Der Angeklagte im Cold Case Maria Köhler und seine Verteidigerin sitzen im Gerichtssaal des Landgerichts Aschaffenburg.
Der Angeklagte im Cold Case Maria Köhler und seine Verteidigerin sitzen im Gerichtssaal des Landgerichts Aschaffenburg.
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Am Landgericht Aschaffenburg hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Maria Köhler begonnen. Der Fall liegt 40 Jahre zurück.
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Am Landgericht Aschaffenburg hat der Prozess gegen den mutmaßlichen Mörder von Maria Köhler begonnen. Der Fall liegt 40 Jahre zurück.

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Prozessauftakt im Cold Case Maria Köhler: War es Mord?

Prozessauftakt im Cold Case Maria Köhler: War es Mord?

War es Mord oder Totschlag? Das ist die zentrale Frage im Prozess zum Cold Case Maria Köhler. Der Angeklagte hat gestanden, die Frau vor 40 Jahren getötet zu haben. Die Verteidigung sprach vor dem Landgericht Aschaffenburg von einer Affekthandlung.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

Beschimpfungen, Beleidigungen, vielleicht Ohrfeigen – so schildert die Staatsanwaltschaft die letzten Minuten im Leben der 19-jährigen Maria Köhler. Dann soll ihr früherer Partner zu einem Netzschal gegriffen haben. Mehr als 40 Jahre später sitzt er in Aschaffenburg auf der Anklagebank – und räumt die Tötung seiner Ex-Freundin ein.

Seine Verteidigerin verlas zum Prozessauftakt am Donnerstag eine Erklärung, in der der heute 67-jährige Angeklagte zugab, Maria Köhler in ihrem Zimmer im Schwesternwohnheim erdrosselt zu haben. Die Tat sei im Streit passiert, nachdem sie sich von ihm getrennt habe. Er sei damals "sehr verletzt", aber nicht übermäßig eifersüchtig gewesen, ließ er ausrichten.

Angeklagter bestreitet Mordmotiv

Gleichzeitig bestreitet der Angeklagte zentrale Punkte der Mordanklage. Er habe weder aus Heimtücke noch aus niedrigen Beweggründen gehandelt, so seine Einlassung. Die von der Staatsanwaltschaft genannten Motive – eine krasse, übersteigerte Eifersucht, Rache, Besitzdenken und verletzte männliche Ehre – lägen nicht vor. Es sei im Affekt geschehen, erklärte die Verteidigerin, ihr Mandant sei vorher und nachher nie gewalttätig gewesen.

Die Staatsanwaltschaft zeichnet ein anderes Bild. Oberstaatsanwalt Jürgen Bundschuh schilderte, Maria Köhler habe dem Angeklagten deutlich gemacht, dass die Beziehung beendet sei und er sie nicht mehr besuchen solle. Es sei zu einem Streit mit wechselseitigen Beschimpfungen und Beleidigungen gekommen, möglicherweise auch zu Ohrfeigen. Spätestens in dieser Situation habe der damals 25-Jährige den Entschluss gefasst, die junge Frau zu töten, so Bundschuh.

Heimtücke und verletzte Ehre?

Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft griff der Mann zu einem Netzschal, den Maria Köhler um den Hals trug, und strangulierte sie. Er habe aus Eifersucht gehandelt, weil die 19-Jährige sich einem anderen Mann zugewandt habe – vermutlich einem im hessischen Hanau stationierten US-Soldaten. Zudem sei der Angeklagte rachsüchtig gewesen, weil sich Maria gegen eine Heirat entschieden habe. Eine Ehe hätte dem Türken damals ein Bleiberecht in Deutschland verschaffen können.

Streit um Mord oder verjährten Totschlag

Juristisch geht es um die Frage, ob sich der Angeklagte wegen Mordes verantworten muss. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Mord vor; diese Tat verjährt nicht. Totschlag und andere Tötungsdelikte wären hingegen längst verjährt. Kommt die Kammer zu dem Schluss, dass kein Mord nachweisbar ist, wäre selbst bei Feststellung eines Tötungsdelikts ein Freispruch oder eine Einstellung wegen Verjährung möglich.

Nach der Tötung sei der Angeklagte gegen Ende Juli 1984 aus Angst vor deutschen Ermittlern in die Türkei geflohen, schilderte er. Mit Hilfe seiner Familie sei er über die syrische Grenze gebracht worden, habe dort zunächst untergetaucht und sei später mit neuer Identität in die Türkei zurückgekehrt.

Im Video: Die unglaubliche Suche nach dem Täter

Vor 40 Jahren erdrosselt: Überführt dieses Holodeck einen Mörder?
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Rückkehr nach Aschaffenburg unter falschem Namen

Dort lernte der Mann nach eigenen Angaben eine Urlauberin aus Aschaffenburg kennen, die er wenig später in der Türkei heiratete. Mitte der 1990er Jahre reiste er den Ermittlern zufolge unter anderem Namen wieder nach Deutschland ein. In Aschaffenburg lebte er etwa 16 Jahre lang mit seiner Frau – wieder ganz in der Nähe des damaligen Tatorts. Später kehrte das Paar in die Türkei zurück, wo seine Frau starb.

Cold Case-Ermittler rollen Fall neu auf

Kurz nach der Tat war der Mann aufgrund von Zeugenaussagen ins Visier der Ermittler geraten. Dennoch blieb er über Jahrzehnte unauffindbar, obwohl international nach ihm gefahndet wurde. Ende 2024 fahndeten Ermittler der Kriminalpolizei Aschaffenburg nach neuen Hinweisen erneut nach dem Mann – und spürte den damals Verdächtigen in der Türkei auf. Nach einer Überstellung nach Deutschland kam er zunächst in Untersuchungshaft. Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage bis Ende Juni angesetzt.

Im Video: Nach 42 Jahren - Ex-Freund gesteht Tötung

Angeklagter wird in Gerichtssaal geführt
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Nach 42 Jahren - Ex-Freund gesteht Tötung

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