Archivbild: Zahlreiche Besucher gehen am 05.10.2025 am frühen Morgen kurz nach der Eröffnung durch das Tor vom Haupteingang auf das 190. Oktoberfest auf der Theresienwiese in München.
Archivbild: Zahlreiche Besucher gehen am 05.10.2025 am frühen Morgen kurz nach der Eröffnung durch das Tor vom Haupteingang auf das 190. Oktoberfest auf der Theresienwiese in München.
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Haupteingang zum 190. Oktoberfest in München. (Symbolbild)
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Nervenprobe für Wirte: Warten auf Wiesnzelt-Entscheidung

Nervenprobe für Wirte: Warten auf Wiesnzelt-Entscheidung

Die Spannung steigt: Wie entscheidet das Bayerische Oberste Landesgericht im Streit um die Wiesnzelte? Zwei Wirte wissen wegen dieses Rechtsstreits noch nicht, ob sie dabei sein dürfen. Dabei muss der Aufbau bald starten.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus Oberbayern am .

Gut drei Monate vor dem Anzapfen beim Münchner Oktoberfest läuft noch immer ein juristischer Streit um die Standplätze von zwei Wiesnzelten. Die Stadt kann einstweilen die Verträge für das Paulaner-Festzelt und die Schottenhamel-Festhalle nicht unterschreiben. Ungeachtet dessen müssen die Wirte alle Vorbereitungen für das größte Volksfest der Welt weiterlaufen lassen – eine Nervenprobe.

Schlechter Schlaf und Unsicherheit

"Man schläft schon ein bisschen unruhig", räumt Christian Schottenhamel im Gespräch mit BR24 ein. "Dieses Gefühl der Unsicherheit ist wirklich was Fürchterliches – ich würde es keinem Menschen wünschen, so etwas durchzumachen, wenn sein Lebenswerk irgendwo in Gefahr ist." Die Familie ist seit mehr als 180 Jahren auf dem Oktoberfest. Seit 1950 wird in ihrem Zelt angezapft. "Es ist für uns alle unvorstellbar, dass es vielleicht mal eine Wiesn ohne Schottenhamel geben würde", sagt der Wirt.

Konkurrent will EU-weite Ausschreibung

Alles hängt nun vom Bayerischen Obersten Landesgericht ab. Dieses hat der Gastronom Alexander Egger eingeschaltet, der mit seiner Frau auf der Wiesn das kleine "Münchner Stubn"-Zelt betreibt und sich bislang erfolglos um ein größeres Zelt beworben hat. Nun stellt er die bisherige Praxis bei der Zeltvergabe grundsätzlich in Frage und fordert – am Beispiel der Zelte von Schottenhamel und Paulaner – eine EU-weite Ausschreibung der Zelt-Standplätze. Bei der Vergabekammer Südbayern war er damit gescheitert, deshalb hat er Beschwerde beim Bayerischen Obersten Landesgericht eingereicht.

Er wolle, dass die Stadt die Plätze künftig nach transparenten und objektiven Kriterien vergebe, hatte er in der Vergangenheit mitgeteilt. Dafür werde man alle rechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen. Aktuell will er sich zu der Angelegenheit nicht mehr öffentlich äußern, wie eine Sprecherin auf BR24-Anfrage am Mittwochmorgen mitteilte.

Wirte fürchten "Riesen-Schaden" für die Wiesn

Würden die Zelte tatsächlich nach europäischem Vergaberecht ausgeschrieben, würden Eggers Chancen nach Ansicht anderer Wirte aber nicht unbedingt steigen. Er hätte noch mehr Konkurrenz von Betreibern großer Zelte, die dafür mehr Erfahrung vorweisen könnten als er, heißt es. "Er hat nichts davon, richtet aber einen Riesen-Schaden an", sagt Wiesnwirte-Sprecher Peter Inselkammer: "Sich reinzuklagen, ist keine bayerische Art. Die Wiesn ist ein Gemeinschaftsprojekt."

Gerichtsentscheidung noch diese Woche

Die Hauptsache-Entscheidung beim Bayerischen Obersten Landesgericht, ob nach EU-Recht ausgeschrieben werden muss, steht noch nicht unmittelbar bevor. Per Eilantrag will Egger aber auch erreichen, dass die beiden betroffenen Wirte die Zulassung einstweilen nicht bekommen dürfen – und darüber will das Gericht spätestens bis zum Freitag entscheiden.

Schottenhamel und die Paulaner-Brauerei mit ihrem Wirt Lorenz Stiftl hoffen weiter, dass Egger mit seinem Eilantrag scheitert. Denn Ende Juni/Anfang Juli startet der Aufbau der großen Wiesnzelte. Solange keine rechtskräftige Entscheidung vorliege, könne man aber nicht anfangen, heißt es bei der Paulaner-Brauerei. Die Arbeiten seien äußerst komplex und erforderten erheblichen Zeitaufwand. Es bestehe das Risiko, dass die Zelte nicht mehr rechtzeitig aufgebaut werden könnten.

Kioske statt Zelte beim Oktoberfest?

"Wenn wir nicht rechtzeitig aufstellen können, dann stellen wir gar nicht auf", sagt auch Michael F. Schottenhamel, der das Familienzelt mit seinem Cousin Christian gemeinsam betreibt: "Und dann steht auf dieser Fläche kein Zelt, sondern vielleicht drei Kioske." Die Vorbereitungen für einen regulären Zeltbetrieb laufen freilich weiter. Das betrifft die Verträge mit Lieferanten und der Security ebenso wie etwa die Regelung der Müllabfuhr und unzählige weitere Details: "Das sind viele kleine Rädchen", betont Christian Schottenhamel.

Zelte "schlummern noch" in Dasing

Ineinander greifen müssen aber auch die Zeitpläne der Handwerker. Alles sei abgestimmt, und da sei wenig Spielraum für Änderungen, erklärt Zeltbauer Ulli Pletschacher. In seiner Halle in Dasing ist das Schottenhamel-Zelt – wie auch das von Paulaner – gelagert. "Es schlummert noch", sagt Pletschacher: "Ich hoffe, dass es Ende der Woche aufgeweckt wird."

In einem anderen Rechtsstreit geht Egger auch gegen die Vergabe des Volkssängerzelts auf der "Oidn Wiesn" vor, für das er sich auch vergeblich beworben hatte. Über den entsprechenden Eilantrag hat das Verwaltungsgericht München ebenfalls noch nicht entschieden.

Mit Informationen von dpa

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