Eine Silvesterparty im Nobel-Skiort Crans-Montana im französischsprachigen Teil des Schweizer Kantons Wallis endet in einer Tragödie: In einer Bar mit Hunderten Feiernden bricht Feuer aus, Dutzende Menschen sterben. Ein Überblick über das, was bislang bekannt ist.
- Zum Artikel: Dutzende Tote nach Feuer in Skiort Crans-Montana
Was genau ist passiert?
Am Neujahrstag, gegen halb zwei Uhr nachts, brach in der Bar "Le Constellation" in Crans-Montana Feuer aus – während einer Silvesterfeier. Den Behörden zufolge kam es dabei zu einem sogenannten "Flashover". Damit ist gemeint, dass ein entstehender Brand plötzlich in einen Vollbrand übergeht – wohl durch eine Explosion bzw. durch eine Verpuffung.
Augenzeugen berichteten dem ARD-Studio Genf, dass sich die Bar über zwei Stockwerke erstreckt. Aus dem unteren hätten Menschen kaum fliehen können. Der Weg führe über eine kleine Treppe – und dort sei schnell Panik ausgebrochen.
Wie konnte es zu dem Brand kommen?
Das ist bisher noch unklar. Immerhin: Die Behörden zeigen sich sicher, dass es ein Unglück war und kein Anschlag. Letzteres könne absolut ausgeschlossen werden, sagte die Generalstaatsanwältin des Kantons Wallis, Beatrice Pilloud, am Vormittag.
Am frühen Abend reagierte sie dann auch auf Berichte von zwei Augenzeuginnen im französischen Sender BFMTV, wonach das Feuer durch Kerzen verursacht wurde, die auf Champagnerflaschen steckten. Dazu sagte die Generalstaatsanwältin auf der Pressekonferenz am frühen Abend, die Ermittlungen liefen - und es sei einfach noch zu früh, dazu etwas zu sagen.
Der für Sicherheit zuständige Staatsrat des Wallis, Stéphane Ganzer, sagte, erst nach dem Ausbruch des Feuers sei es zu einer Explosion gekommen, der Brand sei nicht durch explosive Gegenstände ausgelöst worden. Er sprach von "Chaos" und dramatischen Szenen am Brandort.
Wie viele Menschen hat es getroffen?
Zunächst war von "Dutzenden Toten" und rund hundert Verletzten die Rede gewesen. Seit dem frühen Abend ist klar: Es gibt etwa 40 Todesopfer und 115 Verletzte. Die meisten Verletzungen seien schwer, sagte der Polizeichef des Kantons Wallis, Frédéric Gisler.
Jetzt sei vor allem die Gerichtsmedizin gefordert, um die Angehörigen so bald wie möglich informieren zu können, hieß es.
Zu den am schwersten Verletzten gehören jüngsten Angaben zufolge junge Leute im Alter von 16 bis 26 Jahren. Ihre Behandlung werde Wochen, wenn nicht Monate dauern, sagte die Klinikdirektorin in Lausanne, Claire Charmet, der Schweizer Zeitung "24 Heures". Acht Patienten hätten wiederbelebt werden müssen.
Woher kommen die Opfer? Sind auch Deutsche unter ihnen?
Das Auswärtige Amt hat auf Nachfrage mitgeteilt, es gebe noch keine Erkenntnisse darüber, ob auch Deutsche unter den Verletzten oder Toten sind. Allerdings hieß es auf den Pressekonferenzen der Schweizer Behörden, man gehe davon aus, dass es auch viele Ausländer getroffen habe.
Nach Angaben des italienischen Außenministers Antonio Tajani wurden zwischen zwölf und 15 Italiener bei dem Feuer verletzt und in Krankenhäuser eingeliefert. Etwa 16 Italiener würden vermisst. Nach Angaben des französischen Außenministeriums werden acht französische Staatsbürger vermisst. Mindestens zwei Franzosen seien verletzt worden. Drei Überlebende seien in französische Krankenhäuser verlegt worden, weitere Verlegungen seien im Gange.
Wie geht es jetzt weiter?
Um die Arbeit am Unglücksort und die Identifizierung der Opfer besser koordinieren zu können, hat der Walliser Stadtrat die "besondere Lage" ausgerufen. Damit sollen möglichst schnell alle nötigen Mittel und Einsatzkräfte mobilisiert werden können. Die Notaufnahme im wichtigsten Krankenhaus im Wallis war voll, die Brandopfer wurden auf Kliniken im ganzen Land verteilt.
Der Schweizer Bundespräsident Guy Parmelin hat seine Neujahrsansprache verschoben – aus Respekt vor dem Leid und der Trauer der betroffenen Familien. Auf einer weiteren Pressekonferenz am frühen Abend sprach er von einer "wirklichen Tragödie", der "größten, die unser Land wahrscheinlich je erlebt hat".
Er vertraue auf den Sachverstand der Experten, so Parmelin weiter. Dabei verwies er nicht nur auf die Identifizierung der Opfer, sondern auch auf die "strafrechtlichen Aspekte" des Unglücks: "Das sind wir den Menschen schuldig, auch denen, die aus dem Ausland gekommen sind."
Wie sind die Reaktionen im Ausland?
Italiens Außenminister Tajani bot im Onlinedienst X die Unterstützung eines Klinikzentrums für schwere Brandverletzungen in Mailand an. Die EU teilte mit, sie stehe mit den Schweizer Behörden wegen medizinischer Unterstützung in Kontakt.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) zeigte sich erschüttert. Auf X schrieb er: "Ein Moment der Freude wurde in Crans-Montana in der Schweiz zur Tragödie." In einem Kondolenztelegramm sprach er dem Schweizer Bundespräsidenten Parmelin, dem schweizerischen Volk und den betroffenen Familien sein "tiefstes Mitgefühl" aus. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron reagierte ebenfalls bestürzt und sprach der Schweiz die "volle Solidarität" Frankreichs aus.
Mit Informationen von dpa und AFP
Im Video: Feuerinferno in Crans-Montana
Rettungsdienst im Einsatz im Skiort Crans-Montana
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Version des Artikels wurde aufgrund eines Übersetzungsfehlers die Zahl von rund 50 Schwerstverletzten genannt. Die Ermittler sprachen jedoch von 115 Verletzten, die meisten von ihnen seien schwer verletzt. Wir haben die Passage entsprechend korrigiert.
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