In Erlangen hat sich Jörg Volleth (CSU) in der Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt gegen Amtsinhaber Florian Janik (SPD) durchgesetzt. Mit 48,6 Prozent der Stimmen unterlag Janik seinem Herausforderer, der 51,4 Prozent der Stimmen erreichte.
Der 46-jährige Florian Janik (SPD) ist seit 2014 im Amt. Er erhielt im ersten Wahlgang vor zwei Wochen 29 Prozent. Der 54 Jahre alte Jörg Volleth (CSU) ist von Beruf Polizist und seit 2020 Erlangens Zweiter Bürgermeister. Er erhielt im ersten Wahlgang 35,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 56 Prozent. Wahlberechtigt waren etwa 81.000 Bürger.
Jörg Volleth will "Neustart"
Volleth setzt auf einen Neustart für Erlangen. Am Abend der Stichwahl erklärte er: "Die Herkulesaufgabe, die vor uns liegt, ist die Konsolidierung unseres Haushalts. Das werde ich in den Fokus nehmen. Und ich werde versuchen, das mit neuen Mehrheiten zu machen." Dazu wolle er in den kommenden Wochen Gespräche mit den Grünen, der SPD, der FDP und den Freien Wählern führen. Ein Bündnis aus dem liberal-konservativen Lager hätte allerdings keine Mehrheit. CSU, FDP und FW kommen auf 20 von 51 Sitzen im Stadtrat. Demnach könnte Schwarz-Grün der entscheidende Faktor sein.
Florian Janik gratulierte dem Gewinner am Sonntagabend. "Ich werde die nächsten Wochen auch die Geschäfte ordentlich übergeben, damit das gut läuft und gut weitergeht", sagte der scheidende Amtsinhaber dem Bayerischen Rundfunk. "Was mir noch wichtig ist, ist all denjenigen, die gewählt haben und all denjenigen, die Wahlkampf gemacht haben, herzlich zu danken. Davon lebt unsere Demokratie."
Gewerbesteuereinnahmen sind weggefallen
Erlangen musste im Jahr 2024 überraschend rund 160 Millionen Euro Gewerbesteuer zurückzahlen. Das hatte sich nicht abgezeichnet. Die städtische Finanzkrise nahm damit ihren Lauf. Besserung ist nicht in Sicht, denn das anhaltend schwache Wirtschaftswachstum schlägt sich seit vergangenem Jahr nach Angeben der Stadt auf die Gewerbesteuereinnahmen durch Grund dafür seien vor allem aber Gewinnverlagerung von Siemens AG und Siemens Healthineers in kommunale Steueroasen. Die Folge im Rathaus: Die Erlanger Stadträten mussten ein Sparpaket nach dem anderen verabschieden. Trotzdem hat die Regierung von Mittelfranken als Aufsichtsbehörde den Haushalt nicht genehmigt. Die Stadt steht unter vorläufiger Haushaltsführung. Das heißt, dass alle größeren Investitionen von der Regierung einzeln genehmigt werden müssen. Ende Januar hatte der Erlanger Stadtrat zwar mit einer knappen Mehrheit von einer Stimme den Haushalt für 2026 beschlossen. Doch schon jetzt gehen alle im Rathaus davon aus, dass auch dieses Zahlenwerk nicht genehmigt werden wird.
Stadt-Umland-Bahn steht erstmal hinten an
Die Erlanger CSU will angesichts der finanziellen Lage den Bau der Stadt-Umland-Bahn (StUB) neu bewerten. Die Bahn soll die Städte Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach verbinden. Zwar hatte es zwei Bürgerentscheide gegeben, bei dem sich eine Mehrheit der Erlanger für das Projekt ausgesprochen hat. Doch Volleth macht immer wieder auf die hohen Kosten von rund 700 Millionen Euro aufmerksam. Am Sonntag erklärte Volleth allerdings, es gebe für ihn nun erst einmal wichtigere Projekte als die StUB. Ohnehin hätte er für einen Projektstopp im Stadtrat keine Mehrheit.
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