Das Who ist Who der internationalen Außen- und Sicherheitspolitik ist in München bei der Sicherheitskonferenz vor Ort – Regierungschefs und politische Vertreter aus 120 Ländern ringen um die Krisen der Welt. Der Krieg in der Ukraine, die Ausschreitungen im Iran, die transatlantischen Beziehungen - die Themenpalette ist breit.
Im Hauptsaal des Bayerischen Hofes werden die großen Reden gehalten. Friedrich Merz, Marco Rubio, Wolodymyr Selenskyj, Emmanuel Macron. Journalisten aus aller Welt analysieren, interpretieren. Doch nicht nur sie sollen gehört werden. Die Sicherheitskonferenz sorgt selber für Content und Reichweite.
Wie geht Sicherheitspolitik für die junge Zielgruppe?
Während unten Journalisten um Interviews ringen, bekommt einige Etagen höher die jüngere Generation eine eigene Fläche. Aus dem Youtube-Studio der Münchner Sicherheitskonferenz berichten seit inzwischen sieben Jahren Politik-Influencer. Kontrovers – Die Story trifft einige von ihnen. Die meisten erreichen im Netz regelmäßig die jüngere Zielgruppe mit politischen Themen – plattformgerecht, auf ihre eigene Art und vor allem mit großem Erfolg, teilweise mit Millionen-Reichweite.
Die Kontrovers-Reportage im Video: "Geheime Gespräche, große Reden - Inside Sicherheitskonferenz"
Internationale Influencer als Gäste auf der Sicherheitskonferenz
Einer von ihnen ist Omar Agamy. Der 26-Jährige aus Kanada bereitet Politik unterhaltsam für seine Social-Media-Kanäle auf. In Anbetracht schwerer politischer Themen ist das nicht immer einfach, sagt er.
"Manche Themen sind einfach schwierig: Krieg oder Völkermorde. Natürlich kann ich das nicht auf unterhaltsame Weise präsentieren aber zumindest in meinem eigenen Stil." Omar Agamy, Politik-Influencer
Tausende sehen seine Videos, Hunderte setzen sich in den Kommentarspalten damit auseinander. Agamy erreicht eine Zielgruppe, von der auch die Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) profitieren will: Denn vielen jungen Menschen ist die Sicherheitskonferenz und ihre Bedeutung kein Begriff. Das MSC-Youtube-Studio und die geladenen Politik-Influencer sollen dem entgegenwirken.
Münchner Sicherheitskonferenz will junge Menschen erreichen
Die Relevanz der Jungen hat auch die Politik erkannt. So lassen sich zum Beispiel auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) oder auch der Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) blicken und von den Politik-Influencern mit den Fragen und Themen aus deren Communities konfrontieren.
Eine, die Kompliziertes in Sachen Politik regelmäßig im Netz aufbereitet, ist die deutsche Autorin und Politikwissenschaftlerin Nina Poppel. Sie teilt einige Eindrücke und Gespräche des Wochenendes unter anderem auf ihrem Instagram-Kanal "nini_erklärt_politik", die vollständigen Videos strahlt die Münchner Sicherheitskonferenz selbst aus.
Vizekanzler Lars Klingbeil (SPD) etwa muss sich dort der Frage stellen, was die Bundesregierung für junge Menschen in Deutschland macht. Und die stellvertretende Nato-Generalsekretärin Radmila Šekerinska erzählt Poppel, wie sie es schafft, trotz vieler internationaler Herausforderungen zuversichtlich zu bleiben.
Mikrofon und Kamera vs. Hinterzimmer
Dagegen finden die inhaltlich wichtigsten Gespräche der Münchner Sicherheitskonferenz abseits großer Bühnen und aller Mikrofone statt: In den sogenannten "Bilats".
Das Ziel: bilaterale – also zweiseitige Gespräche zwischen verschiedenen, manchmal auch gegnerischen Nationen. Was hier besprochen wird, hat viel Bedeutung – und bleibt in der Regel diplomatisch geheim. 25 Minuten dauern diese "Bilats" in der Regel.
Das Team des Hotels hat anschließend fünf Minuten Zeit, um den Raum aufzuräumen und für das nächste Treffen vorzubereiten: Normale Hotelzimmer mit Bad und WC werden zu weltpolitischen Konferenzräumen. Die Zeit-Slots hier sind schon Wochen vorher restlos ausgebucht.
Die Sicherheitskonferenz: Eine geschlossene Politikgesellschaft öffnet sich für Influencer und neue Zielgruppen. Und doch bleibt vieles auf der Konferenz der Öffentlichkeit verborgen.
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