"Rekommandeure" heißen die Ansagerinnen und Ansager, die auf Volksfesten – derzeit natürlich auf der Wiesn – an den Fahrgeschäften sitzen und durch ihre Mikrofone die Stimmung anheizen, zum Mitfahren animieren, Lockerheit und gute Laune verbreiten. Gleichzeitig brauchen sie höchste Konzentration. Denn sie steuern auch ihr Fahrgeschäft und sind für die Sicherheit verantwortlich.
Schon vor über 100 Jahren gab es auf dem Oktoberfest Rekommandeure, etwa beim legendären "Schichtl". Bis heute ist der Job für viele Schaustellerinnen und Schausteller ein Traum – allerdings einer mit hoher Verantwortung und Anspannung.
Alles im Blick, was auf 90 Metern Höhe passiert
Alisha Kaiser hat von ihrer Kanzel aus den gesamten "Bayern Tower" im Blick: ein Kettenkarussell für Schwindelfreie, der Mast ist 90 Meter hoch. An diesem Tag ist ordentlich was los: Erst ist Familientag auf der Wiesn; später, ab etwa 19 Uhr, kommen immer mehr angetrunkene Besucherinnen und Besucher. Da muss sie schauen, wer überhaupt noch mitfahren darf.
Über Mikrofon und Musikanlage heizt die 21-Jährige die Stimmung an. Mit einem Fußschalter steuert sie das Echo, per Regler die Soundeffekte und die Lichtershow. Gleichzeitig muss sie ständig aufpassen, dass alles sicher abläuft. Auf einem Monitor vor ihr sind die 32 Sitze des Höhenkarussells zu sehen. Leuchten alle grün, sind die Fahrgäste korrekt angeschnallt. Erst dann drückt Kaiser den Startknopf – und die Gondeln steigen in die Höhe.
Alisha Kaiser weiß genau, was auf dem Spiel steht: "Ich kann jetzt nicht hier am Handy spielen oder so. Ich muss wirklich gucken, dass alles läuft, und darauf achten, dass hier alles sicher ist."
Schichtbetrieb im 90-Minuten-Takt
Damit die Konzentration nicht nachlässt, arbeitet Kaiser im Schichtbetrieb mit einem Kollegen. Alle 90 Minuten wechseln die beiden sich ab. Denn ihr Job entscheidet mit darüber, wie gut das Geschäft läuft: Kommen genügend Menschen? Ist die Stimmung gut – und klappt der Wechsel zwischen den Fahrten schnell genug? Bilden sich vor dem Einstieg lange Schlangen, könnten Gäste weiterziehen.
Für die Schaustellerfamilie Kaiser geht es um viel Geld: Vater Egon Kaiser hat rund fünf Millionen Euro in das Fahrgeschäft investiert. Er ist zufrieden: "Dieses Jahr haben wir sehr viel Glück mit dem Wetter auf der Wiesn und dadurch läuft es auch sehr gut." Wichtigste Bilanz bislang: Es ist noch nichts passiert.
Im Video: Rekommandieren auf der Wiesn – Spaß und Stress
TÜV-Kontrollen auf der Wiesn
Die Sicherheit der Fahrgeschäfte wird im Auftrag der Stadt auf dem Oktoberfest besonders intensiv überprüft. Der TÜV kontrolliert jede Sicherheitsvorrichtung vor Beginn des Fests – nicht nur stichprobenartig, wie auf vielen anderen Volksfesten. So sollen technische Defekte früh erkannt werden. Trotzdem bleibt die letzte Verantwortung im Betrieb bei den Menschen an den Schaltpulten – also bei Ansagerinnen und Ansagern wie Alisha Kaiser.
Eine Schaustellerfamilie mit Tradition
Die Familie Kaiser ist seit Jahrzehnten im Schaustellergewerbe zu Hause. Egon Kaiser und Tanja Kaiser-Grünberg hatten denselben Großvater: Er kam aus dem Zirkus und hatte zwölf Kinder – viele von ihnen gingen später auf die Reise, mit Karussells, Buden, Fahrgeschäften.
Tanja Kaiser-Grünberg ist seit rund 30 Jahren die Stimme am Fahrgeschäft "Breakdance" auf der Wiesn. Mit ihrer markanten Ansage und Hall-Effekten dröhnt sie über den Platz: "Okay, Party People. Seid ihr bereit? Okay. Dann legt mal los hier …" Man müsse für diesen Beruf unbedingt Spaß mitbringen, sagt sie. Und den hat sie offenbar auch an die nächste Generation weitergegeben. Sohn JJ steht mittlerweile auch am Mikrofon, von klein auf war das sein Wunsch. Da er mittlerweile 18 Jahre alt ist, darf er das Fahrgeschäft selbst steuern und rekommandieren. So multitaskingfähig wie seine Mutter sei er noch nicht, meint er lachend. Denn zur Show gehört immer auch der Sicherheitsblick: Entscheidend ist, dass am Ende alle Fahrgäste sicher und gut gelaunt wieder aussteigen.
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