"Ein wahrer Held wird nicht an der Größe seiner Kraft gemessen, sondern an der Kraft seines Herzens." So steht es auf einem schwarzen Gedenkstein mit Portraitbild am Ufer der Mindel im schwäbischen Offingen – dort, wo Denis Root vor über eineinhalb Jahren in das Rettungsboot gestiegen ist, das später kentern würde. Seiner Mutter Nadja Root war wichtig, dass ihr Sohn nicht in Vergessenheit gerät. Lange Zeit musste sie mit der Ungewissheit leben, was mit ihm passiert ist.
DNA-Test bringt Gewissheit
Ein DNA-Test bringt jetzt traurige Gewissheit: Der Feuerwehrmann Denis Root ist tot. Die Rechtsmedizin Ulm hat menschliche Überreste ausgewertet, die vergangene Woche zusammen mit einer Feuerwehrhose entdeckt worden waren. Man fand sie bei Vermessungsarbeiten an einer kleinen Insel in der Donau zwischen Dillingen und Steinheim. Wie die Polizei bekanntgibt, handelt es sich dabei um genetische Spuren von Denis Root.
Root kentert bei Rettungsaktion im Hochwasser
Der damals 22-Jährige war als Feuerwehrmann in einem Boot mit vier anderen Einsatzkräften unterwegs, als es mitten in der Nacht kenterte. Während sich die anderen Insassen an Land retten konnten, blieb Denis Root verschollen. Großangelegte Suchaktionen in den Tagen und Wochen danach brachten kein Ergebnis.
Mehr als acht Monate später wurde bei einer privaten Suchaktion in der Donau bei Lauingen ein Feuerwehrstiefel entdeckt. Ein Gentest der Spuren am Stiefel hatte allerdings gezeigt, dass sie nicht zu Denis Root passten.
Gefundene Feuerwehrhose bringt neue Spur
Die Polizei hatte nach dem kürzlichen Fund der Feuerwehrhose noch einmal eine breitangelegte Suche nach weiteren Spuren und Überresten durchgeführt. Taucher und Polizeiboote mit Sonartechnik sowie Polizisten am Uferbereich durchkämmten eine Fläche von insgesamt 26.000 Quadratmetern. "Das Wasser ist sehr trüb, man sieht nur etwa einen Meter weit. Wir müssen uns hier eher vorwärtstasten", hatte Alexander Markgraf, der Tauchgruppenleiter, erklärt. Trotz mehrstündiger Suche mit rund 30 Einsatzkräften wurden keine weiteren Spuren gefunden.
Psychologe: Abschließen für Angehörige wichtig
"Einerseits denkt man sich, dass er nach der Hochwasserkatastrophe und der langen Zeit wahrscheinlich nicht mehr lebt. Aber als Mama hofft man einfach, dass er vielleicht doch wieder nach Hause kommt", hatte Denis Roots Mutter Nadja noch vor der DNA-Analyse im Interview mit BR24 gesagt.
Für Angehörige ist es wichtig, dass Vermisste gefunden werden. Denn viele können nur so trauern und zumindest ein Stück weit abschließen. "Mit dem Verlust der eigenen Kinder rechnen wir nicht, ganz im Gegensatz zu den eigenen Eltern oder Großeltern. Deshalb ist es oft sehr schwer, damit umzugehen", sagt Benjamin Pross, leitender Psychologe des Bezirkskrankenhauses Augsburg.
Staatsanwaltschaft ermittelt
Nadja Root quält allerdings noch eine andere Frage: "Wäre das Unglück vermeidbar gewesen?" Denn womöglich war Denis im Gegensatz zu anderen Rettungskräften nicht ausreichend gesichert. Die Staatsanwaltschaft Memmingen hat bereits vor Monaten Ermittlungen eingeleitet – wegen des Anfangsverdachts der fahrlässigen Tötung. Sie will klären, wie es zu dem Unfall kommen konnte. "Insbesondere gehen wir der Frage nach, ob der verunglückte Feuerwehrmann eine Schwimmweste trug und welche Verantwortlichkeiten bestanden", so ein Pressesprecher der Staatsanwaltschaft.
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