Interessiert weiterhin sehr viele Menschen: die Ausstellung der Dokumentation Obersalzberg.
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Interessiert weiterhin sehr viele Menschen: die Ausstellung der Dokumentation Obersalzberg.
Bildrechte: Kradisch/Dokumentation Obersalzberg
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Dokumentation Obersalzberg verkündet Besucherrekord

Dokumentation Obersalzberg verkündet Besucherrekord

Mehr als 213.000 Menschen besuchten die Dauerausstellung "Idyll und Verbrechen" im vergangenen Jahr. Damit übertraf das Museum den bisherigen Höchststand aus dem Jahr 2024 und setzt seinen Wachstumskurs fort.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Schon seit ihrer Eröffnung im Jahr 1999 ist die Dokumentation Obersalzberg ein Besuchermagnet. Ursprünglich rechnete man mit rund 40.000 Besucherinnen und Besuchern jährlich – tatsächlich kamen oft mehr als 100.000, wie der Bayerische Rundfunk 2016 berichtete.

Im September 2023 wurde das Museum neu eröffnet

2015 entschied der Freistaat Bayern, das Museum grundlegend zu erweitern und neu zu konzipieren. Im September 2023 wurde die Ausstellung in einem deutlich größeren Neubau wiedereröffnet. Bereits ein Jahr später meldete das Haus einen ersten Rekord: Rund 220.000 Menschen hätten die Dauerausstellung "Idyll und Verbrechen" zwischen September 2023 und September 2024 gesehen. Ein Grund dafür war laut Museums-Sprecherin Melanie Diehm der starke Andrang unmittelbar nach der Wiedereröffnung im Herbst 2023, als viele Besucher gezielt wegen des neuen Hauses kamen.

Blickt man nicht auf diesen Zwölfmonatszeitraum, sondern auf das Kalenderjahr, fallen die Zahlen etwas niedriger aus. Das liegt auch daran, dass die Wintermonate im Berchtesgadener Land traditionell als Nebensaison gelten. Dennoch zeigt sich auch hier ein deutlicher Aufwärtstrend: 2024 kamen rund 205.000 Besucherinnen und Besucher in die Dokumentation, 2025 waren es bereits mehr als 213.000 – ein Plus von rund vier Prozent.

Nach wie vor großes Interesse an der NS-Zeit

Leiter Sven Keller wertet das anhaltende Interesse als Zeichen für die "anhaltende Bedeutung historisch-politischer Bildung". Die intensive Beschäftigung der Gäste mit dem Ort und seiner Geschichte zeige, wie wichtig eine fundierte, verantwortungsvolle Vermittlung der nationalsozialistischen Verbrechen bleibe – und wie groß die Nachfrage danach sei.

Pressesprecherin Melanie Diehm erklärt gegenüber dem BR, dass viele der Besucherinnen und Besucher ohnehin als Touristinnen und Touristen in der Region unterwegs seien. Ausländische Gäste machen ihrer Schätzung zufolge bis zu einem Drittel des Publikums aus – darunter seien viele US-Amerikaner, aber auch Österreicher und Niederländer. Viele Besucher verbänden einen Aufenthalt in Berchtesgaden oder am Kehlsteinhaus mit einem Besuch der Dokumentation Obersalzberg. Daneben gibt es ein kontinuierlich großes Interesse von Schulklassen und Erwachsenengruppen, etwa im Rahmen von Projekttagen, Studienfahrten oder Fortbildungen.

Obersalzberg – Ort zwischen Berg-Idylle und Völkermord

Im Zentrum der Dauerausstellung "Idyll und Verbrechen" steht der Obersalzberg als Ort zwischen Urlaubsidylle und Täterschaft. Adolf Hitler nutzte den Obersalzberg ab 1933 als Feriendomizil; später wurde das Gelände zum "Führersperrgebiet" ausgebaut und galt als eine Art zweiter Regierungssitz neben Berlin. Bis zu einem Viertel seiner Amtszeit soll Hitler hier verbracht haben. Von diesem abgeschirmten Machtzentrum aus wurden politische Entscheidungen vorbereitet, Inszenierungen des Regimes entwickelt und Kontakte zu Verbündeten gepflegt.

Die Ausstellung thematisiert die Diskrepanz zwischen der scheinbar friedlichen Berglandschaft und den von hier aus mitverantworteten nationalsozialistischen Verbrechen. Rund 350 Objekte, Dokumente, Fotografien und multimediale Stationen erklären, wie dieses Machtzentrum des NS-Regimes funktionierte. Gleichzeitig rückt die Ausstellung die Perspektiven der Opfer in den Fokus: Biografien, Briefe und Zeitzeugenberichte zeigen, welche Folgen die Entscheidungen des Regimes für die Verfolgten hatten.

Dass dieses Konzept überzeugt, zeigt auch die internationale Auszeichnung: Die Dauerausstellung "Idyll und Verbrechen" wurde 2025 mit dem renommierten Luigi-Micheletti-Award der European Museum Academy geehrt und ist für den European Museum Award 2026 nominiert.

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