Wegen erneuter Verzögerungen beim Bauprojekt Stuttgart 21 hat Bahnchefin Evelyn Palla interne Untersuchungen angekündigt. "Wichtig ist jetzt, dass wir wirklich lückenlos die Gründe aufklären, warum diese Verschiebung erneut erfolgen muss", sagte Palla der "Bild am Sonntag" (externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt).
In den nächsten Wochen werde analysiert, was man insbesondere beim Projektmanagement anders machen müsse. Zugleich wolle man auch die Leistungsfähigkeit des Dienstleisters Hitachi überprüfen. "Da wird kein Stein auf dem anderen bleiben." Sie betonte: "Wichtig ist, dass wir jetzt keinen Schnellschuss machen, dass wir nicht voreilig einen neuen Termin veröffentlichen." Ziel müsse sein, die Fehler nicht bei weiteren Großprojekten zu wiederholen.
Stuttgart 21 Thema im Aufsichtsrat am Mittwoch
Im November war aus Kreisen verlautet, dass die Bahn die für Ende des kommenden Jahres geplante Teileröffnung des Tiefbahnhofs vollständig absagen will. Das Thema soll im Aufsichtsrat besprochen werden. Die nächste Sitzung des Kontrollgremiums ist für den 10. Dezember geplant.
Palla kündigt mehr Sauberkeit und Sicherheit an
Die Konzernchefin will zudem in den Zügen schnell etwas in Hinblick auf Sauberkeit und Sicherheit verbessern. Man wolle, dass der Kunde spüre, dass sich bei der Bahn trotz der Verschlechterung bei der Pünktlichkeit etwas ändere, so Palla. "Da geht es um mehr Komfort im Fernverkehrszug, um Toilettenverfügbarkeit, um sauberere WCs, um sauberere Züge." So sollen Toiletten und Züge unterwegs öfter gereinigt werden. "Und es geht um die Verfügbarkeit der Bordbistros – jeder soll sich Kaffee und Baguette kaufen können."
Quadrostreife statt Doppelstreife an Bahnhöfen
Zugleich solle aber auch die Sicherheit und Sauberkeit an Bahnhöfen ins Visier genommen werden. "Ganz konkret planen wir, an 18 großen deutschen Bahnhöfen die Doppelstreife, die wir heute schon haben, zu verstärken – zu einer Quadrostreife, die jeweils aus zwei Sicherheitsleuten von der DB-Sicherheit und zwei Polizisten besteht."
Pünktlichkeit soll stabilisiert werden
Mit Blick auf unpünktliche Züge sagte Palla: "Wir sehen seit drei, vier Jahren einen Rückgang bei der Pünktlichkeit." Sie fügte an: "Es geht jetzt darum, die Pünktlichkeit zu stabilisieren, also die Talsohle zu erreichen, und dann nach oben zu bringen."
Im Oktober hatte die Bahn bei der Pünktlichkeit einen neuen Tiefstand erreicht. Jeder zweite Fernverkehrszug war verspätet unterwegs. Als Hauptgründe galten Baustellen infolge der maroden Infrastruktur, technische Störungen an Oberleitungen und Weichen sowie Unwetterereignisse. Als verspätet gilt ein Zug bei der Bahn erst ab einer Verzögerung von sechs Minuten.
Palla rechnet mit weniger überfüllten Zügen an Weihnachten
An Weihnachten soll der Verkehr besser laufen, so Palla. "Wir werden das Bauvolumen während des Weihnachtsreiseverkehrs auf ein Minimum begrenzen, um die Züge deutlich ungestörter rollen zu lassen, als es aktuell der Fall ist. Wir werden alles auf die Schiene setzen, was rollen kann, die maximale Sitzplatzkapazität zur Verfügung stellen." Da der Heilige Abend dieses Jahr auf einen Mittwoch fällt, werde sich der Reiseverkehr voraussichtlich relativ gut verteilen. Palla: "Deshalb gehen wir davon aus, dass es weniger überfüllte Züge gibt."
GDL lobt geplanten Kahlschlag im Bahn-Management
Vor kurzem wurde bekannt, dass die neue Bahnchefin einen deutlichen Stellenabbau in den Chefetagen des DB-Konzerns plant. In der ersten Führungsebene unterhalb des Vorstands sollen 22 von 43 Posten wegfallen, außerdem sollen die Positionen der fünf Konzernbeauftragten abgeschafft und die Vorstände mehrerer Tochtergesellschaften verkleinert werden.
Die Lokführergewerkschaft GDL lobte die Pläne am Samstag. "Kürzere Entscheidungswege, weniger Verantwortungs-Pingpong und ein Ende der internen Konzernpolitik um Posten sind notwendige Voraussetzungen dafür, dass die Bahn überhaupt wieder handlungsfähig wird", sagte GDL-Chef Mario Reiß dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND, externer Link, möglicherweise Bezahl-Inhalt). Das Top-Management dafür deutlich zu verkleinern, sei ein richtiger und überfälliger Ansatz. Berichten zufolge sollen auch diese Pläne am Mittwoch dem Aufsichtsrat zur Abstimmung vorgelegt werden.
Palla steht seit drei Monaten an der Spitze des Konzerns, zuvor hatte sie die Tochtergesellschaft DB Regio geleitet. Zum Antritt hatte sie einen grundsätzlichen Umbau der Deutschen Bahn angekündigt.
Mit Informationen von dpa und AFP
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