Der Angeklagte spricht im Verhandlungssaal des Landgerichts mit seinem Verteidiger. Sie sitzen an einem Tisch. Im Hintergrund ist eine Polizistin zu sehen.
Der Angeklagte spricht im Verhandlungssaal des Landgerichts mit seinem Verteidiger. Sie sitzen an einem Tisch. Im Hintergrund ist eine Polizistin zu sehen.
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Der Angeklagte (l.) spricht im Verhandlungssaal des Landgerichts mit seinem Verteidiger.
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"Wie Zombies": Opfer sagen im "Champagner-Prozess" aus

"Wie Zombies": Opfer sagen im "Champagner-Prozess" aus

Vor dem Landgericht Weiden haben am Montag erstmals die Opfer im "Champagner-Prozess" ausgesagt. In teils emotionalen Schilderungen berichteten sie von dem schrecklichen Ereignis im Februar 2022. Damit rückten die Folgen der Tat in den Mittelpunkt.

Über dieses Thema berichtet: Regionalnachrichten aus der Oberpfalz am .

Im sogenannten "Champagner-Prozess" am Landgericht Weiden haben am Montag erstmals Opfer ausgesagt. Im Februar 2022 hatten sie in einem Lokal in Weiden den Champagner bestellt. In der Flasche war aber kein Schaumwein, sondern das Betäubungsmittel MDMA. Ein Mann starb, sieben Menschen wurden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Angeklagt ist ein 46 Jahre alter Niederländer. Laut Anklage soll er Teil einer Bande sein, die MDMA hergestellt haben soll, um es im In- und Ausland zu verkaufen.

Giftiger Schluck aus der vermeintlichen Champagnerflasche

Sie wollten eigentlich alle nur gemeinsam feiern, doch es wurde der schlimmste Tag ihres Lebens: Mehrere Zeuginnen und Zeugen schilderten am dritten Prozesstag teils sehr emotional, wie sie die Partynacht und den giftigen Schluck erlebt hatten.

Vor Gericht sind heute Videos eines Opfers gezeigt worden, das er mit seinem Handy aufgenommen hatte. Es zeigt den Barkeeper, wie er die weiße "Moet Ice Imperial"- Flasche öffnet und den Inhalt in goldene und pinke Gläser einschenkt. Die Stimmung, so ist auf dem Video zu sehen, ist ausgelassen, es wird gelacht und die Runde freut sich auf den Schaumwein.

Opfer kämpfen teilweise bis heute mit den gesundheitlichen Folgen

Ein Opfer sagte heute vor Gericht, dass er gleich bemerkt habe, dass da was nicht stimmt und es ziemlich eklig schmeckte. Und dann, so meinte er, hat "der Horror erst begonnen": Nach nur wenigen Sekunden sei er in einer ganz anderen Welt gewesen. Sein kompletter Körper habe angefangen zu zittern.

Ein paar seiner Freunde haben plötzlich angefangen zu schreien, Panik brach aus, Betroffene konnten sich nicht mehr auf den Beinen halten. "Ich habe nicht gewusst, ob ich jetzt gleich zusammenbreche und sterbe", so der Partygast mit zittriger Stimme vor Gericht. Als er noch auf einen Sanitäter wartete, sei ein Bekannter auf einer Trage vorbeigetragen worden. Später habe er erfahren, dass der es nicht geschafft hatte. Teilweise haben die Opfer bis heute mit den Folgen der Nacht zu kämpfen – mit Wahnvorstellungen, Muskelzittern, Übelkeit, Krämpfen, Bewusstlosigkeit.

Herzrasen, Übelkeit, Muskelzittern, Kollaps

Auch Nicole Bock hat heute Vormittag vor Gericht ausgesagt, sie war Teil der Gruppe. Als sie den ersten Schluck im Mund hatte, sei ihr sofort klar gewesen, dass etwas nicht stimmt. Sie berichtet von einem modrigen, sauren Geschmack. Beim Blick in das Glas sei ihr dann die bräunlich-lila Farbe des Getränkes aufgefallen. Sie habe Herzrasen verspürt und sei auf die Toilette gerannt, um sich zu übergeben. Sie habe sich am Fenstergriff festgehalten, gezittert, viele Lichter gesehen und Stimmen gehört, sei kollabiert. Erst auf der Intensivstation sei sie aufgewacht. Auch im Krankenhaus habe sie Halluzinationen gehabt.

Wie "Zombies" sollen sie ausgesehen und sich sehr verrenkt haben, sagte sie. Das hätten ihr später Zeugen erzählt, die den Vorfall in dem Lokal miterlebten.

Opfer tritt als Nebenklägerin auf

Im Prozess tritt sie als Nebenklägerin auf. "Ich erwarte mir, dass das Gericht gerecht urteilt, ob schuldig oder nicht – das soll das Gericht feststellen. Aber ich erwarte mir davon, dass publik gemacht wird, was Drogen anrichten können, dann hat man schon viel gewonnen", so die Kosmetikerin im BR-Interview. Bis heute kämpfe sie mit den Folgen, habe Muskelschmerzen, Sehstörungen, Panikattacken und sei sowohl in Physio- wie in Psychotherapie.

Vorwurf: Fahrlässige Tötung und bandenmäßiger Drogenhandel

Angeklagt ist ein 46 Jahre alter Niederländer. Ihm wird fahrlässige Tötung und bandenmäßiger Drogenhandel vorgeworfen. Der Prozess zieht sich bis ins nächste Jahr hinein. Das Urteil könnte Anfang März fallen.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Champagnerflaschen von Drogenhändlern zur Tarnung verwendet und in einem Lager aufbewahrt wurden. Der Angeklagte soll die Rolle des Logistikers gehabt haben. Mehrere Flaschen seien jedoch aus dem Lager gestohlen worden und über Umwege in den Handel und eine in das Restaurant in Weiden geraten.

BR-Reporter Rudolf Heinz berichtet live aus Weiden
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Vor dem Landgericht Weiden haben am Montag erstmals die Opfer im "Champagner-Prozess" ausgesagt.

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