Ministerpräsident Söder und Bundesinnenminister Dobrindt bei einer Übung des BRK. Der Einsatz stellt einen Massenanfall von Verletzten nach.
Ministerpräsident Söder und Bundesinnenminister Dobrindt bei einer Übung des BRK. Der Einsatz stellt einen Massenanfall von Verletzten nach.
Bild
Markus Söder verfolgt eine BRK-Großübung
Bildrechte: picture alliance/dpa | Peter Kneffel
Schlagwörter
Bildrechte: picture alliance/dpa | Peter Kneffel
Audiobeitrag

Markus Söder verfolgt eine BRK-Großübung

Audiobeitrag
>

Lösung gesucht: Unterschiedliche Rechte für Feuerwehr und BRK

Lösung gesucht: Unterschiedliche Rechte für Feuerwehr und BRK

Ehrenamtliche Helfer bei der Feuerwehr oder dem BRK haben unterschiedliche Rechte. Eine Katastrophenübung an der Münchner Allianz Arena sollte der Politik eindrücklich zeigen, dass das ungerecht ist. Ministerpräsident Söder verspricht eine Lösung.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Etwa 20 Menschen liegen auf dem Boden, einige scheinen schwer verletzt zu sein. Ein kleiner Bus ist in eine Menschenmenge gefahren. Ein unbekannter giftiger Stoff ist dabei freigesetzt worden. Rettungskräfte sind auf dem Weg. Ein Hubschrauber kreist in der Luft. Noch gibt es keine genaue Übersicht, was auf dem Gelände der Allianz Arena in München genau passiert sein könnte. Klar ist nur, das wird ein Großeinsatz.

Es ist zum Glück nur eine Übung des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK). Sie soll der Politik verdeutlichen: Ehrenamtliche Helfer sind in Bayern nicht gleichgestellt.

Minusstunden und Urlaubstage für die Großübung

Julia Sicklinger vom BRK Pasing ist am Montagabend bei dieser Übung dabei. Sie ist gelernte Apothekerin und soll bei der Erstversorgung der Verletzten helfen. Für den Einsatz musste sie bei ihrem Arbeitgeber eine Erlaubnis einholen. Die Übung begann um 15.30 Uhr, also noch während ihrer regulären Arbeitszeit. Jetzt steht sie am Patienten – und auf ihrem Arbeitszeitkonto laufen Minusstunden ein. Für eine Übung wie diese wird die ehrenamtliche Helferin nicht mit Lohnfortzahlung freigestellt.

Bei Sigi Wutz ist das genauso. Er ist für die "Schnell-Einsatz-Gruppe Behandlung" da, um Verletzte zu behandeln, bis sie abtransportiert werden können. Für die Übung musste er mittags von der Arbeit weg. Sein Arbeitgeber habe zwar Verständnis für seine ehrenamtliche Tätigkeit, sagt er. Dennoch seien schon einige Urlaubstage für sein Engagement angefallen.

BRK will Gleichstellung mit Ehrenamtlichen von Feuerwehr und THW

Das Bayerische Rote Kreuz will mit dieser Übung auf ein Problem aufmerksam machen. Denn Helfer beim Technischen Hilfswerk, bei der Feuerwehr oder eben beim BRK werden bei solchen Übungen nicht gleichbehandelt. Genau das will BRK-Präsident Hans Michael Weisky aber erreichen: "Helfergleichstellung bedeutet, dass wir genauso wie die Feuerwehr-Kameraden und das THW auch für Übungen wie heute freigestellt werden und dass die Helfer nicht Urlaub nehmen müssen." Wenn wirklich eine Katastrophe passiert, gilt die Helfergleichstellung bereits, bei Übungen wie diesen an der Allianz Arena jedoch nicht.

Seine Forderung richtet Weisky direkt an die erste Reihe der Politik, die eine solche Änderung durchsetzen könnte. Neben ihm auf der Tribüne stehen Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, Bundesinnenminister Alexander Dobrindt, die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesinnenministerium Daniela Ludwig, Bayerns Innenminister Joachim Herrmann und Justizminister Georg Eisenreich (alle CSU), der Schirmherr der BRK-Bereitschaften ist.

Söder und Dobrindt versprechen Lösung

Söder und Dobrindt betonen in ihren kurzen Reden, wie wichtig das Ehrenamt sei und dass Zivilschutz ohne Helfer wie die des BRK nicht möglich wäre. "Ein Schulterklopfen ist schnell gemacht", sagt Söder, doch "das wird nicht reichen". Er werde sich "größtmöglich" für einen Ausgleich im Ehrenamt einsetzen, verspricht Söder. Dafür müsse man aber auch mit der Wirtschaft sprechen, schließlich müssten die Firmen, die die Helfer freistellen müssen, auch mitmachen, so der CSU-Chef.

Auch Bundesinnenminister Dobrindt spricht sich für gleiche Rechte für alle Helfer aus. Die Rechte von Ehrenamtlichen werden von den Ländern geregelt, auch Katastrophenschutz ist Länderaufgabe. Der Bund ist für den Zivilschutz zuständig.

Helfergleichstellung war bereits Thema im Landtag

Ebenfalls auf der Tribüne steht der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen-Fraktion im Landtag, Andreas Hanna-Krahl. Der gelernte Krankenpfleger engagiert sich ehrenamtlich beim BRK und trägt heute seine Einsatzkleidung. Als Abgeordneter verfolgt er die Statements der CSU-Politiker genau.

Denn seine Fraktion hat bereits 2024 einen Gesetzentwurf zu genau diesem Thema eingebracht. Er wurde von CSU und Freien Wählern abgelehnt. Eine Helfergleichstellung sei für ihn "längst überfällig", betont Hanna-Krahl. Die Einsatzkräfte von BRK, Johanniter und Malteser stünden "Seit' an Seit'" mit den Kollegen von Feuerwehr und THW. Eine Gesetzesänderung müsse besser morgen als übermorgen kommen.

Zum Video: Bayerisches Rotes Kreuz probt den Ernstfall

Bayerisches Rotes Kreuz probt den Ernstfall
Bildrechte: BR
Videobeitrag

Bayerisches Rotes Kreuz probt den Ernstfall

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!