Thorsten Sturm steht vor seiner Biogasanlage
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Thorsten Sturm beitreibt ein Biogasanlage, die sich an und ausschalten lässt. Je nachdem, wie viel Strom gerade gebraucht wird.
Bildrechte: BR / Isabel Pogner
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Thorsten Sturm beitreibt ein Biogasanlage, die sich an und ausschalten lässt. Je nachdem, wie viel Strom gerade gebraucht wird.

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Fachmesse in Nürnberg: Welche Zukunft hat die Biogas-Branche?

Fachmesse in Nürnberg: Welche Zukunft hat die Biogas-Branche?

Auf der Fachmesse für Biogas in Nürnberg geht es neben technischen Neuheiten vor allem um eines: Viele Anlagebetreiber wünschen sich eine langfristige Finanzierungsperspektive vom Bund. Doch die lässt bislang auf sich warten.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Auf der Biogas Convention & Trade Fair in Nürnberg, einer der größten Fachmessen für Biogas, stellen in diesem Jahr 250 Aussteller den geschätzten 6.000 Besuchern bis Donnerstag die neuesten Innovationen für Biogasanlagen vor. Thorsten Sturm hat eine solche Anlage und freut sich auf den Besuch der Messe. "Die Technik ist einfach toll", sagt er. "Das macht richtig Spaß, sich anzugucken, was in der Branche so passiert".

Anlagen zum An- und Ausschalten

Der Motor, der Sturms eigene Biogasanlage in der Nähe von Bad Windsheim am Laufen hält, ist größer als ein Auto. Das Besondere an der Technik: "Die Anlage ist voll flexibilisiert", erklärt Sturm. Ältere Anlagen laufen rund um die Uhr einfach durch. Seine modernisierte Anlage "läuft nur dann, wenn es sich rentiert." Sturm sieht auf seinem Handy, wann der Netzbetreiber die Anlagen an- und ausschaltet. Wenn Photovoltaik und Wind gerade nicht genug Strom abwerfen, springt das Biogas ein.

Hohe Kosten für alte Anlagen

Der Haken: Alte Anlagen so modern umzurüsten kostet laut Fachverband Biogas zwischen zwei und fünf Millionen Euro. Nicht jeder Landwirt kann sich das leisten. Die Folge: "Aktuell schalten viele Betreiber ihre Anlagen ab", sagt Sturm. Er ist stellvertretender Regionalgruppensprecher des Fachverbands Biogas für Mittelfranken. Funktionierende Anlagen abzuschalten sei in seinen Augen "alles andere als nachhaltig. Es ist doch nichts nachhaltiger, als das zu nutzen, was man schon hat."

Vergütungsprämien vom Bund

Von den knapp 10.000 Biogasanlagen, die es in Deutschland gibt, stehen rund 2.700 in Bayern. Viele von ihnen wurden vor 20 Jahren gebaut, als der Biogasanlagen-Boom begann. Um die Anlagen zu finanzieren, können die Betreiber Strom, Gas und Wärme verkaufen. Außerdem können sie sich auch auf Ausschreibungen für staatliche Vergütungen bewerben. Mit den Vergütungen bekommen die Anlagebetreiber eine geregelte Marktprämie je ins Netz eingespeister Kilowattstunde Strom.

Die Vergütungen sollen den Betreibern Planungssicherheit für ihre Investitionen geben und machen für viele einen wichtigen Anteil der Einnahmen aus. Die Erstförderungen laufen nun nach 20 Jahren aber für viele Betreiber aus. Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) können sich Betreiber zwar auf Anschlussförderungen bewerben, doch das sorgt für Konflikte.

Probleme mit den Ausschreibungen

Am Rand der Biogas-Fachmesse in Nürnberg erklärt Horst Seide vom Fachverband Biogas: Laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) konnten sich Betreiber alter Anlagen auf neue Vergütungen für weitere zwölf Jahre bewerben. Vor ein paar Tagen gab die Bundesnetzagentur, die für die Ausschreibung zuständig ist, bekannt, dass neun von zehn Bewerbern eine Neu- oder Anschlussvergütung erhalten. Eine gute Nachricht, denn laut Fachverband Biogas gehen bei den Ausschreibungsrunden oft viele Betreiber leer aus.

Branche mit politischer Lösung unzufrieden

Allerdings müssen die Bewerber hohe Auflagen erfüllen, um Vergütungen zu erhalten. "Sie müssen die Anlagen modern aufrüsten", sagt Seide. "Und das können oder wollen sich nicht alle leisten." Denn dafür sei die Finanzierungslage zu unsicher. Zwölf Jahre sei für Großinvestitionen bei immer weiter steigenden Preisen ein kurzer Zeitraum. Die Bundesnetzagentur gibt auf BR-Anfrage zwar zu bedenken, dass der Gesetzgeber die Ausschreibungsvolumina des aktuellen Biomassepakets "bereits deutlich erhöht" habe. Trotzdem sagt Sturm: "Manchen ist diese Zusicherung einfach zu unsicher." Zudem nütze die Ausschreibung nur den Betreibern, die aktuell neue Förderungen benötigen. "Das Biomassepaket ist nächstes Jahr schon wieder zu Ende", sagt Sturm, es brauche ab 2027 ein neues Gesetz.

Generell kritisiert der Verband, dass Landwirte immer nur häppchenweise für ihre Investitionen vergütet werden. Deshalb wird von der Politik eine langfristige Strategie zur Finanzierung des deutschen Biogases gefordert.

Biogas wichtige Ergänzung beim Strom

Dass das in Zukunft immer wichtiger wird, zeigt eine Studie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg aus dem Jahr 2025. Demnach sei das Gas als erneuerbare Energie wichtig, um die Gefahr möglicher Versorgungsengpässe beim Strom zu minimieren.

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