Es sind die letzten ruhigen Stunden für Feuerwehrmann Thomas Wolf in dieser Silvesternacht. Er sitzt im Aufenthaltsraum der Feuerwache 7 im Münchner Stadtteil Milbertshofen und wartet. "Ab zwölf Uhr, da kann man die Uhr danach stellen, ist Ausnahmezustand", sagt er. Dann beginnt das neue Jahr, Raketen und Böller fliegen umher und sorgen für den einen oder anderen Brand. Bis dahin sind es noch über vier Stunden.
Containerbrand vor Mitternacht
Bis Mitternacht muss Thomas nicht warten, kurz vor 20 Uhr geht sein Piepser. Ein Müllcontainer soll brennen. Thomas und fünf Kollegen sprinten zum Löschfahrzeug. Mit Blaulicht geht es durch die Stadt. "Container in Vollbrand", ruft Gruppenführer Steffen Paul vom Beifahrersitz. Er koordiniert das Team des Löschfahrzeugs heute. Durch die Windschutzscheibe sieht man einen Plastikmüllcontainer, aus dem zwei Meter hoch Flammen in den dunklen Himmel lodern. Thomas legt seinen Atemschutz an, er muss das Feuer gleich löschen und darf dabei keinen giftigen Rauch einatmen. Dann geht alles ganz schnell. Thomas flutet den Container mit Löschschaum – nach weniger als zehn Minuten ist alles vorbei. Der Container ist halb verbrannt, Wasserdampf steigt aus ihm auf. Thomas zieht seine Atemschutzmaske ab. Warum der Container gebrannt hat, kann man nicht genau sagen. "Was schon immer wieder vorkommt: Böller rein...", sagt Thomas.
Warten ist Teil des Jobs
Thomas und sein Team der Berufsfeuerwehr München arbeiten in 24-Stunden-Schichten. Seit 6.30 Uhr sind sie an diesem Tag im Dienst. Normalerweise kommen sie zumindest für ein paar Stunden zum Schlafen, bis der nächste Alarm schrillt. An dem Tag ist das nicht drin.
Um kurz vor Mitternachtschenken Kollegen auf der Wache alkoholfreien Sekt ein. "Wir wollen gleich draußen auf dem Hof das Neue Jahr einläuten", sagt Gruppenführer Steffen. Doch so weit kommt er nicht: Um 23.51 Uhr geht der Piepser. Ein Balkon soll brennen. Thomas Wolf, Steffen Paul und das Team fahren los mit Blaulicht und Martinshorn.
Balkon in Flammen
Am Einsatzort angekommen: Im vierten Stock eines Mehrfamilienhauses schlagen Flammen von einem Balkon. Die Überdachung des Balkons ist nur noch ein Gerippe. Thomas Wolf zielt mit dem Schlauch von unten auf das Feuer. Um ihn herum stehen viele Schaulustige, die sich jetzt teilweise in die Arme fallen und Raketen zünden. Es ist Mitternacht, das neue Jahr hat gerade begonnen. Kurz danach ist das Feuer scheinbar gelöscht. Jetzt wünschen sich auch Thomas und seine Kollegen eine frohes neues Jahr, während ein anderer Einsatztrupp den Dachstuhl nach möglichen Glutnestern absucht. Kurz vor halb eins kann das Team die Schläuche wieder einrollen, hier ist alles sicher.
Ein Einsatz nach dem nächsten
Kaum im Auto angekommen, geht schon wieder der Piepser. "Das werden wir abarbeiten wie die letzten Einsätze auch", sagt Thomas mit einem kleinen Grinsen im Gesicht. Unter anderem werden sie noch zwei Mülltonnen löschen. "Das ist so der Standard heute", erklärt Gruppenführer Steffen Wolf. Meist seien entweder Raketenquerschläger die Ursache. "Oder abgebranntes Feuerwerk, dass schon zu zeitig reingeschmissen wird", sagt Wolf. Wenn da noch etwas glimmt, kann sich das in der Mülltonne zu einem Feuer ausbreiten.
Einer der einsatzreichsten Tage
In diesen Stunden haben Steffen und sein Team sie so viele Einsätze wie an kaum einem anderen Tag im Jahr. Zwischen 18 Uhr und sechs Uhr morgens wird sein Löschfahrzeug elfmal alarmiert. In ganz München gab es in diesem Zeitraum laut der Feuerwehr München 211 Einsätze für ihre Feuerwehrleute.
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