Es ist eine Entscheidung mit strategischer Bedeutung und Symbolkraft für eine Stadt, die lange um ihren Bundeswehrstandort bangen musste. In der Umgebung von Kaufbeuren stationiert die Bundeswehr einen zentralen Teil des deutschlandweiten Raketenabwehrsystems Arrow.
- Zum Hintergrund bei tagesschau.de: Abwehrsystem "Arrow" wird in Kaufbeuren stationiert
Was ist Arrow?
Das Radarsystem, der sogenannte "Sensor Süd", entsteht nach BR-Informationen auf dem Gebiet der Gemeinde Friesenried. Das Kontrollzentrum und die Startvorrichtungen für die Arrow-Abfangraketen kommen auf das Lechfeld, südlich von Augsburg. Ab 2030 soll das System den vollständigen Schutz des deutschen Luftraums vor Raketenangriffen sicherstellen.
Für das Radar stellt der Freistaat ein Grundstück im Staatsforst zur Verfügung. Eine entsprechende Urkunde hat Ministerpräsident Markus Söder (CSU) heute beim Ortstermin auf dem Fliegerhorst in Kaufbeuren mit Vertretern des Bundesverteidigungsministeriums an die Luftwaffe übergeben.
Israel und die USA haben Arrow gemeinsam entwickelt. In Israel ist es bereits im Einsatz. Es fängt ballistische Raketen in mehr als 100 Kilometern Höhe ab, außerhalb der Erdatmosphäre. Das System schließt nach den Worten von Ministerpräsident Söder eine entscheidende Lücke in der Verteidigung.
Im Video: Einschätzungen von BR-Rüstungsexperte Stephan Lina
Der BR-Rüstungsexperte Stephan Lina
Neue Zukunft für einen Standort mit turbulenter Geschichte
Für Kaufbeuren bedeutet die Entscheidung weit mehr als Sicherheitspolitik. 2011 sollte die Bundeswehr den Fliegerhorst im Rahmen ihrer Reform schließen. Nach Jahren der Unsicherheit kam 2021 die Kehrtwende. Nun gewinnt der Standort sogar an Bedeutung. Mit dem Radarsystem kommen laut Söder rund 40 neue Arbeitsplätze nach Kaufbeuren, die Gesamtinvestition am Standort beläuft sich auf mehr als 80 Millionen Euro. "So ist Deutschland einfach sicherer. Damit kann man auch nachts besser schlafen", sagte Söder.
Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse (CSU) begrüßte die Entscheidung: "Die Zustationierung von Arrow bedeutet Stabilität, was den Standort angeht. Wir stehen hinter der Bundeswehr." Der Landtagsabgeordnete Bernhard Pohl (FW) sprach sogar von einer "Ewigkeitsgarantie für den Standort".
Bundeswehr will Fragen der Bevölkerung beantworten
Die Stationierung von Arrow wirft bei einigen in der Region aber auch Fragen auf. Alexander Götz, Hauptabteilungsleiter Aufwuchs im Bundesverteidigungsministerium, will direkt auf die Menschen zugehen: "Natürlich verstehen wir auch, dass die Stationierung von Waffensystemen immer Befürchtungen auslöst. Wir werden uns darum bemühen, gerade auch die Fragen der lokalen Bevölkerung zu beantworten."
Drei Standorte schützen ganz Deutschland
Die Bundeswehr plant insgesamt drei Arrow-Standorte in Deutschland. Der erste ging im Dezember auf dem Fliegerhorst Holzdorf an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen-Anhalt in Betrieb. Ein dritter Standort im Norden ist in Planung. Kaufbeuren übernimmt den Südstandort. Insgesamt investiert die Bundeswehr knapp vier Milliarden Euro aus dem Sondervermögen in die neue Raketenabwehr.
Russischer Angriffskrieg als Auslöser
Den Hintergrund für die beschleunigten Pläne liefert die veränderte Sicherheitslage in Europa. Inspekteur der Luftwaffe Generalleutnant Holger Neumann sagte in Kaufbeuren: "Der Krieg ist zurück in Europa. Gleichzeitig beobachten wir weltweit eine zunehmende Verbreitung und Weiterentwicklung ballistischer Raketen. Deutschland muss auf diese Entwicklung reagieren und das haben wir."
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