Es ist ein Uhr nachts, als am 10. April das Handy vom Mitbetreiber des israelischen Restaurants "Eclipse" klingelt. Noch gut kann sich Grigori Dratva an diesen Moment erinnern. Er macht sich sofort auf den Weg in sein Restaurant. Schaut sich dabei auf dem Handy an, was die Überwachungskamera dort aufgezeichnet hat. "Als ich dann auf diesem Video die Explosion gesehen und gehört habe, dann wurde das Gefühl schon eher mulmiger."
Der Gefahr war sich Dratva immer bewusst. Auch deswegen hatte er die Videokamera aufgehängt. Die Aufnahmen zeigen in der Tatnacht mehrere Explosionen, Glassplitter landen auf den Tischen. Mitten in München wird das Restaurant "Eclipse Grillbar" zum Ziel eines Anschlags.
Bekennervideos zu europaweiter Anschlagsserie
Zu diesem Anschlag laufen derzeit die Ermittlungen. Wenige Tage nach der Tat taucht ein Bekennervideo unter dem Namen Harakat Ashab al-Yamin al-Islamiya, kurz "HAYI" auf. Der Name heißt soviel wie die "Islamische Bewegung der Gefährten der Rechtgeleiteten". Das unter diesem Namen auftretende Netzwerk hat sich in den vergangenen Wochen zu mehreren Angriffen, vor allem auf jüdische oder israelische Ziele in Europa, bekannt.
Europaweite Anschlagsserie
Der erste Anschlag, zu dem ein Bekennervideo von HAYI auftauchte, war am 9. März 2026: Ein Sprengsatz explodiert an der Tür der Synagoge im belgischen Lüttich. Es ist der Auftakt zu einer Serie von Anschlägen in ganz Europa. Nach Lüttich geraten Rotterdam, Amsterdam, Antwerpen, London, Paris und eben München ins Visier.
Recherchen von report München zeigen: Zu all diesen Anschlägen finden sich Bekennervideos der Gruppierung HAYI im Internet. Zum Teil unterlegt mit einem Musikstück – es hat den Titel: "Vorbereitung auf den Krieg" und stammt aus dem Iran.
Wer steckt hinter HAYI?
Die Anschlagsserie auf vor allem jüdische und israelische Ziele beginnt kurz nach dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar: Damals fliegen Israel und die USA die ersten Angriffe auf den Iran. Das Regime in Teheran greift in der Folge Israel und diverse Ziele in den Golfstaaten an.
Wenig später tritt erstmals HAYI in Erscheinung: Auf verschiedenen Social-Media-Kanälen tauchen Bekennervideos auf. Experten vermuten eine pro-iranische Terrororganisation hinter HAYI. Der Terrorismusexperte Hans-Jakob Schindler vom Counter Extremism Project warnt davor, HAYI vorschnell als klassische Terrorgruppe zu beschreiben. Nach seiner Einschätzung könnte der Name eher als "ein narratives Gerüst" für "unterschiedliche Auftragsoperationen" dienen. Gesichert ist das bislang nicht.
Das Bundesamt für Verfassungsschutz warnt davor, dass es eine Ankündigung von HAYI gebe, "sich nunmehr nicht mehr nur auf 'einfache' Angriffe zu beschränken, sondern langfristig auch gefährlichere Tatmittel einzubeziehen." Und tatsächlich, erst vor wenigen Tagen waren in einem jüdisch geprägten Stadtteil von London zwei Männer mit einem Messer attackiert worden. Auch diesen Anschlag reklamierte HAYI über ein Bekennervideo für sich.
Sorge bei Jüdinnen und Juden in ganz Europa
Gady Gronich, Geschäftsführer der Europäischen Rabbinerkonferenz, sieht die Entwicklung mit großer Sorge. Die Organisation vertritt nach eigenen Angaben mehr als 1.000 orthodoxe Rabbiner in Europa. Gronich lebt seit mehr als 30 Jahren in München. Er sagt, viele Jüdinnen und Juden hätten zunehmend Angst, als jüdisch erkannt zu werden, etwa wenn sie eine Kippa tragen oder Hebräisch auf der Straße sprechen.
Gronichs Büro liegt nur wenige Gehminuten von der "Eclipse Grillbar" in der Münchner Maxvorstadt entfernt. Nach dem Anschlag im April gab es Solidarität, aber auch antisemitische Reaktionen im Netz. Für Hinweise zum Anschlag auf das Restaurant "Eclipse" hat die Polizei München eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.
Im Video: Terrorvorwürfe gegen den Iran · Neue Spuren in Deutschland |report München
Antisemitismus in Bayern: Nach dem Anschlag auf das Eclipse in München wächst die Sorge jüdischer Bürger. RIAS-Zahlen zeigen das Ausmaß.
Im Video: Bundesinnenminister Dobrindt - Anschlagsserie - "Stellen fest, dass es an Intensität zunimmt"
Alexander Dobrindt, CSU, Bundesinnenminister
Mehr dazu im ARD-Politikmagazin "report München" am 05.05.2026 um 21.45 Uhr im Ersten.
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