieren – Grund drei: verarbeitete Lebensmittel
Hochverarbeitete Lebensmittel, also Produkte, die von der Lebensmittelindustrie so designt sind, dass wir als Verbraucher gerne zugreifen – süß, fett und weich, aber eben auch ungesund und kalorienreich – schaden auf Dauer. Die Produkte sind nicht nur von Geschmack, Geruch und Farbe so gemacht, dass wir ihnen nicht widerstehen können. Der darin enthaltene Anteil von Fett, Kohlenhydraten und Zucker ist oft so abgestimmt, dass beim Verzehr unser Sättigungsgefühl blockiert wird. Wir greifen also mehr zu, als wir sollten oder auch wollen. In Deutschland beträgt der Anteil dieser designten Lebensmittel in unserer Ernährung im Durchschnitt bereits 39 Prozent, in den USA sind es über 50 Prozent.
Gesund essen – was heißt das?
Sich gesund zu ernähren – was das für den Einzelnen heißt, ist schwer zu beurteilen. Das ist ein Grundproblem der Ernährungswissenschaft: Die meisten Studien können nur Zusammenhänge und keine wirklichen Ursache-Wirkungs-Beziehungen aufzeigen. So lässt sich laut Ernährungssoziologin Tina Bartelmeß etwa die Krebsgefahr von verarbeitetem oder rotem Fleisch mit der Gefahr einer Bananenschale auf dem Boden vergleichen. Die Bananenschale stelle zwar eine Gefahr dar, sagt sie. "Aber das heißt nicht, dass sie auch immer zu einem Unfall führt. Und genauso ist es eben auch mit verarbeitetem Fleisch oder rotem Fleisch. Es ist eine Gefahr. Es kann unter bestimmten Umständen dazu führen, dass Krebs entstehen kann. Aber es ist kein spezielles Risiko dafür bekannt, dass das in einem gewissen Ausmaß auch wirklich eintritt".
Ernährungstipps – Stand der Wissenschaft
Wer sich gesund ernähren will und auf seine Figur achtet, sollte wenig Alkohol konsumieren. Denn Alkohol ist nicht nur einer der wesentlichen Risikofaktoren für mehr als 200 Erkrankungen, er liefert auch viele Kalorien und macht Appetit. Besser ist es für die Gesundheit, viel Gemüse zu essen. In Gemüse stecken Vitamine, Nähstoffe und Ballaststoffe. Das tut dem Darmmikrobiom gut, und ein gesundes Mikrobiom hilft tatsächlich auch beim Sättigungsgefühl.
Und ganz wichtig: Weniger hochverarbeitete Produkte essen, stattdessen mehr Frisches. Eine aktuelle britische Studie [externer Link] konnte auch feststellen, dass man etwas besser abnimmt, wenn man bei gleicher Kalorienzahl weniger dieser Lebensmittel isst. Wissenschaftler raten außerdem: Wer übergewichtig ist und es nicht aus eigener Kraft schafft, sein Gewicht zu reduzieren, sollte sich bei Spezialisten zu möglichen Therapien informieren.
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