Lange Stunden des Wartens, bevor die Entwarnung kam: Die Verdi-Beschäftigten, die sich am Mittwochvormittag in den Räumlichkeiten befanden, als ein Drohbrief mit verdächtigem Pulver geöffnet wurde, mussten dort bis in den Abend hinein ausharren.
Mitarbeitern macht Vorfall psychisch zu schaffen
Rita Wittmann, Geschäftsführerin von Verdi Mittelfranken, erklärte am Donnerstag: Den Mitarbeitenden gehe es körperlich gut. Elf Beschäftigte hätten sich im betroffenen Büro befunden, drei seien vermutlich näher in Kontakt mit dem Pulver gekommen. Der Mitarbeiterin, die den Umschlag geöffnet hat, mache der Vorfall psychisch zu schaffen.
Positiv beurteilt Wittmann die unmittelbare Reaktion im Team: "Die Mitarbeiterin hat den Umschlag geöffnet und direkt alle verständigt, dass niemand das Büro betreten soll." Jeder sei an seinem Platz geblieben, während die Rettungskräfte vor dem Gewerkschaftshaus eintrafen. Auch den Einsatz bewertet die Verdi-Geschäftsführerin sehr positiv: "Es war irre, zu erleben, wie toll die Hilfe in so einer Situation funktioniert hat", erzählt sie. Es habe Gesprächsangebote und Hotlines zu verschiedenen Themen gegeben.
Gebäude nach stundenlanger Isolation evakuiert
Dennoch habe die lange Dauer, die das Team isoliert war, irgendwann an den Nerven gezehrt. Nachdem um 17 Uhr die Entwarnung gekommen war, wurde das Gebäude evakuiert. Die elf Mitarbeitenden mussten allerdings noch durch eine Dekontaminationsschleuse. Das heißt: Alles ausziehen und duschen, außerdem seien die Mitarbeitenden desinfiziert worden.
Erst um 21 Uhr seien die elf Verdi-Mitglieder draußen gewesen. "Danach haben wir uns alle zusammen getroffen und Pizza bestellt", sagt Wittmann. Schließlich habe es den ganzen Tag lang nichts zu essen gegeben, es durfte ja niemand das Gebäude betreten. "Die Gemeinschaft am Abend hat gut getan, wir haben uns gegenseitig wieder aufgebaut", sagt Wittmann.
"An Milzbrand sterben": Drohung gegen Verdi wohl wegen Streiks
Am Mittwoch war gegen 10 Uhr ein Drohbrief bei Verdi im DGB-Haus in Nürnberg eingegangen. Der Verfasser schrieb laut einer Pressemitteilung von Verdi Bayern darin: "Beschäftigte von Verdi sollten 'an Milzbrand sterben'".
Auch der Grund der Drohung wurde nach Gewerkschaftsangaben im Brief erwähnt: "Als Begründung wurden Streiks genannt." In dem Umschlag befand sich weißes Pulver. Die Einsatzkräfte sperrten das Gebäude vorsorglich erst einmal ab. Zwei Schnelltests ergaben gegen 17 Uhr: Das Pulver scheint ungefährlich zu sein. Ein Labortest des Bayerischen Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) soll im Laufe des Donnerstags mehr Klarheit geben.
Gewerkschaft erschüttert: "Empörend und absolut inakzeptabel"
Die Gewerkschaft zeigte sich über die Tat erschüttert. Luise Klemens, Landesbezirksleiterin von Verdi Bayern, erklärt in einer Pressemitteilung: "Wir verurteilen die Drohung auf das Schärfste. Ganz offensichtlich wollen die Täter Angst und Verunsicherung verbreiten." In den vergangenen Monaten hätten die Drohungen zugenommen. "Diese Entwicklung ist besorgniserregend." Es sei empörend und absolut inakzeptabel, dass Menschen und ihre Gewerkschaft mit dem Tod bedroht werden. Wer versuche, mit solchen Mitteln Druck auszuüben, greife die demokratischen Grundrechte an. "Das Streikrecht ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen", so die Sprecherin weiter.
Verdi: "Wir lassen uns nicht einschüchtern"
"Wir lassen uns nicht einschüchtern und stehen fest hinter unseren Kolleginnen und Kollegen" , so Frank Werneke, Bundesvorsitzender von Verdi. Die Gewerkschaft wolle sich von solchen Drohungen und Angriffen nicht einschüchtern lassen. "Wir gehen davon aus und hoffen, dass die Täterin oder der Täter schnell ermittelt und zur Verantwortung gezogen wird."
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