Auf der Theresienwiese scheint alles seinen gewohnten Gang zu gehen. Knapp zweieinhalb Monate vor Beginn der Wiesn ist das weltgrößte Volksfest im Aufbau begriffen. Doch wie nun bekannt wurde, wird eines der Festzelte nun doch nicht aufgebaut.
Wiesn-Aufbau nimmt Fahrt auf
Schon von weitem erkennt man an der Wirtsbudenstraße die ersten Rohbauten der Festhallen. Wie riesige Dinosaurierskelette ragen sie in die Höhe. Wo später einmal Tausende feierwillige Biertrinker ihre Krüge zum "Prosit der Gemütlichkeit" anheben werden, flitzen derzeit rote Gabelstapler zwischen den tragenden Holzbalken hindurch, begleitet vom monotonen Summen diverser Hebebühnen.
"Münchner Stubn" bleibt im Lager
Im ersten Bauabschnitt auf einer der größten temporären Baustellen Europas läuft derzeit alles nach Plan – so wirkt es jedenfalls. Wenn die großen Festhallen erst einmal stehen, werden direkt daneben die kleinen und mittleren Wiesnzelte errichtet. Auch neben dem Löwenbräu-Festzelt sollte eigentlich ein kleines Festzelt aufgebaut werden: die "Münchner Stubn". Doch wie am Wochenende bekannt wurde, bleibt das Zelt dieses Jahr im Lager.
Vertrag nicht unterschrieben
Das mit 440 Sitzplätzen ausgestattete Zelt wird seit 2024 von Kathrin Wickenhäuser-Egger und Alexander Egger auf dem Oktoberfest betrieben. Auch in diesem Jahr hätte das Wirtsehepaar für seine "Münchner Stubn" wieder den Zuschlag von der Stadt erhalten. Dafür hätte Egger aber den unterschriebenen Vertrag bis vergangenen Freitag an die Stadt zurückschicken müssen – was er laut "Münchner Merkur" und "tz" [externer Link] aber nicht getan hat.
Was genau der Grund für den überraschenden Rückzug ist, darüber schweigt sich Alexander Egger aus. Eine entsprechende BR-Anfrage ließ der Wirt unbeantwortet.
Keine Bewerbung vom Giesinger Bräu
Derzeit ist noch unklar, was mit der Fläche neben dem Löwenbräu-Zelt geschehen wird. Bewerbungsschluss für die Wiesn war der 31. Dezember 2025. Spekulationen, wonach ein nachrückender Wirt bereits feststeht, will das für die Wiesn zuständige Wirtschaftsreferat (RAW) nicht bestätigen. Dort heißt es, man werde zeitnah entscheiden, wie die freigewordene Fläche dieses Jahr stattdessen genutzt werden soll.
Um Spekulationen entgegenzutreten, dass nun das Giesinger Bräu auf die Schnelle zum Zug kommen werde, heißt es aus dem RAW, dass es von Seiten der Brauerei keine Bewerbung für das diesjährige Oktoberfest gebe.
Vergabestreit um große Zelte beschäftigt Gericht
Der überraschende Rückzug der "Münchner Stubn" ist eine weitere Wendung im diesjährigen Vergabestreit rund um das Münchner Oktoberfest. Beim Bayerischen Obersten Landesgericht wird derzeit über eine Beschwerde Eggers verhandelt. Darin fordert der Gastronom, dass die Standplätze der großen Oktoberfestzelte – anders als bisher – EU-weit ausgeschrieben werden müssen. Geklagt hatte Egger am Beispiel der Festhalle Schottenhamel und des Paulaner-Festzelts. Den Standplatz der Festhalle Schottenhamel vergibt die Stadt nach einer Ausschreibung. Den Standplatz des Paulaner-Festzelts vergibt die Brauerei.
Schottenhamel und Paulaner dürfen trotzdem aufbauen
Neben seiner Klage hatte Egger zudem gefordert, dass beide Zelte bis zu einer endgültigen Klärung nicht aufgebaut werden dürfen. Das hat das Bayerische Oberste Landesgericht aber vor kurzem per Eilentscheidung abgelehnt.
Ungeachtet dessen geht der Aufbau des größten Volksfestes der Welt weiter. Sowohl der Turm als auch der Rohbau des Paulaner-Festzelts stehen bereits. In den nächsten Tagen soll auch mit dem Aufbau der Festhalle Schottenhamel begonnen werden.
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