Boardkarten, Eintrittskarten oder Zugtickets in digitaler Form sind mittlerweile Teil des Alltags. Sie lassen sich bequem in einer digitalen Wallet auf dem Smartphone sammeln und abrufen. Bis Ende 2026 sollen zusätzlich Dokumente wie Personalausweis, Führerschein und Krankenkassenkarte in einer digitalen Wallet abrufbar sein – das schreibt eine EU-Verordnung vor.
Die EU-Mitgliedsstaaten müssen bis dahin eine Wallet für digitale Identitätsnachweise bereitstellen: die sogenannte European Digital Identity Wallet oder kurz EUDI-Wallet. Auch in Deutschland muss der Bund eine digitale Wallet vorlegen.
Digitale Brieftasche: Ausweisdokumente in der App
Die Einführung der digitalen Brieftasche ist für Susanne Dehmel, Mitglied der Bitkom-Geschäftsleitung, ist ein wichtiger Impuls für die digitale Transformation in Deutschland. "Die EUDI-Wallet wird dabei nicht sofort alle bisherigen Dokumente und Nachweise ersetzen, sondern sie zunächst ergänzen. Der Zeitplan der Einführung bis 2026 ist ambitioniert, aber wir müssen bei der Digitalisierung jetzt wirklich Tempo machen – digitalen Identitäten kommt dabei eine entscheidende Rolle zu", so Dehmel.
Die Nutzung der digitalen Brieftasche soll nach Einführung freiwillig und kostenlos sein. Nach einer Bitkom-Umfrage von 2023 scheint das Interesse an so einem Wallet vorhanden zu sein: Rund 58 Prozent der Befragten wünschten sich, ihre Dokumente auf dem Smartphone speichern zu können.
Deutschland liegt bei Digitalisierung zurück
Gerade Deutschland hinkt bei der digitalen Verwaltung laut Angaben des Digitalverbandes Bitkom im EU-Vergleich hinterher: Unter den 27 EU-Ländern liegt Deutschland auf Platz 21. Auf den ersten Plätzen führen Finnland, Malta und Estland die Liste an.
In Deutschland fehlt bisher auch der Inhalt für die digitale Brieftasche EUDI, denn wenige Ausweise sind digitalisiert: Weder die Krankenkassenkarte noch den Führerschein gibt es aktuell digital. Und auch der digitale Personalausweis bringt Hürden mit sich. Für die Aktivierung muss man aufs Amt und zusätzlich die entsprechende App auf dem Handy haben.
Wallet soll Kommunen langfristig entlasten
Hansjörg Durz (CSU), Vorsitzender des Ausschusses für Digitalisierung und Staatsmodernisierung im Bundestag, hat die digitale Brieftasche für Ende 2026 angekündigt – allerdings noch nicht mit dem finalen Produkt, sondern erstmal mit dem digitalen Ausweis und dann folgen stufenweise Erweiterungen.
In Deutschland hemmen oft bürokratische Hürden und auch die föderalistischen Strukturen die Digitalisierung der Verwaltung. Durz verspricht sich durch die Wallet Entlastung – auch auf kommunaler Ebene: "Die Einführung der Wallet erfordert nicht, dass Landratsämter und Rathäuser umfassend neue Technik oder zusätzliches Personal bereitstellen müssen. Die Wallet wird als digitale Lösung zur Verfügung gestellt", so Durz. Auch wenn anfangs Schulungen und Anpassungen nötig sein können, würde das mittel- und langfristig die Kommunen entlasten.
Mehrwert auch für Bayern: Digitalminister begrüßt EUDI-Wallet
In Bayern versucht man mithilfe der BayernID und der BayernApp die Entwicklung voranzutreiben. Der Bayerische Digitalminister Fabian Mehring von den Freien Wählern sieht auch bei der digitalen Brieftasche EUDI einen deutlichen Mehrwert für Bayern: "Alltägliche Behördengänge werden noch einfacher, Identitätsnachweise lassen sich sicher und mobil vorzeigen, und wichtige Dokumente sind jederzeit digital griffbereit", so Mehring.
Die Wallet sollte leicht zu bedienen und alltagsfreundlich sein mit "spürbaren Vorteilen", so Mehring. Dafür sollten auch Authentifizierungen gegenüber Online-Dienste vereinfacht werden, idealerweise mit biometrischem Zugang über Fingerabdruck oder Face-ID, sagt Mehring.
Verbraucherzentrale: Umsichtiger Umgang mit eigenen Daten
Damit die persönlichen Daten geschützt sind, soll die App in staatlicher Hand sein. Die Verbraucherzentrale Bayern fordert hohe Sicherheitsmaßnahmen für die Daten in der App. Zugriff darauf sollen laut Verband ausschließlich legitimierte Nutzer und die Daten sollen nur mit ausdrücklicher Einwilligung weitergeben werden dürfen. Es sei aber "unerlässlich, dass Verbraucher sensibel damit umgehen, ob und welche Daten sie an wen herausgeben. Jede Transaktion soll im Wallet protokolliert und bei Auffälligkeiten an Behörden gemeldet werden können", sagt Christian Ayri, Referent für Marktbeobachtung und Digitales der Verbraucherzentrale Bayern. Er ergänzt: "Als weitere Sicherheitsmaßnahme soll der Quellcode der Anwendung veröffentlicht werden, sodass die Sicherheitsarchitektur überprüfbar ist."
An sich wäre eine digitale Brieftasche ein großer Komfort, sagen aber auch die Verbraucherschützer. Wichtige Dokumente wären immer griffbereit und Online-Dienstleistungen leichter zugänglich. 2026 soll die bundesweite Geldbeutel-App kommen. Welche Ausweise darin dann gespeichert werden können, ist jedoch unklar.
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