Dinkelsbühl soll bunter werden, offen für soziale und queere Themen. Das ist das Ziel von Yasmin Hübel. Als frisch gewählte Stadträt*in sollen Menschen eine Stimme bekommen, die dort bisher keine haben: "Ich finde, das hat bisher in der Stadtpolitik gefehlt", sagt Hübel.
Zum ersten Mal linke Liste
Bei der diesjährigen Kommunalwahl traten die Linken zum ersten Mal in Dinkelsbühl an. Nominiert wurden zehn Personen, Spitzenkandidat*in war Yasmin Hübel. Die Rückmeldungen im Wahlkampf auf der Straße waren dabei recht positiv, berichtet Yasmin. Auch bestehende Fraktionen anderer Parteien im Stadtrat hätten die Kandidatur der jungen Gruppe gut aufgenommen.
Hasskampagne auf Social Media
Anders als im Netz: Als Yasmin Hübels Kandidatur als Spitzenkandidat*in auf Social Media Ende Januar veröffentlicht wurde, begann eine Hasskampagne – unter anderem von Rechts motiviert. Gepostet wurden Schmähkommentare und teils auch KI-generierte Videos. Yasmin Hübel ist weiblich gelesen, aber non-binär, trägt in dem Post ein Regenbogenshirt, das schien zu triggern.
Erfolg hatte diese Kampagne nicht, freut sich die frisch gewählte Stadträt*in. Yasmin zeigte die entsprechenden Postings und Kommentare auch an, gesteht aber: "Ich hatte danach noch einmal ziemlich Angst, dass es nochmal aufflammt." Das blieb jedoch aus.
CSU nimmt linke Stadträt*in gut auf
Der Dinkelsbühler Stadtrat hat 25 Sitze. Die stärkste Fraktion ist die CSU, die auch den Oberbürgermeister stellt. Nun gibt es erstmals auch einen Sitz für die Linken. Für Oberbürgermeister Christoph Hammer, der aktuell seine fünfte Amtszeit bestreitet, eine Art frischer Wind: "Also sagen wir mal so, ich hätte es als CSU-Mitglied nicht unbedingt gebraucht, dass die Linken im Stadtrat aufschlagen", schmunzelt Hammer.
Er empfindet die Zusammenarbeit mit Yasmin Hübel als erste linke und auch queere Person im Stadtrat aber positiv. Man sei hier in Dinkelsbühl und kenne sich, Parteikämpfe wie auf Bundesebene gebe es hier nicht. So hat das neue Stadtratsmitglied sogar einen Sitz im Rechnungsprüfungsausschuss bekommen.
Erster Antrag: Regenbogenflagge an Heimatfesten
Yasmin Hübels Ziel, Dinkelsbühl bunter zu machen, soll direkt mit dem ersten Antrag der Linken umgesetzt werden: Zum Idahobit, dem internationalen Tag gegen Queer- und Transfeindlichkeit, zum CSD Dinkelsbühl, der aktuell erstmals geplant wird, zur Kinderzeche und zum Heimattag der Siebenbürger Sachsen soll in Dinkelsbühl die Regenbogenfahne hängen.
Direkt durch geht dieser Antrag bei der dritten Sitzung des Stadtrates nicht. Aber Yasmin erreicht ein Teilziel: Die Regenbogenfahne darf gehisst werden – doch es soll noch erarbeitet werden, ob sie wirklich an den Heimatfesten hängen darf.
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