Heja Hasko ist Stadthelfer. Seine Aufgabe ist es, andere Menschen zu unterstützen, beispielsweise älteren Menschen mit Rollator in den Bus zu helfen. Deshalb läuft der 21-Jährige am Nachmittag durch die Schweinfurter Innenstadt. Gegenüber BR24 meint Hasko, er fühle sich glücklich, dass er heute wieder Leuten helfen könne.
An seiner Seite: die 29-jährige Namignon Cissé. Beide tragen während ihres dreistündigen Einsatzes blaue Käppis mit der Aufschrift "Stadthelfer Schweinfurt" und Namensschilder. Die Stadthelfer sollen dazu beitragen, das Sicherheitsgefühl zu verbessern.
Brennpunkte in Schweinfurt
Schweinfurt ist Industriestadt, hat knapp 57.000 Einwohner, schätzungsweise 60 Prozent mit Migrationshintergrund. In den letzten Jahren ist für einige Bürgerinnen und Bürger das Gefühl der Unsicherheit stärker geworden – besonders an Brennpunkten in der Innenstadt wie dem Roßmarkt und der Hadergasse. Ein Anwohner sagt, dass sich beispielsweise Männergruppen treffen und Drogen austauschen würden. Das führe zu einem "Unsicherheitsfaktor", sodass sich ältere Anwohner abends kaum noch heraustrauen würden.
Unsicherheitsgefühl spiegelt sich nicht in Polizeistatistik
Das wachsende Unsicherheitsgefühl spiegelt sich nicht in Polizeistatistiken. Polizeisprecher Denis Stegner erklärt, dass man mit Blick auf die Zahlen gerade bei Gewaltdelikten eine sinkende Tendenz an Brennpunkten wie dem Roßmarkt und der Hadergasse beobachte. Dennoch hätten einige Bürgerinnen und Bürger Bedenken und Sorgen, würden sich beeinträchtigt fühlen von Gruppen junger Männer, die sich in der Innenstadt aufhalten.
Gefühl der Unsicherheit: Stadthelfer an Brennpunkten in Schweinfurt
Kontakt zu Gruppen junger Männer mit Migrationshintergrund
Besonders an der Situation mit diesen Gruppen sollen sie mithelfen, etwas zu verbessern – die zwölf ehrenamtlichen Stadthelfer Schweinfurt, zu denen Namignon und Heja gehören. Namignon kommt von der Elfenbeinküste. Sie ist seit acht Monaten in Deutschland und besucht Sprachkurse. Ihr Berufswunsch ist Kinderpflegerin. Heja ist Kurde, stammt aus dem kurdischen Teil Iraks. Seit drei Jahren lebt er in Deutschland. Er besucht das Bayernkolleg und will Abitur machen.
Migrationshintergrund der Stadthelfer von Vorteil
Für Namignon und Heja ist eine der wichtigsten Aufgaben: zu Gruppen Kontakt aufnehmen – insbesondere zu jungen Männern mit Migrationshintergrund, die sich gerne an Brennpunkten aufhalten. Neben Namignon und Heja haben auch die anderen zehn Stadthelfer einen Migrationshintergrund. Deshalb können sie sich oft in den jeweiligen Landessprachen der jungen Männer unterhalten, vor allem wenn diese kaum Deutsch beherrschen.
Stadthelfer sollen sich nicht in Gefahr bringen
Auch wenn die Stadthelfer Brennpunkte besuchen, sollen sich nicht unnötig in Gefahr bringen – also auch nicht bei Streitereien dazwischen schreiten. Sobald ihnen etwas verdächtig vorkommt beziehungsweise auffällt, können sie die Polizei anrufen oder die Sicherheitswacht. Diese ist ebenfalls ehrenamtlich unterwegs.
Stadthelfer Schweinfurt kommen bei Menschen gut an
Das Projekt kommt bei Bürgerinnen und Bürgern gut an. Ein Passant meinte, dass die Stadthelfer aufgrund ihres Migrationshintergrundes einen wertvollen Beitrag beim Thema Integration in Schweinfurt leisten können. Ein anderer Bürger sagte, dass er sehbehindert sei und es für ihn besonders wichtig wäre, Ansprechpartner wie die Stadthelfer zu haben.
Kooperation zwischen Diakonie Schweinfurt und der Stadt
Seit wenigen Monaten läuft dieses Projekt. Es ist eine Kooperation zwischen der Diakonie Schweinfurt und der Stadt. Das Bundesprogramm "Demokratie leben!" fördert es.
Helene Zirkelbach betreut die Stadthelfer. Sie arbeitet für die Diakonie Schweinfurt und ist Integrationslotsin der Stadt. Ihr ist das Projekt sehr wichtig, denn in Städten wie Schweinfurt betrachten einige das Thema Migration zunehmend kritisch. "Die Stadthelfer bilden hiermit einen Gegenpol", betont sie. Die Ehrenamtlichen würden mit ihrer Präsenz in der Innenstadt ein Zeichen setzen, sich aktiv in die Gesellschaft einzubringen.
Stadthelfer derzeit nur an drei Tagen in der Woche unterwegs
Stadthelfer kann jeder werden – also auch Interessierte ohne Migrationshintergrund. Sie sollten zwischen 18 und circa 30 Jahre alt sein. Derzeit laufen die Stadthelfer nur an drei Tagen in der Woche. Ziel ist es aber, so viele Ehrenamtliche zu gewinnen, damit an jedem Tag ein Zweierteam unterwegs sein kann.
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