Symbolbild: Eine Mautstation in Italien
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Bildrechte: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
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In Italien im Stau: Künftig gibt es Geld zurück

In Italien im Stau: Künftig gibt es Geld zurück

Wer auf italienischen Autobahnen künftig lange im Stau steht oder durch Baustellen behindert wird, soll seine Mautgebühr erstattet bekommen. Das soll mehr Fairness für Autofahrer schaffen. Ab nächstem Sommer soll diese Regel umgesetzt werden.

Über dieses Thema berichtet: BR24 Radio Nachrichten am .

Autofahrer, die in Italien zu lange im Stau stehen, sollen ab Juni 2026 Erstattung für die gezahlte Maut erhalten. Erlassen wurde die entsprechende Regelung von der "Autorità di Regolazione die Trasporti" (ART), einer Regulierungsbehörde mit Sitz in Turin, die weitreichende Kompetenzen im italienischen Verkehrssektor hat. Die Regeln sollen ab dem 1. Juni 2026 auf den ersten Autobahnen gelten, bis zum 1. Dezember 2026 sollen sie auf alle Autobahnstrecken in Italien ausgeweitet werden.

Um welche Verspätungen geht es?

Bei kürzeren Strecken zwischen 30 und 50 Kilometer soll bereits ab einer Verspätung von zehn Minuten eine Erstattung beantragt werden können, bei längeren Strecken muss die Verspätung mindestens 15 Minuten betragen. Je nachdem, wie lang die Strecke und wie groß die Verspätung ist, soll die bezahlte Maut teilweise oder auch vollständig erstattet werden.

Der Präsident der Behörde, Nicola Zaccheo, sagte, die Regel solle die Rechte der Bürger stärken: Die Mautgebühr solle dem tatsächlichen Service der Autobahn entsprechen. Dieser werde durch Baustellen oder starken Verkehr erheblich eingeschränkt.

Mogeln wird nicht möglich sein

Die Verspätung wird mit unterschiedlichen Methoden gemessen: Zum einen anhand der Einfahrtszeit auf – und der Abfahrzeit von der Autobahn. Diese wird an den Mautstellen registriert.

Hinzugezogen wird aber auch die Durchschnittsfahrzeit anderer Fahrzeuge. Damit wird verhindert, dass Autofahrer mogeln, indem sie sich etwa sehr lange an einer Raststätte aufhalten. Bei Nutzern des elektronischen Mautsystems "Telepass" wird die Verspätung voll elektronisch erfasst.

Druck auf Autobahnbetreiber

In Italien wird das Autobahnsystem nicht staatlich zentral betrieben, sondern von mehreren privaten oder teilprivaten Konzessionsunternehmen verwaltet. Diese sind für Instandhaltung und Mauterhebung zuständig.

Die von der ART erlassene Regel soll somit den Druck auf die Betreiber erhöhen, Baustellen besser zu planen, Arbeiten schnell und mit möglichst wenigen Einschränkungen für die Autofahrer durchzuführen. Aber auch für die Betreiber soll es fair bleiben: Bei Unfällen, Unwettern oder Rettungseinsätzen müssen sie die Mautgebühr nicht erstatten.

Erstattungsregel ist nicht ganz neu

Ganz neu ist die Idee übrigens nicht: Der größte Autobahnbetreiber Italiens, "Autostrade per l’Italia" bietet bereits seit 2020 die Möglichkeit, sich die Maut bei Baustellen und Verkehrsbehinderungen erstatten zu lassen. Auf der Website des Unternehmens kann man in einer Tabelle nachlesen, welcher Teil der Maut bei welcher Verspätung erstattet wird.

Mit der neuen Regel soll das System allerdings verpflichtend für ganz Italien und vereinheitlicht werden – so soll man die Erstattungen etwa über eine zentrale App oder über eine einheitliche Telefonnummer beantragen können.

Kritik von Verbraucherverbänden

Verbraucherverbände reagieren mit Blick auf die neue Regelung skeptisch. Sie kritisieren, die Erstattungssummen seien zu niedrig – so werde die volle Maut nur in seltensten und sehr unwahrscheinlichen Fällen erstattet: Etwa bei einem sehr langen, vollkommenen Stillstand auf der Autobahn, der mehr als drei Stunden dauere.

Die Beantragung per App, die von der Verkehrsregulierungsbehörde beworben werde, schließe ältere Menschen aus beziehungsweise mache die Anträge für sie komplizierter. Zudem könnten die Autobahnbetreiber die Kosten für Rückerstattungen durch höhere Mautgebühren kompensieren.

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