In Weiden hat der Prozess um den aufsehenerregenden Vergiftungsfall mit flüssigem Ecstasy aus einer Champagnerflasche begonnen. Eine Gruppe Lokalbesucher hatte damals - im Februar 2022 - nichtsahnend in einem Weidener Restaurant mit einer Magnum-Champagnerflasche angestoßen – und wurde vergiftet. Ein 52-jähriger Familienvater starb.
- Zum Artikel: Ecstasy im Champagner - Frau leidet unter den Folgen
Bande soll Ecstasy in großen Mengen hergestellt haben
Angeklagt ist ein 46 Jahre alter Niederländer, laut Staatsanwaltschaft "Logistiker" einer in dem Land agierenden Bande, die den Ecstasy-Wirkstoff MDMA in großen Mengen hergestellt haben soll – für den Absatz im In- und Ausland. Zur Tarnung sollen sie ihn verflüssigt in Champagnerflaschen gefüllt haben. Mehrere Flaschen wurden aber offenbar aus einem Lager gestohlen und gerieten über Umwege in Umlauf. Im Rahmen der Ermittlungen konnten die Behörden mehrere mit reinem MDMA gefüllte Champagnerflaschen sicherstellen. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten fahrlässige Tötung, fahrlässige Körperverletzung und bandenmäßigen Drogenhandel vor.
Angeklagter erzählt aus seinem Leben
Der 46-Jährige schilderte vor Gericht in einer Mischung aus Englisch, Niederländisch und Deutsch Details zu seinem durchaus schillernden Berufsleben als Bar- und Clubbetreiber, Festivalveranstalter im In- und Ausland und Discomanager, zuletzt habe er Eis und Cannabis in Thailand verkauft.
Als er in den Saal geführt wurde, brachen einzelne Zuhörerinnen in Tränen aus. Zu den Vorwürfen selbst sprach vor allem sein Anwalt Alexander Stevens: Sein Mandant habe nichts mit dem tragischen Geschehen in Weiden zu tun. Die Flaschen seien schließlich abhandengekommen. Der Mann sei also nicht verantwortlich dafür, dass eine Flasche in Weiden gelandet und ausgeschenkt worden ist, so der Verteidiger.
Anwälte weisen Anschuldigungen zurück
Stevens sprach von einer bizarren Kette von Zufällen. Die Vorwürfe der fahrlässigen Tötung und fahrlässigen Körperverletzung träfen bei seinem Mandanten nicht zu. Die Herleitung der Staatsanwaltschaft - hätte der Mann die Flaschen nicht gelagert, hätten sie nicht gestohlen und in den Handel gebracht werden können - sei nicht haltbar. Denn: Wenn ein Mann einen Mord begehe, könne man der Mutter nicht vorwerfen, hätte sie ihren Sohn nicht geboren, hätte dieser keinen Mord begehen können - so eines der Argumente der Verteidigung.
Was den Vorwurf des bandenmäßigen Drogenhandels betrifft, da sieht er Weiden nicht zuständig; der Fall gehöre in die Niederlande. Auch den Vorwurf, der Angeklagte sei der "Logistiker" gewesen, weist Stevens zurück.
Für den Prozess sind zunächst 21 Verhandlungstage angesetzt. 40 Zeugen sind geladen. Das Urteil könnte Anfang März gesprochen werden.
Ein verhängnisvoller Abend
Was war passiert? An einem Samstagabend im Februar 2022 traf sich ein Freundeskreis in einem Restaurant in der Weidener Innenstadt. Sie bestellten eine Drei-Liter-Champagnerflasche. Was sie zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: In der Champagnerflasche befand sich das Rauschgift MDMA, also flüssiges Ecstasy – in einer Menge, die selbst in kleinen Dosen lebensgefährlich ist. Von den acht Menschen, die davon tranken, starb ein Mann, die anderen erlitten teils lebensgefährliche Verletzungen – mit Spätfolgen bis heute.
Wenige Tage später gab es einen ähnlichen Vorfall in den Niederlanden, bei dem vier Menschen verletzt wurden. Später wurden in Deutschland weitere mit dem Rauschgift versetzte Flaschen entdeckt. Das Bundesamt für Verbraucherschutz hatte in der Folge eine Warnung ausgesprochen: "Probieren Sie nichts." Selbst das Schmecken ohne Schlucken könnte zu ernsthaften Gesundheitsproblemen führen oder tödlich sein, hieß es in der Warnung.
Mit Material der dpa
Champagnergläser im Gegenlicht
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

