Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Katharina Dröge (Grüne) bei "jetzt red i"
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Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge diskutierten über die Energiewende.
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Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) und Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Dröge diskutierten über die Energiewende.

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Grünen-Politikerin Dröge macht Bayern Druck bei Öko-Energie

Grünen-Politikerin Dröge macht Bayern Druck bei Öko-Energie

60 Prozent des deutschen Stroms kommt aus erneuerbaren Energien. Doch deren Ausbau war schneller als der des Stromnetzes. Bei "jetzt red i" diskutierten Wirtschaftsminister Aiwanger und Grünen-Fraktionsvorsitzende Dröge mit Bürgern über Auswege.

Über dieses Thema berichtet: jetzt red i am .

Josef Gold aus dem Landkreis Straubing-Bogen setzt seit 1993 auf erneuerbare Energien. Damals installierte er die erste Bürgersolaranlage im ganzen Landkreis. Mittlerweile beschäftigt sein Unternehmen 50 Mitarbeiter, die Wind- und Solarparks bauen. Bei "jetzt red i" live aus dem niederbayerischen Atting kritisierte Gold die bayerische Politik: "Herr Aiwanger möchte die Klimaneutralität verschieben, am besten auf 2050." Die Energiewende drohe am Netz- und Speicherausbau, aber auch an klaren Rahmenbedingungen zu scheitern, kritisierte der Unternehmer.

Hubert Aiwanger (Freie Wähler) antwortete prompt: "Es ist ja schön, wenn der, der Photovoltaikanlagen verkauft, daran Geld verdient. Man muss aber auch die andere Seite sehen: Die Automobilindustrie, die Chemieindustrie, die konkurrieren mit anderen Standorten in der Welt." In China oder Amerika seien die Energiepreise deutlich niedriger, weshalb die Gefahr bestehe, dass hiesige Unternehmen dorthin abwandern könnten.

Bäckermeister aus Straubing: "Energiekosten in zehn Jahren um 55 Prozent gestiegen"

Auch Bäckermeister Johann Kroul aus Straubing leidet unter den Energiepreisen. Sein Handwerksbetrieb mit 35 Mitarbeitern und drei Filialen verbraucht rund 500.000 Kilowattstunden Strom im Jahr. "Nachts laufen meine Öfen, tagsüber brauche ich es für meine Kühlung." In den vergangenen zehn Jahren hätten sich die Energiekosten um 55 Prozent erhöht. Seine Frage an die anwesenden Politiker: "Wie wollen Sie einem mittelständischen Unternehmen helfen, aus dieser Misere rauszukommen?"

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Katharina Dröge, gab Bäckermeister Kroul recht: "Wir müssen da was tun." Die Politik müsse die staatlichen Strompreisbestandteile reduzieren. "Das wäre eine ganz wichtige Maßnahme." Bäckermeister Kroul entgegnete direkt, dass er durch eine Abschreibung jährlich 2.500 Euro zurückbekomme – "ein Tropfen auf den heißen Stein". Daraufhin wiederholte Dröge ihre Forderung, Abgaben und Umlagen zu senken. Außerdem verwies sie auf die Maßnahmen der Ampel-Regierung, um Strom- und Gaspreise zu reduzieren.

Diskussion um Reformpläne von Wirtschaftsministerin Reiche (CDU)

Ein weiteres Thema der Sendung waren die Reformpläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Konkret geht es um einen Entwurf des Bundeswirtschaftsministeriums, wonach sich die Betreiber von Photovoltaik-Anlagen oder Windrädern an den Kosten des Stromnetzausbaus beteiligen sollen. Außerdem sollen die Betreiber neuer Anlagen teilweise nicht mehr entschädigt werden, wenn sie bei zu hoher Stromproduktion abgeschaltet werden müssen.

Katharina Dröge, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, bei "jetzt red i"
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Katharina Dröge, Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, kritisierte bei "jetzt red i" die Reformpläne von Wirtschaftsministerin Reiche

Grünen-Fraktionsvorsitzende Dröge sagte dazu: "Es wäre auch im Interesse Bayerns, wenn sich eine bayerische Landesregierung dafür einsetzt, dass diese Pläne so nicht kommen." Die erneuerbaren Energien seien eine Erfolgsgeschichte, appellierte Dröge. "Sie drohen zum Erliegen zu kommen. Das müssen wir verhindern." Im vergangenen Sommer mussten in Bayern viele Photovoltaik-Anlagen vom Netz abgeriegelt werden, weil das Netz die hohen Strommengen nicht aufnehmen konnte.

Wirtschaftsminister Aiwanger will Pumpspeicher-Kraftwerke schneller ausbauen

Bayerns Wirtschaftsminister Aiwanger forderte daher den Ausbau von Pumpspeicherkraftwerken. "Wir müssen jetzt die Speicher ausbauen, damit die weitere Einspeisung überhaupt Sinn macht", sagte Aiwanger. Idealerweise brauche man zusätzlich große Industriebetriebe, die hohe Strommengen direkt von den Anlagen abnehmen.

Berufsschülerin fordert Maßnahmen zum Klimaschutz

Bei "jetzt red i" ging es auch um die bereits sichtbaren Folgen des Klimawandels in Bayern. Berufsschülerin Maria Kandler wandte sich an Aiwanger als Aufsichtsratsvorsitzenden der Bayerischen Staatsforsten: "Ich komme aus dem Bayerischen Wald. Der zeigt bereits Klimaschäden. Vor unserer Haustür ist der Klimawandel." Es brauche konkrete Fakten und Maßnahmen, forderte die Schülersprecherin: "Wie soll die Zukunft für uns junge Leute überhaupt gestaltbar werden?"

Hubert Aiwanger bei "jetzt red i" live aus Atting am 18.2.26
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"Mir vorzuwerfen, ich würde da nichts tun, ist schlichtweg falsch“, entgegnete Aiwanger auf die Kritik, er tue nicht genug für den Klimaschutz.

Aiwanger wies die Kritik von sich, nicht genug für den Klimaschutz zu tun. In den Bayerischen Staatsforsten gebe es derzeit 110 Windräder, weitere 500 seien in Planung. Bayernweit habe man schon 1.170 Windräder, weitere 1.000 Genehmigungsanträge seien gestellt. "Mir vorzuwerfen, ich würde da nichts tun, ist schlichtweg falsch", entgegnete Aiwanger.

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