Rundfunk-Legende Ado Schlier sitzt mit Kopfhörern in seiner Wohnung in Würzburg.
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Rundfunk-Legende Ado Schlier ist im Alter von 90 Jahren in Würzburg gestorben.
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Rundfunk-Legende Ado Schlier ist im Alter von 90 Jahren in Würzburg gestorben.

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Radio-Legende Ado Schlier mit 90 Jahren in Würzburg gestorben

Radio-Legende Ado Schlier mit 90 Jahren in Würzburg gestorben

Ado Schlier war bekannt als Radio- und Fernseh-Moderator. Er hat zum Beispiel den "Eurovision Song Contest" kommentiert und die "Songs an einem Sommerabend" gegründet. Jetzt ist der Musik-Journalist im Alter von 90 Jahren in Würzburg gestorben.

Über dieses Thema berichtet: Mittags in Mainfranken am .

10.000 Radio-Auftritte, 250 Fernseh-Sendungen: Ado Schlier aus Würzburg war eine echte Größe in der Medienwelt. Der bekannte Moderator und Musikjournalist ist am Mittwoch im Alter von 90 Jahren in seiner Heimatstadt Würzburg gestorben – nur wenige Tage vor seinem 91. Geburtstag. Das hat der Radio-Sender Rai Südtirol mitgeteilt, für den Schlier bis zuletzt gearbeitet hat. 60 Jahre lang war er dort freier Mitarbeiter und hat diverse Musiksendungen von Würzburg aus moderiert.

Ado Schlier war bis kurz vor seinem Tod "on air"

Schlier sei bereits sehr geschwächt gewesen durch seine Krankheit, so der Sender. Am vergangenen Samstag habe er trotzdem noch die Sendung "Meine Radiostunde" moderiert. "Mit ihm verlieren die Musikwelt und auch unser Sender einen großen Musik-Experten der Unterhaltungsbranche und einen exzellenten Moderator der alten Schule", schreibt Rai Südtirol.

Radio-Moderator mit eigenem Tonstudio daheim in Würzburg

Bayerischer Rundfunk, Radio Bremen, Radio Salzburg: Das sind nur einige der Stationen von Ado Schlier. In seiner Villa in Würzburg hatte sich Schlier gleich neben dem Wohnzimmer ein eigenes Tonstudio eingerichtet. Dort war auch seine Sammlung von 14.000 Schallplatten untergebracht. Durch die vielen Platten war das Studio "bestens schallisoliert", so Schlier in einem früheren BR-Interview.

Nach dem Krieg: Von Würzburg nach München

In den Nachkriegsjahren hat es ihn als Teenager aus dem zerstörten Würzburg weggezogen – nach München. Als 17-Jähriger wurde er Schallplatten-Verkäufer in einem Musikhaus. "Das war ein Laden, wo eigentlich weniger die normalen Leute hingegangen sind, sondern Künstler", erzählte Schlier in einer BR-Radiosendung anlässlich seines 80. Geburtstags. Zum Beispiel Hans Albers oder die 16-jährige Romy Schneider habe er dort kennengelernt und Anschluss an einen Jazz-Club gefunden. "Das hat mich eigentlich frei gemacht", so Schlier.

Erste Interviews für den BR – zum Beispiel mit Jimi Hendrix

Bald organisierte er Konzerte und holte Musiker wie Duke Ellington oder Jimi Hendrix nach München. In den Garderoben entstanden damals erste Interviews für den BR. Und als eines Tages ein BR-Moderator mit Krankheit passen musste, soll in der Bierkneipe "Ferkelstuben" der folgenreiche Satz gefallen sein: "Nimm doch mal den Ado, der redet immer so viel."

Moderator auf allen BR-Wellen

Damit war Ado Schlier Teil des "Clubs 16", in den 60er- und 70er-Jahren eine progressive Insel im BR-Jugendfunk. "Absolute Narrenfreiheit, da gab es kaum Kontrollen. Der Moderator hat seine Platten mitgebracht und hat gespielt, was ihm gefällt", so Schlier. In der Folge war er auf fast allen Wellen des Bayerischen Rundfunks zu hören: unter anderem mit der Swing-Sendung "Hot Club", mit den "Schellack-Souvenirs" oder "Gute Nacht Freunde" auf Bayern 1. 1971 war er bei der Gründung von Bayern 3 dabei.

Bildrechte: BR/Fred Lindinger
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Der "Club 16" im Bayerischen Rundfunk

Festival "Songs an einem Sommerabend" gegründet

1987 setzte Ado Schlier mit dem BR sein Konzept eines Liedermacher-Festivals um: die "Songs an einem Sommerabend" am Kloster Banz in Oberfranken. Das Festival entwickelt sich zur wichtigen Plattform für Sänger wie Reinhard Mey oder Konstantin Wecker. Über 30 Jahre lang organisierte Schlier die Veranstaltung. Auch bei anderen Konzert-Veranstaltungen war er künstlerischer Leiter.

Schlier war auch beim Fernsehen aktiv

Außerdem hat er in seiner Laufbahn gut 250 Fernseh-Sendungen betreut. Für das Bayerische Fernsehen zum Beispiel die "Show-Bühne" mit Fernseh-Koch Alfred Biolek – oder Portrait-Sendungen über Künstler und Musiker.

"Grand Prix Eurovision de la Chanson" für die ARD kommentiert

Ein spannender Punkt in seiner Vita: Von 1979 bis 1986 hat Ado Schlier den "Eurovision Song Contest" für die ARD kommentiert. Damals noch der "Grand Prix Eurovision de la Chanson". Die Menschen in Deutschland haben also Schliers Stimme gehört, als Sängerin Nicole 1982 gewonnen hat – mit dem Lied "Ein bisschen Frieden".

Ehrenmedaille des Würzburger Oberbürgermeisters

An seinem 90. Geburtstag im Januar 2025 hat die Stadt Würzburg Ado Schlier mit der Ehrenmedaille des Oberbürgermeisters ausgezeichnet. "Als Dank und in Anerkennung für sein verdienstvolles Engagement um die Musikszene in Würzburg und Unterfranken", hieß es. Schlier lasse Würzburg immer mitschwingen, sagte Altbürgermeister Adolf Bauer (CSU).

Schlier: "Etwas für die ganz normalen Leute machen"

Als Devise für sein Tun hat Schlier da einen seiner ehemaligen Programmleiter beim BR zitiert: “Man muss sich nicht schämen, wenn man künstlerisch etwas macht, was die Leute interessiert.“ Man müsse etwas für die ganz normalen Leute machen.

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