Gebirgsjäger der Bundeswehr sind mit einem Maschinengewehr in der kargen Landschaft Nord-Norwegens in Stellung gegangen. Sie nehmen an einem Großmanöver teil.
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Bundeswehr: Gebirgsjäger bei Großmanöver Cold Response

Bundeswehr: Gebirgsjäger bei Großmanöver Cold Response

In Norwegen geht das Großmanöver "Cold Response" in seine heiße Phase. Unter den Tausenden Teilnehmern sind etwa 700 Gebirgsjäger aus Mittenwald. Sie trainieren auch mit Drohnen. In Russland stößt das Manöver offenbar auf Interesse.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Oberstleutnant Rudolf Hofmann geht nördlich des Polarkreises ans Handy. Er sitzt in einem Hägglunds. Das ist ein Spezialfahrzeug, das am ehesten einer Pistenraupe ähnelt. Gebirgsjäger der Bundeswehr nutzen es. Dutzende davon haben sie in den letzten Wochen nach Nordnorwegen gebracht.

Wetter ein großer Faktor

Wenn er aus dem Fenster blicke, sagt Hofmann, dann sehe er "tiefsten Winter". Aktuell seien die Temperaturen aber "mild". Noch habe es zwischen null und fünf Grad. Für die kommenden Tage aber rechnet Hofmann mit minus 20 Grad und Sturm: "Einmal ist ihr Schneetarnanzug durchnässt und einmal ist er komplett durchgefroren. Und das in einer sehr schwer vorhersehbaren Abfolge."

Rückzugsmöglichkeiten gebe es kaum. Bei zehn Mann in einem Gefechtsfahrzeug könne auch keiner ruhen. Für die Männer und Frauen unter Rudolf Hofmanns Kommando ist das aber nur ein Teil der Herausforderungen, die vor ihnen liegen.

Gebirgsjäger in Norwegen

Hofmann befehligt das Gebirgsjägerbataillon 233 aus Mittenwald. Rund 700 seiner Soldatinnen und Soldaten nehmen gerade am norwegischen Großmanöver "Cold Response" teil. Gerade geht es in die heiße Phase. Im Szenario wird Norwegen angegriffen und verteidigt sich zunächst. Die Bündnispartner kommen ins Spiel, um die Angreifer zurückzudrängen.

Dafür sind in den kommenden Tagen unter anderem die Mittenwalder Gebirgsjäger zuständig. Feinddarsteller mimen den Gegner, ein Lasersimulationssystem hilft bei der Auswertung. Von der Übung soll ein Signal der Abschreckung gen Moskau ausgehen. Botschaft: Greift uns nicht an. Fast 200 Kilometer ist die Landgrenze zwischen Norwegen und Russland lang.

Zu Land, in der Luft und auf See

"Cold Response" findet alle zwei Jahre statt. In diesem Jahr nehmen laut norwegischen Angaben insgesamt mehr als 32.000 Soldatinnen und Soldaten teil. Etwa 25.000 üben in Norwegen, rund 7.500 in Finnland. Sie kommen aus 14 Nato-Staaten.

Trainiert wird mehrere Wochen lang an Land, in der Luft, auf See und im Cyber- sowie im Weltraum. Die Übung soll nach offizieller Darstellung auch dazu beitragen, Schweden und Finnland ins Bündnis zu integrieren. Die beiden jüngsten Nato-Mitglieder stellen Truppen.

Sieht Russland zu?

Gut möglich, dass all das auch auf russisches Interesse stößt. Nach Angaben der norwegischen Streitkräfte wurden diese Woche zwei russische Aufklärungsflugzeuge identifiziert, die mit ausgeschalteten Transpondern in internationalem Luftraum nahe an norwegischem Staatsgebiet flogen.

Am 10. und 11. März stiegen je zwei norwegische Kampfjets vom Typ F35 auf, um die Flugzeuge zu identifizieren und zu eskortieren. Den Angaben zufolge war mit solchen Ereignissen während des Manövers zu rechnen. Die norwegischen Streitkräfte bezeichneten sie als "üblich".

"Gläsernes Gefechtsfeld"

Teil des Manövergeschehens ist dabei nach den Worten von Oberstleutnant Hofmann auch der Einsatz von Drohnen durch die Feinddarsteller. Werden sie zur Aufklärung eingesetzt, wird das Gefechtsfeld "gläsern".

Die Gebirgsjäger müssen sich anpassen: sich weit verteilen oder schnell sein, um im mitunter vegetationsarmen und kargen Gelände nicht entdeckt zu werden. Dabei haben auch die deutschen Soldaten eigene Drohnen im Gepäck. In der Bundeswehr bewegt sich nach Ansicht von Beobachtern langsam etwas, was das Thema angeht.

Experte: Nato in "Experimentierphase"

Der Verteidigungspolitikexperte Christian Mölling sieht die Nato-Armeen aktuell in einer "Experimentierphase". Die Bedrohung durch Drohnen werde erkannt, bei der Abwehr gebe es aber noch Lücken. Mölling mahnt im BR-Interview, bei den Themen Drohnen und Drohnenabwehr in der Nato gemeinsame Wege zu suchen, anstatt nationale Lösungen anzustreben: "Der schlimmste Fehler, der jetzt passieren kann, ist, dass jede Armee das jeweils für sich selbst lernt und ihren besten Weg findet."

Manöver wie Cold Response bieten in den Augen des Experten die Chance, aus Fehlern zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und gemeinsame Wege zu ebnen. Mölling betont, dass dabei auch grundlegende Fähigkeiten trainiert werden müssen – etwa das Tarnen von Stellungen, um aus der Luft nur schwer erkennbar zu sein.

200 Großfahrzeuge, 120 Container

Trainiert wird bei Großmanövern wie Cold Response automatisch auch die Verlegung von großen Mengen an Material auf dem Land-, dem Luft- und dem Seeweg. Oberstleutnant Hofmann spricht von 200 Großfahrzeugen und über 120 Containern. Für Beobachter ist angesichts des Kriegsbildes in der Ukraine aber klar, wie anfällig Versorgungsrouten für Angriffe mit weitreichenden Waffen sind.

Auch um sie zu schützen, ist der Wiederaufbau von Flugabwehrfähigkeiten nach den Worten Christian Möllings dringend geboten: "Zum jetzigen Zeitpunkt ist man fast ungeschützt", so der Experte.

💡 Hintergrund: Großmanöver "Cold Response"

Cold Response ist eine von mehreren größeren Übungen, die im ersten Quartal 2026 abgehalten werden. Während deutsche Soldaten bei Cold Response zu den internationalen Teilnehmern zählen, führte die Bundeswehr selbst auch Großmanöver durch. Gerade ist etwa die Übung "Medic Quadriga" zu Ende gegangen. Dabei trainierte der Sanitätsdienst der Bundeswehr den Transport von Verwundeten aus Litauen nach Deutschland. Beteiligt waren über 1.000 Soldatinnen und Soldaten sowie etwa 250 zivile Übungsteilnehmer. Sie trainierten, wie einzelne Glieder der Rettungskette ineinandergreifen. Die Bundeswehr reagierte damit nach eigenen Angaben auf die veränderte Sicherheitslage und die konkrete Bedrohung durch Russland. Die Übung sollte wichtige Erkenntnisse für die zivil-militärische Zusammenarbeit liefern. Sie galt als eine der komplexesten Übungen des Sanitätsdienstes in der jüngeren Vergangenheit.

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