Junge Sanitäter schieben eine Trage mit einem Sichtschutz auf dem Oktoberfest.
Junge Sanitäter schieben eine Trage mit einem Sichtschutz auf dem Oktoberfest.
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Die Sanitätsteams sind zu fünft mit einer Trage unterwegs – in den blauen Kästen werden die transportiert, die nicht mehr zu Fuß gehen können.
Bildrechte: Bayerischer Rundfunk 2026
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Die Sanitätsteams sind zu fünft mit einer Trage unterwegs – in den blauen Kästen werden die transportiert, die nicht mehr zu Fuß gehen können.

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Zwischen Herzinfarkt und "Kotzhügel": Einsatz auf der Wiesn

Zwischen Herzinfarkt und "Kotzhügel": Einsatz auf der Wiesn

Mit Hunderttausenden Besuchern täglich ist das Oktoberfest wie eine komprimierte Großstadt: Herzinfarkte, Krampfanfälle und Verletzungen halten die Sanitätsteams auf Trab – dazu kommt der viele Alkohol, der die Arbeit nicht leichter macht.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Youtube am .

Notfallsanitäter Max ist zusammen mit vier anderen das Team der Aicher Ambulanz für Trage 1. Sie werden zu Einsätzen geschickt, werden die Menschen erstversorgen und sie bei Bedarf mit ins Sanitätszentrum nehmen. Wer nicht mehr laufen kann, kommt auf die Trage – und wird durch den blauen Kasten vor Blicken geschützt.

Erster Einsatz: Kopfverletzung

9.12 Uhr: Das erste Mal gongt es zu Einsätzen. An einem der Eingänge ist eine Kopfverletzung gemeldet. "Jetzt geht's dann los", sagt Adil, auch mit im Team. Noch sind die Straßen leer. "Das ist noch kein Vergleich – abends wird es dann eher schlimm", sagt Max.

Zu volle Straßen und viel Alkohol bedeuten für die Sanitäter der Aicher-Ambulanz eine Herausforderung. "Das Schlimmste, was passieren kann, dass irgendeiner handgreiflich wird uns gegenüber", sagt Korbi. Und: Wenn die Menschen nicht mehr schnell aus dem Weg gehen, brauchen sie länger zu den Patienten.

Angekommen am Eingang mit der gemeldeten Kopfverletzung. Ein 60-Jähriger ist aufs Gesicht gefallen und blutet aus der Nase. Sie bringen ihn in das Sanitätszentrum, damit sein Kopf untersucht wird.

Doppelschichten ehrenamtlich

Nach dem Einsatz hat das Team erst einmal Zeit für eine Stärkung. Im Sanitätszentrum gibt es einen Aufenthaltsraum mit Kaffee und Snacks. Ein paar Teams packen Spiele aus, es ist die Ruhe vor dem Sturm, der auf dem größten Volksfest der Welt vorprogrammiert ist.

Vergangenes Jahr kam es am ersten Wiesn-Samstag zu 900 Einsätzen: ein Rekord. Alle machen das hier ehrenamtlich – das Team von Trage 1 von morgens bis nach Mitternacht. Sie haben sich alle zur Doppelschicht gemeldet.

Nächster Patient: Verdacht auf Herzinfarkt

Immer wieder geht der Einsatz-Alarm. Eine junge Frau hatte einen epileptischen Anfall, ihr ging es aber nach wenigen Minuten wieder gut. Ein älterer Herr jedoch muss mit Verdacht auf Herzinfarkt mit. Er ist gestürzt, hat einen sehr niedrigen Puls und kalten Schweiß.

Obwohl sich das Team erst am ersten Wiesn-Tag kennengelernt hat, arbeiten sie sofort routiniert zusammen. Einer legt einen Zugang, jemand anderes assistiert, der Nächste bereitet die Trage vor, um den Mann schnell abtransportieren zu können. "Wir haben alle das gleiche Schema gelernt", erklärt die 18-jährige Leonie. Auch die anderen im Team sind noch sehr jung, alle in ihren 20ern.

Die ersten Fälle wegen Alkohol

Mit fortgeschrittener Stunde steigt auch das Einsatzaufkommen. "Intox" ist das Wort, das Max und sein Team verwenden, wenn ein Einsatz reinkommt, weil jemand zu tief ins Glas geschaut hat. Gegen 15.30 Uhr ist es so weit: Hackerzelt steht auf der Einsatzmeldung – es geht um "Intox". "Wo genau?", fragt Max. "Eingang West", weiß Adil. Max kennt sich aus: "Kotzhügel. Ja gut, dann ab geht die Post."

Bei alkoholisierten Personen sind sie bei der Patientenansprache schon etwas vorsichtiger, erklärt Adil. Gleichzeitig kann es wirklich wichtig sein, dass die Menschen Hilfe bekommen: "Die Patienten vergessen auch gerne mal zu schnaufen, das ist auch eine große Gefahr", sagt Adil. "Dass sie sich natürlich auch erbrechen, also Aspirationsgefahr, ist auch immens, weil die das einfach nicht mehr steuern können in ihrem Rausch." Aspirationsgefahr bedeutet, dass etwas in die Luftröhre gerät – die Person droht zu ersticken.

Abtransport vom "Kotzhügel"

Angekommen am "Kotzhügel" sind bereits andere Sanis beim Patienten, außerdem Sicherheitsmitarbeiter. Sie haben die Sanitäter alarmiert. Denn seit einigen Jahren ist es nicht mehr erlaubt, am Kotzhügel seinen Rausch auszuschlafen – so sollen Übergriffe verhindert werden.

Der junge Mann ist kaum ansprechbar. Zuerst versuchen sie, ihn aufzurichten, um ihn hinunter zur Trage zu stützen. Max und Adil greifen unter die Arme, eine Kollegin hält hinten fest. Aber: Seine Beine bewegen sich einfach nicht. "Mag er nicht?" "Nein." Also tragen sie ihn zu viert den Hang runter. Der junge Mann wird die nächsten Stunden überwacht.

Knapp 4.300 Patienten in der ersten Woche

Die Einsätze mit Alkohol häufen sich – ein 30-Jähriger hat einige Fäuste abbekommen und blutet stark im Gesicht, eine Frau hat zu viel getrunken und liegt bewusstlos auf einer Toilette. Das Team von Trage 1 merkt: Es wird mehr, und die Leute stehen alkoholisiert immer mehr im Weg, teilweise machen sie Fotos. "Das macht uns unsere Arbeit natürlich noch schwerer, als sie eigentlich ist", sagt Adil.

Zur Halbzeit meldet die Aicher-Ambulanz knapp 4.300 Patientinnen und Patienten. Sieben Prozent mehr als zur Halbzeit im vergangenen Jahr. Alle fünf aus dem Team von Trage 1 werden in den kommenden Tagen noch viel zu tun haben.

BR24 auf YouTube: 12 Stunden zwischen Anstich, Notfall und Maßkrug-Stress

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