Holocaust-Gedenken in Nürnberg: Landtagspräsidentin Ilse Aigner legt zusammen mit dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König und  Jo-Achim Hamburger von der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg einen Kranz am Gedenkstein der zerstörten Synagoge nieder
Holocaust-Gedenken in Nürnberg: Landtagspräsidentin Ilse Aigner legt zusammen mit dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König und  Jo-Achim Hamburger von der Israelitischen Kultusgemeinde in Nürnberg einen Kranz am Gedenkstein der zerstörten Synagoge nieder
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Holocaust-Gedenken in Nürnberg: Kranzniederlegung am Gedenkstein der zerstörten Synagoge
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Holocaust-Gedenken in Nürnberg: Kranzniederlegung am Gedenkstein der zerstörten Synagoge

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Holocaust-Gedenken: "Antisemitismus muss rote Linie sein"

Holocaust-Gedenken: "Antisemitismus muss rote Linie sein"

Der Bayerische Landtag hat in Nürnberg der Opfer des Holocaust gedacht – mit einem eindringlichen Appell. In der Stadt der Reichsparteitage wurde damit ein deutliches Zeichen gegen Antisemitismus gesetzt.

Über dieses Thema berichtet: BR24live am .

Die Geschichte dürfe sich nicht wiederholen, mahnten die Redner bei der Gedenkveranstaltung in Nürnberg, und forderten die Gesellschaft auf, neue, finstere Zeiten zu verhindern. Während des NS-Regimes hatten die Nazis rund sechs Millionen Juden in Europa ermordet.

Erinnerung als Auftrag

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) erklärte vor etwa 200 Gästen im Historischen Rathaussaal: "Die Opfer des Nationalsozialismus sind Teil unserer Identität." Ihr Leben, ihr Leiden, ihr Tod hätten die Richtung gewiesen "für unser Grundgesetz, für unsere Demokratie". Die Millionen Opfer zu vergessen oder gar zu leugnen, sei "Verrat an unserer Heimat".

Die Bedeutung der Erinnerungskultur würdigte sie mit den Worten: "Sie ist heute ein Akt der Stärke, des wehrhaften demokratischen Selbstbewusstseins." Gleichzeitig mahnte Aigner, dass Antisemitismus wieder erstarkt sei. Sie forderte Veränderungen im Strafrecht und im gesellschaftlichen Reden und Handeln: Wer sich antisemitisch äußert, Juden den Tod wünscht, Israel das Existenzrecht abspricht, müsse empfindlich bestraft werden. "In Deutschland muss Antisemitismus die rote Linie sein", betonte Aigner.

Sorge, aus "Nie wieder" könnte "Schon wieder" werden

Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, sagte: "81 Jahre nach Kriegsende stehen wir an einem Scheideweg." Freller sorge sich, dass aus dem "Nie wieder" ein "Schon wieder" werden könne. Wenn sich "nachweislich braunes Gedankengut" in die Köpfe junger Menschen einniste, müssten "alle Alarmglocken läuten", so Freller.

Bei dem Gedenkakt hielt der deutsche Filmproduzent Martin Moszkowicz eine emotionale Rede. Moszkowicz ist Sohn eines Auschwitz-Überlebenden und Enkel eines Naziverbrechers. "Große Sorgen" bereite ihm die Gleichgültigkeit und Unentschiedenheit, die er in großen Teilen der Gesellschaft wahrnehme. Wörtlich warnte er: "Der gefährlichste Verbündete des Hasses ist nicht der Radikale, sondern der Gleichgültige." Deshalb richte sich das Holocaust-Gedenken auch an die Mitte der Gesellschaft. Das Gedenken sei "eine Form politischer und moralischer Wachsamkeit". Man müsse sich bewusst sein, wie schnell eine Gesellschaft ihre Werte verlieren kann.

Gedenken erstmals in Nürnberg – der Stadt der Täter

Davon zeugt auch die Geschichte der Stadt Nürnberg: Nürnberg nahm früh eine zentrale Rolle im Nationalsozialismus ein. In der Stadt hielten die Nazis ihre Reichsparteitage ab und verabschiedeten 1935 die "Nürnberger Gesetze". Darin schrieben sie die Entrechtung der jüdischen Bevölkerung fest – es war die Vorstufe des Holocaust. Es ist das erste Mal, dass das Gedenken des Bayerischen Landtags zusammen mit der Stiftung Bayerische Gedenkstätten in Nürnberg stattfindet.

Der Ort der Täter hat sich gewandelt. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen dann führende Nazi-Größen wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit in Nürnberg vor Gericht. Die Stadt wurde zum Symbol für die juristische Aufarbeitung der NS-Verbrechen und Ausgangspunkt für das internationale Völkerstrafrecht.

Antisemitismus jeden Tag entgegentreten

Heute steht Nürnberg wie keine zweite Stadt für Erinnerung und Aufklärung und trägt den Titel "Stadt der Menschenrechte". Der Titel sei ein Auftrag und eine Verpflichtung, betonte Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) bei der Gedenkveranstaltung. Nürnberg trete Antisemitismus, Rassismus und Menschenfeindlichkeit entschieden entgegen – in Schulen, Verwaltungen, am Arbeitsplatz, im Verein und in der Zivilgesellschaft. König unterstrich: "Ausgrenzung hat keinen Platz, Hass hat keinen Platz, Antisemitismus hat keinen Platz – nicht in Nürnberg, nicht in Bayern, nicht in Deutschland."

Vor dem Gedenkakt hatten Landtagspräsidentin Ilse Aigner, Stiftungsdirektor Karl Freller und Oberbürgermeister Marcus König in der Innenstadt Kränze am Gedenkstein der Nürnberger Hauptsynagoge niedergelegt, die von den Nazis 1938 zerstört wurde.

Im Video: Gedenkveranstaltung in Nürnberg

Blick auf die Bühne und das Publikum der Gedenkveranstaltung in Nürnberg.
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Gemeinsam mit der "Stiftung Bayerische Gedenkstätten" hat der Bayerische Landtag an die Opfer des Holocaust erinnert.

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