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Michael Gastauer präsentiert sich im Netz als erfolgreicher FinTech-Unternehmer.
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Unternehmer aus Franken: Zwei Razzien, viele Fragen

Unternehmer aus Franken: Zwei Razzien, viele Fragen

Michael Gastauer führt nach eigenen Aussagen eines der erfolgreichsten Unternehmen in der Finanzbranche: Black Banx. Das Internet-Finanzbusiness ist weltweit aktiv und erwirtschaftet angeblich Milliardenbeträge. Jetzt wird gegen Gastauer ermittelt.

Über dieses Thema berichtet: Frankenschau aktuell am .

"Ich bin sehr leidenschaftlich, wenn es um Geld geht", sagt Michael Gastauer in einem YouTube-Video. Im Internet präsentiert sich der 51-Jährige als erfolgreicher Fintech-Unternehmer. Sein Unternehmen heißt "Black Banx". Das soll eine Art Finanzdienstleister sein, mit dem Kunden Zahlungen senden und akzeptieren und ihr Vermögen in mehreren Währungen verwalten können.

Razzia in Neustadt

Gastauer stammt ursprünglich aus Neustadt an der Aisch in Mittelfranken. Dort haben Spezialkräfte der Polizei zweimal ein Anwesen durchsucht, das letzte Mal am 2. Dezember 2025. Ein Anwohner erzählt: "Ich war noch im Bett und hab einen Knall gehört. Die Straße war voller Polizei." Gastauer steht im Fokus der Durchsuchungen.

Ein Rechercheteam des Bayerischen Rundfunks und der Fränkischen Landeszeitung (FLZ) hat sich Black Banx näher angesehen. Auf Instagram finden sich mehrere Cover von Finanz-Magazinen, auf denen Gastauer zu sehen ist. Anfragen bei diesen Magazinen, darunter etwa "Forbes" und "Wealth and Finance", zeigen: Zumindest teilweise wurde Geld dafür bezahlt. Verboten ist das nicht.

London, New York, Bad Windsheim

Und auch nicht, komplette Preisverleihungen zu inszenieren. 2018 hat Gastauers damaliges Finanzunternehmen WB21 den "Global Banker Award" verliehen – an Michael Gastauer. Fotos vom Event sind mit den Ortsmarken "London" und "New York City" versehen. Nach Informationen von BR und FLZ fand die Veranstaltung allerdings im Kur- und Kongresscenter in Bad Windsheim statt. Das Unternehmen erklärte auf Nachfrage, dass es sich sowohl bei den Platzierungen in Magazinen als auch bei der Award-Verleihung um gängige Branchenpraxis handelte.

Im Dezember gab es eine Razzia in Neustadt an der Aisch.
Bildrechte: Christa Frühwald/Fränkische Landeszeitung
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Im Dezember gab es eine Razzia in Neustadt an der Aisch.

In einer Liga mit den ganz Großen?

Nach eigenen Angaben habe Black Banx in den ersten drei Quartalen des Jahres 2025 einen Gewinn vor Steuern von rund 4,7 Milliarden US-Dollar erwirtschaftet. Matthias Muck vom Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre an der Uni Bamberg ordnet ein: "Wenn man nach der Anzahl der Kunden, den Umsätzen oder auch den Gewinnen schaut, die kommuniziert werden, dann spielt das in einer Liga mit den ganz großen Zahlungsdienstleistern wie PayPal oder Revolut." Von Black Banx heißt es: Vergleiche mit traditionellen Banken wie der Deutschen Bank oder anderen Instituten seien nicht angebracht.

Nutzer warnen vor Betrug

Muck verweist zudem auf das Online-Bewertungsportal TrustPilot: "Das muss nicht das Maß der Dinge sein, aber bei BlackBanx haben wir eine Handvoll Bewertungen. Bei PayPal oder Revolut haben wir Tausende." Unter den wenigen Black Banx-Bewertungen finden sich Aussagen wie diese: "Ich habe Geld auf dieses Konto eingezahlt. Seitdem versuche ich, es abzuheben, aber meine Auszahlungen werden nicht bearbeitet." Nutzer warnen vor Betrug. Die Echtheit der Bewertungen konnten BR und FLZ nicht unabhängig prüfen. Black Banx sagte auf Anfrage, dass die meisten dieser Bewertungen von 2020 oder früher stammen – damals sei das Unternehmen noch in einer anderen Entwicklungsphase gewesen. Neueres Feedback ließe keinen Rückschluss auf systemische Probleme zu.

Urteil: 17 Millionen Dollar Strafe

2023 verurteilte ein US-Gericht einen britischen Finanzbetrüger wegen eines internationalen Aktienbetrugs. In diesem Zusammenhang leitete die US-Börsenaufsicht auch ein Zivilverfahren gegen Michael Gastauer ein. Der Vorwurf lautete damals, dass über Konten seiner früheren Firma WB21 Geld aus dem Aktienbetrug geflossen sei, um die Identität des Betrügers zu verschleiern. Weil Gastauer nicht vor Gericht erschienen war, erließ ein US-Bundesgericht ein Versäumnisurteil. Er wurde zu einer Zahlung von 17 Millionen Dollar verurteilt. Black Banx, das frühere WB21, dementiert, vom Betrug gewusst zu haben.

Staatsanwaltschaft ermittelt

In Deutschland wird nach Recherchen des ARD-Politikmagazins "Kontraste" nun strafrechtlich gegen Gastauer ermittelt. Laut Black Banx habe das Unternehmen selbst die Behörden auf "bestimmte rechtliche und regulatorische Fragen" aufmerksam gemacht. Zuständig ist die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main, die BR und FLZ auf Anfrage erklärt: "Dem Beschuldigten wird zur Last gelegt, weltweit Zahlungsdienste angeboten zu haben, ohne die erforderlichen Geschäftslizenzen zu haben. Diese Zahlungsdienste sollen von Dritten auch zur Vornahme von Geldwäschehandlungen genutzt worden sein."

Black Banx betont, dass aus ihrer Sicht kein Fehlverhalten vorlag. Man nehme die Vorwürfe extrem ernst. Ob es zu einer Anklage kommt, ist noch unklar. Es gilt die Unschuldsvermutung.

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