Wer heute in einem Lebensmittelgeschäft einkaufen möchte, muss sich eventuell auf Einschränkungen einstellen: Es könnte zu längeren Schlangen an den Kassen kommen, Regale könnten nicht aufgefüllt sein oder Geschäfte erst nicht mit neuen Waren versorgt werden. Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten im Einzel- und Großhandel im Freistaat für heute erneut zum Warnstreik aufgerufen.
Edeka, Lidl, Penny, Rewe, Amazon, Zara und H&M betroffen
Auf der Streikliste stehen bayernweit mehr als 100 Betriebe des Einzel- und Großhandels, unter anderem Amazon, Edeka, Galeria, Lidl, Rewe, Penny oder der Modehändler Zara. In Schweinfurt etwa sind die Beschäftigten von Kaufland und H&M zum ganztägigen Streik aufgerufen. Welche Folgen die Aktionen haben, hängt von der Bereitschaft zum Streik ab und die ist laut Gewerkschaft hoch.
Ziel sei es, in der laufenden Tarifrunde im bayerischen Einzel- und Versandhandel Druck auf die Arbeitgeber auszuüben. Der Streik in Schweinfurt beginnt nach Gewerkschaftsangaben gegen 6 Uhr in den beiden Betrieben. Von 10 Uhr bis etwa 10.30 Uhr ist eine Streikkundgebung vor der H&M-Filiale am Georg-Wichtermann-Platz geplant.
Zur zentralen Kundgebung um 12 Uhr in Augsburg auf dem Willy-Brandt-Platz hat sich Verdi-Chef Frank Wernicke angekündigt.
Im Audio: Erneut gibt es Warnstreiks im Bayerischen Handel
Erneut gibt es Warnstreiks im bayerischen Handel. Auf der Verdi-Liste stehen über 100 Betriebe.
Bisheriges Angebot für Verdi unzureichend
Hintergrund sind nach Verdi-Angaben die bisherigen Angebote der bayerischen Einzelhandelsarbeitgeber. Vorgesehen ist demnach eine Erhöhung der Löhne und Gehälter um 2 Prozent ab 01.11.2026 – nach sechs sogenannten Nullmonaten – sowie eine weitere Erhöhung um 1,5 Prozent ab 01.08.2027 nach drei weiteren Nullmonaten, bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Mehr sei angesichts der schlechten Konjunkturlage nicht finanzierbar.
Peter König, Verdi-Sekretär für den Handel in Schweinfurt, hält das Angebot für unzureichend. "Klar ist, nur streiken wirkt! Die angebotenen Erhöhungen liegen aber deutlich unterhalb der Inflation, gleichzeitig steigen Mieten, Lebensmittel- und Energiekosten immer weiter", erklärte er. Viele Kolleginnen und Kollegen wissen schon heute nicht mehr, wie sie bis zum Monatsende über die Runden kommen sollen. Wir sprechen längst über konkrete Armutsrisiken in einer Branche, die Milliarden umsetzt."
222 Euro mehr im Monat und "rentenfestes Mindesteinkommen"
Sowohl im Einzel- als auch im Großhandel haben die getrennten Verhandlungen für die insgesamt etwa 750.000 Beschäftigten in Bayern bisher zu keinem Ergebnis geführt. Verdi fordert für den Einzelhandel unter anderem 222 Euro mehr im Monat, im Großhandel sieben Prozent, sowie eine Anhebung der Ausbildungsvergütungen um 150 Euro pro Monat. Die unteren Beschäftigtengruppen sollen ein "rentenfestes Mindesteinkommen" von 14,90 Euro pro Stunde erhalten, die Tarifverträge nur über zwölf Monate laufen.
Mitte Juli gehen die Verhandlungen in die nächste Runde.
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