Seit gut einem Jahr gilt Tempo 30 an der Hörberinger Straße in Neumarkt-Sankt Veit im Landkreis Mühldorf am Inn. An der Staatsstraße liegen zwei Schulen und ein Pflegeheim. Die Geschwindigkeitsbegrenzung wurde nach jahrelangem Einsatz eines Bürgernetzwerks eingeführt. Lange Zeit galt sie als rechtlich nicht umsetzbar. Nun zeigt sich: Für viele Beteiligte hat sich die Maßnahme bewährt.
Schülerinnen und Schulleitung ziehen eine positive Bilanz
Emilia, ehemalige Schülerin der angrenzenden Grundschule, erinnert sich an die Zeit vor Tempo 30: Autos seien oft zu schnell über die Ampel gefahren, der richtige Moment zum Überqueren der Straße sei schwer abzuschätzen gewesen. Heute sei die Situation deutlich entspannter, "die meisten halten sich dran, aber manche sind viel zu schnell", meint Emilia.
Ines Krusche, die Schulleiterin der Grundschule, zieht eine positive Bilanz: Seit der Einführung erhöhe sich die Sicherheit, sagt sie. Wenn Fahrzeuge langsamer unterwegs seien, könnten alle besser aufeinander achten – "und die Sicherheit der Kinder ist am Wichtigsten", so Krusche.
Neben der Grundschule liegen an der Hörberinger Straße auch eine Mittelschule und ein Pflegeheim. Viele Kinder gehen zu Fuß nach Hause und queren die Straße nicht immer an der einzigen Fußgängerampel, sondern auch an einer unübersichtlichen Kurve. Vor allem dort sah das Bürgernetzwerk Neumarkt-Sankt Veit lange ein Sicherheitsproblem.
Sechs Jahre Einsatz für Tempo 30
Eva und Christian Guse von der Initiative hatten sich knapp sechs Jahre für Tempo 30 auf dieser Straße eingesetzt. Bereits 2018 wandten sie sich erstmals an das Landratsamt Mühldorf. 2021 wurde der Antrag jedoch abgelehnt. Es fehle die rechtliche Grundlage für eine Geschwindigkeitsreduzierung auf der Staatsstraße, begründete man im Landratsamt die Entscheidung.
Erst mit der Reform des Straßenverkehrsgesetzes änderte sich die Situation. Seitdem können Tempo-30-Strecken entlang stark frequentierter Schulwege leichter eingerichtet werden. Kurz vor Beginn des Schuljahres 2024 ließ das Landratsamt schließlich die entsprechenden Schilder an der Hörberinger Straße montieren.
Tempolimit gilt bis 14 Uhr – und nicht in den Ferien
Tempo 30 gilt dort werktags bis 14 Uhr, in den Ferien sind die Schilder eingeklappt. Für das Bürgernetzwerk ist das zwar ein Kompromiss, aber auch ein Erfolg. Christian Guse spricht von einem wichtigen Schritt für mehr Verkehrssicherheit, kritisiert aber, dass Bürgerinnen und Bürger jahrelang für solche Maßnahmen kämpfen müssten.
Abgeschlossen ist das Thema für die Initiative noch nicht. Als nächstes will das Bürgernetzwerk prüfen lassen, ob auch an der Bahnhofsstraße in Neumarkt-Sankt Veit Tempo 30 eingeführt werden kann. Für die Initiatoren ist klar: Wo viele Kinder unterwegs sind, müsse Verkehrssicherheit Vorrang haben.
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