Außenaufnahme des Würzburger Juweliergeschäfts, das am Rosenmontag 2025 ausgeraubt wurde.
Außenaufnahme des Würzburger Juweliergeschäfts, das am Rosenmontag 2025 ausgeraubt wurde.
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Prozess gegen eine 53-jährige Frau aus Belgien: Sie soll an einem Raubüberfall auf einen Würzburger Juwelier beteiligt gewesen sein.
Bildrechte: Christoph Schneider / BR
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Prozess gegen eine 53-jährige Frau aus Belgien: Sie soll an einem Raubüberfall auf einen Würzburger Juwelier beteiligt gewesen sein.

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Nach Juwelendiebstahl mit Geiselnahme: Prozessbeginn in Würzburg

Nach Juwelendiebstahl mit Geiselnahme: Prozessbeginn in Würzburg

Am Rosenmontag 2025 wurde in Würzburg ein Juwelier ausgeraubt. Die Täter liefen auf der Suche nach dem Ladenschlüssel mehrfach mit Geiseln durch die Stadt und flohen mit millionenteurem Schmuck. Eine Frau steht nun in Würzburg vor Gericht.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

Heute hat am Landgericht Würzburg der Prozess gegen eine 53-jährige Frau aus Belgien begonnen. Die gebürtige Serbin wird von der Staatsanwaltschaft in zwei Fällen der Beihilfe zur räuberischen Erpressung und zum Menschenraub sowie zur gefährlichen Körperverletzung beschuldigt. Die Frau wurde im Mai 2025 in Belgien verhaftet. Die zwei polizeibekannten Hauptverdächtigen sind weiterhin flüchtig. Laut Anklage soll die 53-Jährige unter anderem am Observieren des Juweliers beteiligt gewesen sein.

Faschingsausflug statt Verbrechen?

Die Angeklagte bestreitet, etwas mit dem Verbrechen zu tun zu haben. Über ihren Verteidiger ließ sie verlesen, dass sie zum letztjährigen Rosenmontag einen Faschingsausflug nach Würzburg mit ihrem Geliebten unternommen hätte. Von kriminellen Machenschaften wisse sie nichts. Nach Einschätzung des Richters gebe es dafür aber einfach zu viele Zufälle. Zudem sei es eine "höchst seltene Art, Fasching zu feiern."

Mit zwei Geiseln zu Fuß durch Würzburg

Am Abend des 3. März wurde eine Mitarbeiterin eines Juweliergeschäftes in der Würzburger Innenstadt an ihrer Haustüre von zwei Männern überfallen. Im Zeugenstand gab die Frau an, dass sie gegen den Kopf geschlagen und mit einem Messer und einer Pistole bedroht worden sein soll. Die Täter wollten den Ladenschlüssel, den sie aber nicht hatte.

Sie rief demnach eine Kollegin an, von der sie vermutete, dass sie einen Schlüssel hätte und behauptete, ihren Hausschlüssel im Laden vergessen zu haben. Zu Fuß gingen die beiden vermummten Männer mit der Frau etwa anderthalb Kilometer durch die Würzburger Innenstadt zu ihrer Arbeitskollegin. Laut Aussage des Opfers bedrohte sie einer der Täter dabei permanent mit einer Pistole, die unter der Jacke versteckt war: "Ich durfte nicht nach oben schauen, niemandem in die Augen schauen."

Die Kollegin wurde in ihrer Wohnung mit vorgehaltener Waffe zum Schweigen aufgefordert, "aber ich hätte auch keinen Laut herausgebracht", sagte sie heute vor Gericht.

Dritter Kollege übergibt den Schlüssel

Auch sie hatte nicht den richtigen Schlüssel und so ging es mit zwei Geiseln zu einem dritten Kollegen. Standbilder von Überwachungskameras im Stadtgebiet zeigten heute im Landgericht einzelne Szenen.

Den Kollegen wollen sie für die Schlüsselübergabe etwa einen Kilometer entfernt vor einer Pizzeria im Stadtteil Grombühl treffen. Während sich einer der beiden Männer entfernte, machte sich der andere mit nun zwei Geiseln zu Fuß auf den Weg zum Treffpunkt. An eine Flucht dachte laut Aussage keine der beiden Frauen, da ihnen der Mann glaubhaft versicherte, sechs weitere Komplizen würden sie unbemerkt beobachten.

Die Pizzeria am Treffpunkt hatte geschlossen und so konnte sich der Täter laut Aussage beider Frauen verstecken, während der Arbeitskollege ihnen den Schlüssel aushändigte. Auch er schöpfte keinen Verdacht: Das aufgelöste Verhalten der ersten Geisel hätte er darauf zurückgeführt, dass sie sich zum damaligen Zeitpunkt tatsächlich von ihrem Ex-Mann getrennt hatte. Dass die beiden Frauen zusammen erschienen sind, begründete er mit deren freundschaftlicher Verbundenheit. "Die hatten so viel Glück!", resümierte er heute seine Zeugenaussage.

Schmuck und Luxusuhren im Wert von 1 Mio. Euro erbeutet

Mit dem Schlüssel führte der Täter seine beiden Geiseln dann etwa anderthalb Kilometer zurück zum Juweliergeschäft, sagten beide Frauen vor Gericht aus. Dort öffneten sie die Tür und halfen dem Täter Schmuck und hauptsächlich Uhren im Wert von knapp einer Million Euro in einen Rucksack zu packen. Laut dem Richter dauerte der eigentliche Raub nur sechs Minuten. "Es hat sich angefühlt wie eine Ewigkeit", sagte eine der Frauen heute aus.

Während des Raubes alarmierten sowohl die Sicherheitsfirma als auch der Inhaber des Juweliers die Polizei. Bis zu deren Eintreffen war der Täter aber mit den Frauen bereits in Richtung Marktplatz gegangen und entfernte sich dort.

Vom Schmuck und den beiden flüchtigen Männern fehlt bis heute jede Spur.

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