Kräne verlegen die Rohre in der Erde.
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Die neue Gaspipeline führt auf einer Länge von 41 Kilometern von Wertingen bis nach Kötz.
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Die neue Gaspipeline führt auf einer Länge von 41 Kilometern von Wertingen bis nach Kötz.

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Erst Gas, dann Wasserstoff: Neue Pipeline in Schwaben eröffnet

Erst Gas, dann Wasserstoff: Neue Pipeline in Schwaben eröffnet

Sie soll die Versorgungssicherheit verbessern. In der Pipeline "Augusta" fließt Gas als Brückentechnologie. Doch die Leitung ist schon jetzt für eine Zukunft mit Wasserstoff gerüstet.

Über dieses Thema berichtet: BR24 TV am .

Der Ausbau der Erneuerbaren Energien geht voran, doch eines macht Bayerns Wirtschaftsminister unmissverständlich klar. "Wir werden auch die nächsten zehn bis zwanzig Jahre nicht unabhängig von fossilem Erdgas werden können. Es ist eine wichtige Säule der Energiesicherheit Bayerns", sagt Hubert Aiwanger (FW).

Wenn Wind und Sonne keine Energie liefern, weil gerade Dunkelflaute herrscht, soll Gas der Notnagel für die Stromerzeugung sein. Im Landkreis Günzburg gibt es beispielsweise in Leipheim oder in Gundremmingen Pläne für neue Kraftwerke, die flexibel Strom produzieren können. Bayernweit werden in den nächsten fünf Jahren Gaskraftwerke gebaut, die der Leistung von zwei Atomkraftwerken entsprechen.

Doppelt hält besser

Doch diese Anlagen brauchen ausreichend Energie. Zwar verlief schon in der Vergangenheit eine Pipeline zwischen dem Landkreis Dillingen und dem Landkreis Günzburg, doch die Menge an Gas, die sie transportieren kann, reicht für künftige Anforderungen nicht mehr aus. Deshalb entstand parallel zur bestehenden Leitung die Pipeline "Augusta". Sie streckt sich unterirdisch auf einer Länge von 41 Kilometer von Wertingen bis nach Kötz. Der Bau war nicht als einfach, denn es mussten nicht nur Bahnlinie und Autobahn gequert, sondern auch über 300 Grundstückseigentümer überzeugt werden. Landwirte erhielten Entschädigungen als Kompensation für Ernteausfälle und Einbußen.

Derzeit laufen noch Rekultivierungsmaßnahmen, damit Felder wieder genutzt werden können wie zuvor. Der Name der Pipeline ist übrigens angelehnt an den Namen Augsburgs zur Römerzeit "Augusta Videlicum", beim Bau der Trasse wurden passenderweise auch historische Keramiken entdeckt.

2.400 Stahlrohre für 41 Kilometer

Die neue Pipeline wird Teil des bisherigen Gastransportsystems. Das Unternehmen Bayernets betreibt in Südbayern ein Netz mit rund 1700 Kilometern. Es ähnelt in seiner Struktur dem Stromnetz mit seinen großen Leitungen, die sich in den Regionen immer weiter verzweigen. 2.400 Rohre wurden für "Augusta" verlegt, die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 180 Millionen Euro.

Die neue Leitung soll auch Baden-Württemberg an Gasspeicher im südbayerischen und Salzburger Raum anbinden. Denn in weltpolitisch unruhigen Zeiten geht es auch um Resilienz.

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Die neue Pipeline wird Teil des bisherigen Gastransportsystems.

Forderung nach nationaler Gas-Reserve

"Über Gas hatte man lange nicht geredet. Bis der Ukrainekrieg kam und wir merkten, an welch seidenen Faden unser Wohlstand hängt", sagt Hubert Aiwanger. Nach dem Winter beträgt die Füllmenge der Gasspeicher in Deutschland derzeit nur noch rund 20 Prozent. Bayerns Wirtschaftsminister sprach sich dafür aus, Gasspeicher nicht stillzulegen. Einige Betreiber hatten einen entsprechenden Antrag bei der Bundesnetzagentur aus wirtschaftlichen Gründen gestellt.

Aiwanger forderte zudem, eine nationale Gasreserve ähnlich wie beim Erdöl vorzuhalten und nicht "von der Hand in den Mund zu leben". Die Ölreserve deckt den nationalen Bedarf Deutschlands für 90 Tage.

Das Ziel ist Wasserstoff

Mittelfristig ruhen die Hoffnungen aber nicht mehr auf Gas, es soll lediglich eine Brückentechnologie sein. "Augusta" ist bereits H2-ready, sie soll in Zukunft grünen, also klimafreundlichen Wasserstoff transportieren.

Der Geschäftsführer von bayernets erwartet keinen abrupten Wechsel. "Wir werden Gas und Wasserstoff wahrscheinlich eine lange Zeit parallel verwenden. Aber mit zwei Pipelines können wir eine Leitung mit Gas und die andere mit Wasserstoff nutzen", sagt Matthias Jenn.

Schon die erste Gasleitung zwischen Wertingen und Kötz hatte ursprünglich einen anderen Zweck. In den 60er Jahren ging sie noch als Ölleitung in Betrieb.

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