Dass der Brenner-Basistunnel später fertig wird als geplant, ist schon seit Jahren bekannt. Nun nannte der Europäische Rechnungshof noch einmal Zahlen und Daten, da der Sonderbericht von 2020 zu wichtigen EU-Verkehrsinfrastrukturen aktualisiert wurde.
16 Jahre später und 40 Prozent teurer
Der Brenner-Basistunnel wird mindestens 16 Jahre später fertig als ursprünglich geplant war. Er könne frühestens 2032 eröffnet werden – und nicht, wie früher geplant, 2016 oder 2028, so der EU-Rechnungshof.
Zudem werde der Tunnel 40 Prozent teurer als ursprünglich geplant: Die letzte Schätzung liege bei rund 8,37 Milliarden Euro. "Milliardenschwere EU-Verkehrsprojekte seien aus der Spur geraten", so die Anmerkung des EU-Rechnungshofs.
Weitere Beispiele waren unter anderem die Feste Fehmarnbelt-Querung, die Eisenbahnverbindung Lyon–Turin, das Baskische Dreieck oder die Rail Baltica, deren Kosten sich seit 2020 mehr als verdoppelt hätten.
Verzögerungen wegen Corona und Krieg
Die Vollendung des Kernnetzes in der EU bis 2030 sei inzwischen unmöglich, heißt es vom EU-Rechnungshof. Vor fünf Jahren sei man noch davon ausgegangen, dass dieses Ziel "wahrscheinlich nicht zu erreichen ist". Jetzt stelle man fest: "Es ist nicht zu erreichen."
Was den Megaprojekten über die Jahre gesehen nach Einschätzung des Rechnungshofes zu schaffen machte: Die Corona-Pandemie, der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine, neue rechtliche Anforderungen oder unerwartete technische Hürden.
Brenner-Nordzulauf: Positives Nutzen-Kosten-Verhältnis
Die Zubringerstrecken zum Brenner-Basistunnel sowohl südlich als auch nördlich, also in Italien und in Bayern, wurden bei der aktuellen Prüfung des EU-Rechnungshofs nicht beleuchtet. Ob in Bayern der Brenner-Nordzulauf gebaut wird, entscheidet der Deutsche Bundestag. Das Projekt soll im ersten Halbjahr in die Parlamentarische Befassung gehen, heißt es auf Anfrage aus dem Bundesverkehrsministerium.
"Je nach Berücksichtigung der Risiken liegen die Kosten dieser Vorzugstrasse der Deutschen Bahn nach wie vor im Bereich neun bis 15 Milliarden Euro", teilte ein Sprecher mit. Zudem habe ein positives Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,4 ermittelt werden können. Der volkswirtschaftliche Nutzen des Brenner-Nordzulaufs sei also 1,4 mal so hoch wie die Kosten. Es liege an den Abgeordneten des Deutschen Bundestags, dann über den weiteren Fortgang des Projekts sowie über dessen Ausgestaltung zu entscheiden.
Kosten-Nutzen-Verhältnis von Bundestagsentscheidung abhängig
💬 BR24-User "lako" hat in der Kommentarspalte nach einer Einordnung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses gefragt. Das Team von "Dein Argument" hat ergänzt:
Die derzeitigen Kostenschätzungen für den Brenner-Nordzulauf liegen zwischen neun und 15 Milliarden Euro. Der genaue Wert hängt davon ab, wie die Vorzugstrasse der DB realisiert wird, also ob Wünsche aus der Region Berücksichtigung finden oder nicht, erklärt das Bundesverkehrsministerium auf Anfrage. So besteht zum Beispiel die Forderung nach weiteren Tunnelbauten, etwa nördlich von Rosenheim unter dem Inn.
Derzeit ist laut Ministerium ein Nutzen-Kosten Verhältnis von 1,4 berechnet. Letztendlich sei diese Zahl aber davon abhängig, was der Bundestag entscheidet. Sollte dieser etwa zusätzlichen Bauten zustimmen, dann werde auch das Kosten-Nutzen-Verhältnis neu berechnet. 💬
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