"Vorwärts, fertig, ab", befiehlt ein Ausbilder. Ein Soldat macht einen Schritt nach vorn, tritt von einer Art Empore ins Leere. Gleich darauf wird er von Leinen, die an einem Gurt an seinem Körper befestigt sind, aufgefangen. Auf einer Weichbodenmatte rollt er sich rund drei Meter tiefer ab: Trockentraining bei den Fallschirmjägern. Es soll Schritt für Schritt vorbereiten auf den echten Sprung aus dem Flugzeug. Dass die Presse zusehen darf, in einer Halle in der Schule der Fallschirmjägertruppe in Altenstadt, hat einen Grund: Heeresinspekteur Christian Freuding ist zu Gast am "Mutterhaus der Luftlandetruppe".
Heereschef will Führungsriege ins Boot holen
Als der Chef des deutschen Heeres vor die Kameras tritt, ist in seinem Gesicht noch der Abdruck einer Schutzbrille zu sehen. Kurz zuvor ist er hoch über Altenstadt selbst aus einer Maschine gesprungen – im Tandem mit einem erfahrenen Fallschirmjäger. Für den Generalleutnant gewissermaßen der symbolische Abschluss eines Tages, der mit einer klaren Ansage an die Führungsriege der Fallschirmjägertruppe begonnen hatte. Ihr stellte er seinen "Aktionsplan Luftlandetruppe" vor, wollte sie ins Boot holen. Großes Ziel: Die "Führungskultur" ändern.
Die Heeresführung reagiert damit auf den Skandal von Zweibrücken (externer Link). Im dort stationierten Fallschirmjägerregiment 26 kam es zu sexuellen Übergriffen, rechten Vorfällen sowie zu Drogenmissbrauch.
Dienstaufsicht soll gestärkt werden
Der Aktionsplan listet nun auf 18 Seiten auf, was alles anders werden soll. Die Dienstaufsicht zum Beispiel. Das heißt: Mehr Kontrolle in den Fallschirmjägerverbänden. Die Rede ist auch von deutlich mehr Bildungs- und Ausbildungsangeboten für Führungspersonal. Das soll Fehlverhalten früher erkennen und die Truppe sensibilisieren für Werte, die eigentlich selbstverständlich sein sollten in der Bundeswehr. Prävention lautet das Stichwort.
Häufigere Versetzungen stehen auch an – das soll für mehr Austausch sorgen. Ebenfalls geplant: Vertrauenspersonen für Frauen stärken. Für sexualisiertes Fehlverhalten gebe es "null Toleranz in der Bundeswehr", sagte Freuding. "Soldatinnen sind Teil der militärischen Gemeinschaft und voll akzeptiert. Wir tun alles, um sie vor Übergriffen zu schützen". In Zweibrücken hatten Soldatinnen allerdings das genaue Gegenteil berichtet.
Ermittlungen zu Vorfällen laufen
Im Fall des Fallschirmjägerregiments wird gegen 55 Beschuldigte ermittelt. In 19 Fällen wurde die Entlassung aus der Bundeswehr eingeleitet. Heereschef Freuding sieht keine systemischen Ursachen, wie er in Altenstadt betonte. Es handle sich um "individuelle Verfehlungen, die auch individuell geahndet werden". Einen Imageschaden für die gesamte Truppe fürchtet Freuding demnach nicht. Jeder einzelne Vorfall sei aber auch für ihn persönlich schmerzlich. "Mit dem Heer, das ich will, hat all das nichts zu tun", wurde der Generalleutnant deutlich.
Zum Hören: Der neue Aktionsplan für die Luftlandetruppe
Training in Altenstadt: Hier werden alle Fallschirmjäger der Bundeswehr ausgebildet.
Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.
"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

