Bischöfe in Bayern rufen zum Jahresende in ihren Silvesterpredigten dazu auf, mit Zuversicht ins neue Jahr zu gehen und sich in der Gesellschaft zu engagieren. Die Geistlichen sprachen über die Kraft des Glaubens, den richtigen Umgang mit der Zeit und die Stärke eines festen Herzens.
Glaube als Heilmittel gegen Egoismus, Intoleranz, Hass und Hetze
Der Bamberger katholische Erzbischof Herwig Gössl rief laut Mitteilung dazu auf, die eigene Bequemlichkeit angesichts weltweiter Krisen zu überwinden. Für das Jahr 2026 gab er das Motto "Du bewegst die Welt" für das Erzbistum aus. Der christliche Glaube sei das beste Heilmittel gegen Egoismus, Intoleranz, Hass und Hetze, sagte Gössl im Bamberger Dom. "Dabei kommt es wirklich auf jeden einzelnen Menschen an", betonte er. Das Gefühl der Ohnmacht angesichts globaler Probleme sei für viele Menschen niederdrückend. Der Glaube gebe jedoch einen Maßstab in einer Welt, die zunehmend maßlos werde.
Kardinal Marx: "Wir gehen in ein Jahr voller Fragezeichen"
In München erklärte Kardinal Reinhard Marx in der Jesuitenkirche St. Michael in der Münchner Altstadt: "Wir gehen in ein Jahr voller Fragezeichen, aber an der Seite Jesu." Zum Ende des "turbulenten, aufregenden" Jahres gestand er ein: "Ich gehe mit großen Sorgen in die Zukunft, vielleicht mit größeren, als ich je gehabt habe". Den anhaltenden Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine verurteilte Marx scharf: "Was für eine Schande, was für eine Blasphemie, dass sich getaufte Christen gegenseitig umbringen", sagte er. Gleichzeitig gelte: "Niemand kann die Hoffnung zerstören, dass am Ende er bestimmt: Jesus Christus." An die Gläubigen appellierte er: "Seid sicher, er, Jesus Christus, geht mit euch: alle Tage."
Sich nicht auffressen lassen von Chronos, sondern Kairos nutzen
In Augsburg erklärte Bischof Bertram Meier laut Predigtmanuskript den Unterschied zwischen der getakteten Alltagszeit und besonderen Gnadenmomenten. Er nutzte dafür die griechischen Begriffe Chronos für die messbare Zeit und Kairos für den "rechten Augenblick", in dem just etwas passiert. Während Chronos den Menschen unter Druck setzen und "auffressen" könne, sei Kairos eine günstige Gelegenheit, die es "am Schopf zu packen" gelte. Als persönliches Beispiel nannte Meier eine Operation, die für ihn zu einem solchen besonderen Moment des Gebets und des Gottvertrauens geworden sei.
Kopp: Neuanfang beginnt mitten im Unfertigen
Der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp rief zu mehr Verantwortung und Engagement für Erneuerung auf. Er bezog sich dabei auf die biblische Jahreslosung für 2026: "Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu". Die Jahreslosung bedeute nicht, Altes zu beseitigen, hob er hervor. Vielmehr werde Bestehendes verwandelt: "Neuanfang beginnt mitten im Unfertigen." Die tiefe Bedeutung der Jahreslosung zeige sich besonders im Angesicht von Tod und Trauer. Der christliche Glaube aber halte daran fest, dass mit dem Tod nicht alles ende, so der Bischof.
Ein "festes Herz" als "Wunder an Resilienz"
Die Nürnberger evangelische Regionalbischöfin Elisabeth Hann von Weyhern sprach in der Lorenzkirche über die Bedeutung eines "festen Herzens". Dieses sei nicht starr, sondern anpassungsfähig und ein "Wunder an Resilienz". Die innere Festigkeit des Herzens entstehe aus dem Vertrauen in die Glaubwürdigkeit Gottes. Angesichts vieler beängstigender Realitäten rief sie den Menschen die Aufforderung Gottes in Erinnerung: "Hab keine Angst. Fürchte dich nicht."
Mit Informationen von epd
Im Audio: Bayerische Bischöfe rufen in ihren Silvesterpredigten zu Zuversicht und gesellschaftlichem Engagement auf
Der evangelische Landesbischof Kopp rief im Sinne der Jahreslosung für 2026 "Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu" zu mehr Engagement auf.
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