Mbocayaty del Guairá, Paraguay: In diesem unscheinbaren Dorf mitten in Paraguay endet nach zwei Jahren die Suche nach Gerhard H. - einem schwäbischen Mediziner, der sich ins Ausland abgesetzt hatte, mutmaßlich um einem umfangreichen Gerichtsprozess zu entgehen.
Der Wemdinger Impfskandal hatte bundesweit Schlagzeilen gemacht: Laut Anklage wird ihm unter anderem vorsätzliche Körperverletzung und Betrug vorgeworfen. Jetzt wurde der Angeschuldigte festgesetzt - dafür haben Interpol, das bayerische LKA und die Polizei in Paraguay zusammengearbeitet.
Internationale Zusammenarbeit führte zur Festnahme
Für den Fall zuständig ist die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg, deren Fachgebiet: Betrug im Gesundheitswesen. Laut ihren Angaben waren Fahnder des bayerischen Landeskriminalamtes (LKA) in den vergangenen Monaten intensiv mit der Suche nach Gerhard H. beschäftigt. Mit der Polizei in Südamerika hätten sie schon früh in Kontakt gestanden, da es wohl Hinweise gab, dass sich der Gesuchte in Paraguay aufhält. Nähere Details nennt die Staatsanwaltschaft allerdings nicht.
Medienbericht: Gerhard H. lebte unter falschem Namen
Das deutschsprachige Wochenblatt aus Paraguay berichtete über die Festnahme. Anwohner haben demnach geschildert, dass Gerhard H. unter falschem Namen in Paraguay gelebt habe und auch als Arzt praktiziert haben soll. Das hat die Generalstaatsanwaltschaft Nürnberg bislang nicht bestätigt.
Paraguay galt in der Corona-Zeit als bevorzugtes Ziel von Impfgegnern und Auswanderern, die die Existenz einer Pandemie abgestritten hatten. In dem südamerikanischen Land gibt es ohnehin eine größere Gemeinschaft deutscher Auswanderer.
Scheinimpfung wider Willen, gefälschte Atteste
In Deutschland hatte dem Mediziner ein langwieriges Verfahren gedroht: Unter anderem soll er bei über 170 Patienten nur vorgegeben haben, eine Corona-Impfung zu verabreichen - tatsächlich hatten die Betroffenen im Anschluss keinen Impfschutz. Außerdem ist er unter anderem wegen vorsätzlicher Körperverletzung angeklagt. Zusätzlich wird dem Mann vorgeworfen, Impfgegnern falsche Bescheinigungen ausgestellt zu haben.
Wemdinger verfolgen Berichte über Festnahme
In Wemding, wo der Angeklagte viele Jahrzehnte als Hausarzt praktiziert hatte, können sich viele Menschen noch gut an den Impfskandal erinnern. "Wenn er betrogen hat und das nicht in Ordnung war, dann darf er auch dafür büßen", findet eine Anwohnerin.
Doch manche sind auch zurückhaltender: Entweder, weil sie selbst die Corona-Impfung kritisch sehen oder auch, weil er jahrzehntelang ihr Hausarzt gewesen sei und sie sich offenbar gut aufgehoben fühlten.
Behörden verhandeln die Auslieferung
Gerhard H. befindet sich nach Angaben der Polizei in Paraguay in der Hauptstadt Asunción in Untersuchungshaft. Wie es jetzt für ihn weitergeht, hängt davon ab, ob es zur Auslieferung kommt. Das müssen die Behörden in Deutschland und Paraguay jetzt klären. Grundsätzlich liefere Paraguay an Deutschland aus, heißt es vom Bundesamt für Justiz. Der Anwalt des Angeklagten, David Mühlberger, wollte sich auf Anfrage des BR vorerst nicht zu den Berichten über eine Festnahme seines Mandanten äußern.
Mit Material von dpa
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