Ulrich Siegmund (AfD), Spitzenkandidat und Co-Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, begrüßt vor seiner Stimmabgabe Unterstützer vor einem Wahllokal.
Ulrich Siegmund (AfD), Spitzenkandidat und Co-Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion Sachsen-Anhalt, begrüßt vor seiner Stimmabgabe Unterstützer vor einem Wahllokal.
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Experten zum Erfolg der AfD: "Sie glauben, wir leben nicht mehr in einer Demokratie."
Bildrechte: picture alliance/dpa | Kay Nietfeld
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Experten zum Erfolg der AfD: "Sie glauben, wir leben nicht mehr in einer Demokratie."

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AfD-Erfolg: "Sie glauben, wir leben nicht in einer Demokratie"

AfD-Erfolg: "Sie glauben, wir leben nicht in einer Demokratie"

Der deutliche Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt hat bei Rechtspopulisten im Ausland für Jubel gesorgt. Im Gespräch mit dem BR versuchen sich Politologen an einer Erklärung des Erfolgs der AfD im In- und Ausland.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio am .

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am Sonntag deutlich gewonnen, eine absolute Mehrheit aber verpasst. Während Rechtspopulisten auf der ganzen Welt den Erfolg der AfD feiern, versuchen Politikwissenschaftler im Gespräch mit dem BR, den AfD-Wahlsieg zu erklären.

"Hoffnung, dass es zumindest nicht schlechter werden kann"

André Brodotz, Professor für politische Theorie an der Uni Erfurt, nannte für den Wahlerfolg eine "starke bundespolitische Dynamik". Die schlechte Stimmung im Bund habe die sowieso schon schwierige Regierungsssituation der CDU in Sachsen-Anhalt noch weiter verschlechtert.

"Die AfD schien offensichtlich für die Wählerinnen und Wähler, die bei ihr das Kreuz gemacht haben, tatsächlich die letztverbleibende Alternative und Hoffnung darauf, dass es irgendwie besser, aber zumindest nicht schlechter werden kann", so Brodotz in Bayern 2.

Politologin: "Behaltet einen kühlen Kopf"

Politologin Petra Dobner aus Halle sagte im BR-Radio, die AfD habe mit einfachen Lösungsversprechen geködert. Ein Weg, dem man aber besser nicht folgen sollte, denn: "Wir können nicht einfach den Krieg in der Ukraine beenden, wir können nicht einfach Gas beziehen und wir können auch nicht einfach den Klimawandel stoppen." Sie riet der Regierung daher: "Behaltet mal lieber einen kühlen Kopf."

Der Politologe Marcel Lewandowsky von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg erkannte noch am Wahlabend in der ARD eine Unzufriedenheit mit dem politischen System insgesamt: Der Großteil der AfD-Wähler sei für Demokratie, fühle sich von den Politikern aber nicht vertreten, weil sie nicht wie sie sprächen und auch nicht aus ihrem Milieu kämen.

Eine solche "soziale Verzerrung" sorge dafür, dass die Entfremdung von der Politik wachse, so Lewandowsky. AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund habe es geschafft, pragmatisch und lebensnah aufzutreten, "auch weil er soziale Medien sehr viel besser beherrscht“.

Migrationspolitik im Mittelpunkt

Der Grund, warum die AfD in Deutschland so stark geworden ist, sei vergleichbar mit dem Erfolg anderer rechtspopulistischer Parteien in Europa und den USA, sagte Lewandowsky. Überall dort sähen die Menschen das Thema Migration besonders kritisch und "glauben eben nicht mehr, wir leben in einer Demokratie. Und wenn diese beiden Faktoren zusammenkommen, dann gewinnt nicht nur die AfD, sondern in anderen Ländern auch die entsprechenden Schwesterparteien".

Rechtspopulisten weltweit gratulieren der AfD

Und so feierten auch Rechtspopulisten auf der ganzen Welt den Erfolg auf der Plattform X. In den USA gratulierte Tech-Unternehmer und X-Besitzer Elon Musk der AfD zum Wahlerfolg. "Gut gemacht!", kommentierte er auf X einen Beitrag der AfD-Vorsitzenden Alice Weidel. US-Präsident Donald Trump verbreitete auf seiner Plattform Truth Social eine Hochrechnung. Er kommentierte die Grafik, die den Sieg der AfD zeigte, aber nicht weiter.

Auch der italienische Vize-Regierungschef Matteo Salvini gratulierte der AfD zu ihrem "Triumph in Sachsen-Anhalt". Ihr Wahlsieg unterstreiche "den starken Wunsch nach Veränderung, Sicherheit und Arbeitsplätzen", schrieb der Vorsitzende der rechtspopulistischen Lega-Partei auf X.

FPÖ spricht von "patriotischer Wende" in Deutschland

Der Chef der rechtspopulistischen FPÖ in Österreich, Herbert Kickl, bezeichnete das Wahlergebnis als ein "demokratisches Machtwort des Souveräns, das weit über Deutschland hinaus zu spüren ist". Die Menschen in Sachsen-Anhalt hätten die "undemokratische Brandmauer" eingerissen.

Die "patriotische Wende" in Deutschland nehme mit der AfD "immer mehr an Fahrt auf und wird letztlich mit einer Bundeskanzlerin Alice Weidel ihren endgültigen Durchbruch erzielen", fügte Kickl hinzu.

Orban: "Schnallt euch an. Das ist erst der Anfang!"

Auch nach Einschätzung des französischen Abgeordneten Jean-Philippe Tanguy von der rechtspopulistische Partei Rassemblement National (RN), brachten die Wähler in Sachsen-Anhalt ihren Protest gegenüber den "Parteien des Systems" zum Ausdruck, die "weder die Einwanderung noch die Wirtschaft oder die Energiepreise" in den Griff bekämen.

Und auch der frühere ungarische Regierungschef Viktor Orban gratulierte der AfD zu ihrem "Erdrutschsieg" bei der Landtagswahl. "Eine Riesen-Nacht für Deutschland und Europa", schrieb Orban am Wahlabend auf X. "Schnallt euch an. Das ist erst der Anfang!", so Orban.

Mit Informationen von dpa

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