Pflastersteine klacken auf dem Schulhof, in den Werkstätten rattern Maschinen, dazwischen schauen Achtklässler genau hin. Beim Tag des Handwerks in der Berufsschule Füssen erleben mehr als 300 Schülerinnen und Schüler aus der Region, wie sich Handwerksberufe anfühlen. Vor allem zeigen aber auch die Betriebe aus dem Ostallgäu, was sie anzubieten haben - denn Nachwuchs wird dringend gebraucht.
Nachwuchs wird in vielen Gewerken knapp
Die Sorge um ausreichend Nachwuchs ist im Handwerk längst größer als noch ein vorübergehendes Bauchgrummeln. Nach Angaben der Handwerkskammer Schwaben sind die Ausbildungszahlen zwar relativ stabil, trotzdem suchen viele Betriebe händeringend junge Leute.
In Schwaben gibt es derzeit rund 10.000 Azubis im Handwerk, zugleich sind mehr als 700 freie Lehrstellen gemeldet – tatsächlich dürften es noch deutlich mehr freie Plätze sein. Besonders angespannt ist die Lage im Lebensmittelhandwerk und im Metallbereich, auch im Bau wächst der Druck.
Hinzu kommt der demografische Wandel. Ein Viertel der Handwerksunternehmerinnen und -unternehmer in Schwaben ist laut der Handwerkskammer älter als 60 Jahre. Viele davon gehen in den kommenden Jahren in Rente, doch Nachfolger fehlen oft. Damit steht nicht nur die Besetzung von Ausbildungsplätzen auf dem Spiel, sondern in manchen Fällen auch die Zukunft ganzer Betriebe.
Stellenanzeigen reichen heute kaum noch
Genau deshalb setzen Betriebe inzwischen stärker auf den direkten Austausch. Maurermeister Wolfgang Köpf aus Hopferau zum Beispiel lässt Jugendliche vor der Schule selbst ausprobieren, wie Pflastern funktioniert. Klassische Anzeigen reichten heute kaum noch aus, stattdessen müssten Unternehmen in Schulen gehen, auf Messen präsent sein und früh Interesse wecken - wie etwa beim Tag des Handwerks in Füssen.
Dass dieses Vorgehen funktionieren kann, beweisen auch die Jugendlichen selbst. "Mich interessiert das, weil man etwas mit den Händen macht und am Ende sieht, was man geschafft hat", sagt zum Beispiel ein Schüler und bringt damit auf den Punkt, womit das Handwerk wirbt: sichtbare Ergebnisse, praktische Arbeit und das Gefühl, etwas Reales zu schaffen. Andere Jugendliche bleiben skeptisch oder sehen sich eher in sozialen Berufen. Gerade deshalb sind für die Handwerksbetriebe Aktionstage wie diese wichtig, weil sie Berufe nicht nur erklären, sondern erlebbar machen.
Mit Social Media auf Lehrlingssuche
Neben Schulbesuchen und Praktika setzen Verbände und Betriebe inzwischen auch auf soziale Medien. "Einige Betriebe gewinnen ihre Lehrlinge inzwischen vor allem über Social Media. Wer dort sichtbar ist und sich gut präsentiert, hat bessere Chancen", sagt Laura Heiß vom Fleischerverband Bayern. Es zeige, dass sich auch das Handwerk auf die Lebenswelt junger Menschen einstellen müsse.
Trotzdem: Das persönliche Gespräch bleibt oft der stärkste Türöffner. In Füssen können Jugendliche direkt mit Ausbildern, Lehrkräften und Azubis sprechen und erleben, wie Berufe im Alltag aussehen.
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