US-Präsident Donald Trump hat Stunden vor dem Beginn eines wichtigen Treffens im Konflikt über Grönland wenig Spielraum für eine einvernehmliche Lösung gelassen. Eine US-Übernahme der Insel sei "aus Gründen der nationalen Sicherheit" erforderlich, erklärte Trump auf seiner Plattform Truth Social. "Alles andere ist inakzeptabel."
Er wischte damit einen Vorstoß der Europäer zur Verstärkung der Nato-Präsenz in der Arktis vom Tisch, mit dem unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz versucht hatte, den Streit zu entschärfen. Die Nato werde "viel mächtiger und effektiver", wenn Grönland in den Händen der Vereinigten Staaten liege, erklärte der US-Präsident.
Trump: USA brauchen Grönland wegen "Golden Dome"
Für den Aufbau des US-Raketenabwehrschirms "Golden Dome" sei die US-Kontrolle über Grönland von entscheidender Bedeutung, betonte Trump. Er hatte das Projekt im Mai vorgestellt. Das US-Raketenabwehrsystem nach dem Vorbild des israelischen "Iron Dome" soll Schutz vor weltweit und sogar aus dem Weltraum abgefeuerten Raketen bieten.
Inmitten der diplomatischen Spannungen um Grönland kommen am Mittwoch Dänemarks Chefdiplomat Lars Lökke Rasmussen und seine grönländische Kollegin Vivian Motzfeldt zu einem Gespräch mit US-Vizepräsident JD Vance und US-Außenminister Marco Rubio im Weißen Haus zusammen. Dass sich Vance kurzfristig zu dem Treffen anmeldete, weckte Sorge vor einer konfrontativen Begegnung. Trumps Vize gilt als Hardliner.
Trump hatte in den vergangenen Wochen immer wieder einen US-Besitzanspruch auf Grönland erhoben. Im Gespräch war dabei ein Kauf der Insel, aber auch die Anwendung militärischer Gewalt schloss Trump nicht aus. Das autonome Gebiet Grönland gehört zum Königreich Dänemark, das wie die USA der Nato angehört.
Grönland und Dänemark verurteilen US-Pläne
Trump warnt immer wieder, Grönland würde in die Hände von Russland oder China fallen, wenn die USA die Insel nicht in ihren Besitz nähmen. Dänemark verkündete am Mittwoch, es werde ab sofort seine Militärpräsenz in und um Grönland erhöhen – in enger Zusammenarbeit mit Nato-Verbündeten. Ziel sei es, die Fähigkeit zum Einsatz in der Arktis zu trainieren und die Präsenz des Verteidigungsbündnisses zu stärken. Die Ankündigung dürfte darauf abzielen, die von den USA geäußerten Sicherheitsbedenken wegen verstärkter chinesischer und russischer Aktivitäten in der Region abzuschwächen. Auch Kanzler Merz hatte sich für eine stärkere Nato-Präsenz rund um Grönland ausgesprochen.
Die dänische und die grönländische Regierung lehnen die Übernahmepläne der USA entschieden ab. "Grönland will nicht von den USA regiert werden. Grönland will nicht Teil der USA sein", hatte der grönländische Regierungschef Jens-Frederik Nielsen am Dienstag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der dänischen Ministerpräsidentin Mette Frederiksen betont. Diese sagte mit Blick auf die US-Drohungen, es handele sich um einen "vollkommen inakzeptablen Druck von unserem engsten Verbündeten".
Trump hatte auf Nielsens Aussagen mit den Worten reagiert: "Ich stimme nicht mit ihm überein. Ich weiß nicht, wer er ist. Ich weiß nichts über ihn. Aber das wird ein großes Problem für ihn sein."
Frankreich eröffnet Konsulat auf Grönland, Deutschland nicht
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erteilte dem US-Anspruch auf die Insel am Mittwoch ebenfalls eine Absage. "Grönland gehört seinem Volk", sagte sie in Brüssel. Die Sicherheit in der Arktis sei ein "Kernthema" der Nato, argumentierte von der Leyen. Die Nato sei der richtige Ort, um "die unterschiedlichen Interessen, die es gibt, zusammenzubringen".
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich ebenfalls besorgt über die US-Pläne. "Sollte die Souveränität eines europäischen und verbündeten Landes beeinträchtigt werden, wären die Kettenreaktionen beispiellos", sagte Macron nach Angaben einer Regierungssprecherin. Zuvor hatte der französische Außenminister Jean-Noël Barrot angekündigt, als "ein politisches Signal" am 6. Februar ein Konsulat auf der arktischen Insel zu eröffnen.
Die Bundesregierung wird diesen Schritt nicht gehen. Für die Vertretung der Deutschen vor Ort sei nach wie vor die Botschaft in Kopenhagen zuständig, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius.
Im Audio: US-Präsident sieht Grönlands Übernahme als notwendig
Im Konflikt über die von den USA erhobenen Ansprüche auf Grönland hat Donald Trump einer einvernehmlichen Lösung jetzt eine Absage erteilt.
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